Altersvorsorgedepot, Förderung

Altersvorsorgedepot: Neue Förderung mit 390 Euro ab Januar 2027

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 01:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine umfassende Rentenreform mit Altersvorsorgedepot, verpflichtender Kapitalrente und dem Ende der Rente mit 63.

Rentenreform 2026: Neues Depot, Pflichtrente und Rente mit 63 vor dem Aus
Altersvorsorgedepot - Eine Nahaufnahme von Händen, die ein Tablet mit Anlagendiagrammen halten, vor einem Hintergrund von abstrakten Finanzdatenvisualisierungen. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Mix aus neuem Altersvorsorgedepot, verpflichtender Kapitalrente und Einschnitten bei der Frührente soll das System stabilisieren.

Das Altersvorsorgedepot kommt 2027

Zentraler Baustein ist das neue Altersvorsorgedepot, das am 1. Januar 2027 starten soll. Anleger wählen aus einem breiten Spektrum an Fonds und ETFs, die Einzahlungen sind flexibel. Ein Lifecycle-Ansatz sorgt für automatische Umschichtung je nach Alter.

Besonders interessant: Die staatliche Förderung fällt für Geringverdiener und Späteinsteiger üppig aus. Ab 55 Jahren sind bis zu 33 Prozent Förderquote drin. Bei 1.200 Euro jährlicher Einzahlung gibt es 390 Euro Grundzulage, maximal 540 Euro. Und ein dicker Steuervorteil: In der Ansparphase fällt keine Abgeltungssteuer an – die Besteuerung kommt erst mit dem Renteneintritt, frühestens mit 65.

Die Stimmung in der Bevölkerung ist gespalten. Eine Yougov-Umfrage im Auftrag der Postbank zeigt: 38 Prozent der Erwerbstätigen können sich das Depot vorstellen, 46 Prozent lehnen es ab. Ein Drittel kann das Verlustrisiko nicht einschätzen.

Verpflichtende Kapitalrente nach schwedischem Vorbild

Die Alterssicherungskommission empfahl am 23. Juni 2026 eine zusätzliche Pflichtrente. Der Plan: 2 Prozent des Bruttolohns, hälftig von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Der Start ist für 2028 vorgesehen, mit jährlicher Steigerung von 0,5 Prozentpunkten.

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Das Ziel: spürbar höhere Monatsrenten für künftige Generationen. Modellrechnungen zufolge könnten Gutverdiener nach 45 Jahren eine Brutto-Zusatzrente von rund 770 Euro erhalten. Die Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer signalisierte bereits Bereitschaft zur Übernahme der Verwaltung. Die Bundesbank verwaltet bereits Anlagevolumina von rund 140 Milliarden Euro für öffentliche Kunden.

Rente mit 63 vor dem Aus

Die Einschnitte im bestehenden System sind tiefgreifend. Die Rentenkommission schlägt vor, das Renteneintrittsalter zwischen 2031 und 2041 schrittweise auf 67,5 Jahre anzuheben. Parallel dazu soll die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren – die sogenannte „Rente mit 63“ – wegfallen.

Die Fronten sind verhärtet: Die Union will kurze Übergangsfristen von zwei bis drei Jahren, die SPD fordert fünf bis zehn Jahre. Betroffen wären rund 2,8 Millionen potenzielle Bezieher der Geburtsjahrgänge ab 1965. Experten versprechen sich eine Entlastung von bis zu 10 Milliarden Euro jährlich und den Verbleib von rund 125.000 Fachkräften am Arbeitsmarkt.

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Auch Minijobber müssen mit Änderungen rechnen. Der Pauschalsteuersatz soll von 2 auf 5 Prozent steigen. Zudem gibt es die Empfehlung, Minijobs künftig vorrangig Schülern vorzubehalten. Eine Entscheidung fällt im Herbst.

Deutschland hängt international hinterher

Der Blick über die Grenzen zeigt: Deutschland hat bei der kapitalgedeckten Vorsorge enormen Nachholbedarf. Das hiesige Vorsorgevermögen liegt bei mageren 6,4 Prozent des BIP. Länder wie die Niederlande, Island oder Dänemark erreichen 150 bis über 200 Prozent.

Um frühzeitig Anreize zu schaffen, wird die sogenannte Frühstart-Rente diskutiert. Eltern könnten monatlich 10 Euro bis zum 18. Lebensjahr ihres Kindes anlegen. Ähnliche Ansätze gibt es international: In den USA wird ein einmaliger Startzuschuss von 1.000 US-Dollar in einem ETF-Depot für Neugeborene der Jahrgänge 2025 bis 2028 diskutiert.

Ziel aller Maßnahmen: die Abhängigkeit von der umlagefinanzierten Rente verringern und eine Nettoersatzquote von mindestens 70 Prozent sichern.

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