Altersvorsorgedepot, Riester-Rente

Altersvorsorgedepot: Neue Riester-Rente mit 540-Euro-Zulage ab Januar

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 16:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Altersvorsorgedepot ersetzt für Neukunden die Riester-Rente, senkt den Kostendeckel auf 1 Prozent und erhöht die Grundzulage auf 540 Euro.

Altersvorsorgedepot ab 2027: Mehr Aktien, neue Förderung
Ein minimalistischer Schreibtisch mit einem Notizbuch und einem Füllfederhalter vor einem unscharfen Stadtpanorama. Illustration mit AI erstellt.

Zum 1. Januar 2027 steht in der deutschen Altersvorsorge ein grundlegender Systemwechsel bevor. Die Bundesregierung führt das sogenannte Altersvorsorgedepot ein, das für Neukunden die bisherige Riester-Rente ablösen wird.

Während bestehende Riester-Verträge fortgeführt werden können, zielt das neue Modell auf eine höhere Renditechance durch eine stärkere Kapitalmarktorientierung ab. Experten und Marktteilnehmer analysieren bereits die Auswirkungen auf Sparer und den Finanzmarkt.

Ablösung der Riester-Rente durch staatlich geförderte Depots

Das Altersvorsorgedepot markiert eine Abkehr von den strengen Beitragsgarantien der Riester-Rente, die zuletzt oft zu niedrigen Renditen geführt hatten. Während Riester-Produkte eine Aktienquote von meist unter 30 Prozent aufweisen, ermöglicht das neue Depotmodell eine Aktienquote von bis zu 100 Prozent.

Ein zentrales Merkmal ist der Wegfall der verpflichtenden Bruttobeitragsgarantie, wenngleich Anbieter weiterhin optionale Garantieprodukte mit Absicherungsniveaus von 80 oder 100 Prozent bereitstellen können.

Die Kostenstruktur des neuen Systems ist deutlich niedriger angesetzt. Während bei Riester-Verträgen jährliche Kosten zwischen 2 und 3 Prozent üblich sind, wird für das Standarddepot ein Kostendeckel von 1 Prozent eingezogen. Aktuelle Angebote am Markt deuten bereits darauf hin, dass die tatsächlichen Gebühren deutlich darunter liegen könnten; einige Anbieter rufen Kosten zwischen 0,1 und 1,0 Prozent pro Jahr auf.

Förderstruktur und finanzielle Anreize für Sparer

Die staatliche Förderung wird ab Januar 2027 neu geordnet. Sparer können bis zu 1.800 Euro als Eigenbeitrag leisten und erhalten darauf eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr.

Zum Vergleich: Bei der Riester-Rente lag die Grundzulage bei 175 Euro. Zusätzlich ist eine Kinderzulage vorgesehen, die bis zu 300 Euro pro Jahr (bzw. 25 Euro pro Monat) betragen kann. Berufseinsteiger erhalten zudem einen einmaligen Bonus von 200 Euro.

Ein Wechsel von bestehenden Riester-Verträgen in das neue Depot ist möglich und nach einer Laufzeit von fünf Jahren kostenlos. Die Auszahlungsphase ist flexibel gestaltet und kann ab dem 65. Lebensjahr beginnen, muss jedoch spätestens mit Vollendung des 70. Lebensjahres einsetzen. Förderberechtigt sind nach Branchenschätzungen mehr als 50 Millionen Personen, wobei das Modell erstmals auch Selbstständige explizit einschließt.

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Marktstart und Wettbewerb der Finanzdienstleister

Bereits Monate vor dem offiziellen Start positionieren sich Finanzdienstleister, um Marktanteile zu sichern. Ende August 2026 begannen erste Anbieter wie Scalable Capital damit, um Kunden zu werben. Das Unternehmen stellte Kosten von 0,15 Prozent in Aussicht und startete eine Vorregistrierung. Auch die ING nutzt Wartelisten für Interessenten. Der Anbieter finanzen.net ZERO bewirbt zudem Gebührenfreiheit für ETF-Sparpläne im Rahmen des Depots.

Modellrechnungen von Finanztip verdeutlichen den Einfluss der Kosten auf das Endkapital. Bei einer monatlichen Sparrate von 150 Euro und einer angenommenen Rendite von 6 Prozent über die Laufzeit könnte ein Depot mit 0,1 Prozent Kosten für einen im Jahr 1990 geborenen Sparer ein Kapital von rund 145.000 Euro erreichen. Steigen die Kosten auf 1 Prozent, sinkt der Endwert laut diesen Berechnungen auf etwa 124.000 Euro.

Spezielle Vorsorgemodelle für Kinder und Späteinsteiger

Das Reformpaket umfasst zudem gezielte Anreize für unterschiedliche Lebensphasen. Für Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren ist eine sogenannte Frühstartrente vorgesehen.

Der Staat zahlt hierbei 10 Euro pro Monat ein, rückwirkend ab Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020. Ohne zusätzliche private Zuzahlung könnte ein solches Depot bei einer angenommenen Rendite von 7 Prozent bis zum 65. Lebensjahr auf rund 53.000 Euro anwachsen. Mit einer zusätzlichen privaten Einzahlung von ebenfalls 10 Euro monatlich würde sich der Wert auf etwa 107.000 Euro verdoppeln.

Auch für Späteinsteiger über 55 Jahre bietet das Modell Vorteile. Bei einer zehnjährigen Ansparzeit und einer Einzahlung von 1.800 Euro jährlich ergibt sich inklusive der Zulage von 540 Euro eine Förderquote von etwa 33 Prozent. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent könnten zudem Steuerersparnisse von bis zu 980 Euro realisiert werden.

Fachliche Diskussion über Anlagestrategien und Nachhaltigkeit

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Innerhalb der Finanzbranche wird die Ausgestaltung des Depots teils kritisch begleitet. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mahnt die Notwendigkeit lebenslanger Leistungen an und kritisiert die Ausrichtung des staatlichen Standardprodukts. Zudem wird über mögliche politische Vorgaben wie eine „Europa-Quote“ diskutiert.

Während einige Marktteilnehmer vor einer einseitigen Konzentration auf ETFs und einer damit verbundenen Blasenbildung warnen, fordern Verbände wie der BVI eine Anlagefreiheit ohne politische Beschränkungen. Umfragen deuten unterdessen darauf hin, dass rund zwei Drittel der potenziellen Anleger eine explizite Förderung nachhaltiger Investments befürworten würden.

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