Altersvorsorgedepot ab Januar 2027: 33% Förderung statt Riester
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 16:20 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ein Altersvorsorgedepot soll die Riester-Rente ablösen, die Rente mit 63 steht auf der Kippe.
Abschied von der Rente mit 63
Eine Rentenkommission hat weitreichende Vorschläge vorgelegt. Zentraler Punkt: Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll wegfallen. Betroffen waren zuletzt rund 30 Prozent der Neurentner – ihre Durchschnittsrente lag 2025 bei 1.677 Euro.
Die Kommission will das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln. Konkret: Bis 2041 soll die Altersgrenze auf 67,5 Jahre steigen, bis 2051 auf 68 Jahre. Dagegen regt sich Widerstand – besonders aus Ostdeutschland, wo die Lebenserwartung stagniert.
CSU-Chef Markus Söder stellt sich zudem gegen die geplante Abschaffung der abgabenfreien Minijobs. Für bereits laufende Renten gibt es Bestandsschutz: Neuberechnungen sind nicht vorgesehen, das Rentenniveau bleibt bis 2031 bei 48 Prozent stabil. Zum 1. Juli stiegen die Bezüge für 21,5 Millionen Rentner um 4,24 Prozent.
Altersvorsorgedepot: Riester 2.0
Zum 1. Januar 2027 kommt das Altersvorsorgedepot. Es soll die Riester-Rente ablösen und lockt mit einer Förderquote von 33 Prozent auf Eigenbeiträge. Wer jährlich 1.200 Euro einzahlt, erhält 390 Euro Grundzulage. Besonders Späteinsteiger ab 55 profitieren.
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Die Günstigerprüfung ermöglicht Förderungen bis zu 980 Euro bei hohem Steuersatz. Schon seit Januar gilt die Aktivrente: Rentner dürfen bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuverdienen. Das soll Anreize für längeres Arbeiten schaffen.
Immer weniger arbeiten – immer mehr gehen in Rente
Der demografische Druck ist enorm. Das Institut der deutschen Wirtschaft prognostiziert: Bis 2036 schrumpft die Erwerbsbevölkerung um 4,3 Millionen Menschen – 1,3 Millionen mehr als bisher angenommen. Bis 2040 sinkt die Gesamtbevölkerung auf unter 82 Millionen.
Viele Beschäftigte zweifeln, ob sie bis zur Rente durchhalten. Eine DGB-Umfrage unter 28.000 Arbeitnehmern zeigt: 40 Prozent glauben nicht daran. In körperlich schweren Berufen sind es sogar 72 Prozent. Die IG BAU fordert deshalb spezielle Flexi-Renten-Modelle – auf Berliner Baustellen sind nur vier Prozent der Beschäftigten älter als 63.
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Was die private Vorsorge bringt
Wer selbst vorsorgt, hat enorme Hebelwirkung. Eine Modellrechnung zeigt: Bei 300 Euro monatlicher Sparrate over 30 Jahre bringt Tagesgeld (2 Prozent Zinsen) rund 148.000 Euro. Breit gestreute Aktien-ETFs (7 Prozent Rendite) erzielen dagegen 340.000 Euro – eine Differenz von 192.000 Euro.
Doch Finanzexperten warnen vor reiner Geldfixierung. Der Ruhestand sei gesellschaftlich überhöht, ohne strukturierte Lebensplanung drohe eine Sinnkrise. Ein leerer Kalender bedeute nicht automatisch Freiheit.
Die Nachfrage nach Beratung steigt. Das Versicherungsamt in Frankfurt verzeichnet deutlich mehr Anfragen – die komplexe Gesetzeslage und die anstehenden Reformen verunsichern viele.
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