Altersvorsorgedepot: Ab 2027 können auch Selbstständige staatlich gefördert sparen
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 18:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit der zum 1. Januar 2027 in Kraft tretenden Altersvorsorgereform weitet die Bundesregierung den Zugang zu staatlich geförderten Vorsorgemodellen deutlich aus. Ein zentrales Element ist dabei das neue Altersvorsorgedepot (AVD), das künftig auch Selbstständigen und Praxisinhabern offensteht.
Diese Berufsgruppen waren bisher weitgehend auf die Basisrente, auch als Rürup-Rente bekannt, angewiesen. Berichten vom September 2026 zufolge markiert die Reform eine Abkehr von der bisherigen Riester-Logik, insbesondere durch den Verzicht auf verpflichtende Beitragsgarantien zugunsten höherer Renditechancen.
Staatliche Förderstruktur und steuerliche Anreize
Das Altersvorsorgedepot sieht eine staatliche Förderung von bis zu 540 Euro pro Jahr vor. Um die volle Zulage zu erhalten, ist eine monatliche Sparrate von 150 Euro erforderlich. Die Struktur der Zulagen ist gestaffelt: Auf die ersten 360 Euro des Eigenbeitrags gewährt der Staat einen Zuschuss von 50 Prozent.
Für weitere Einzahlungen bis zu einem Betrag von 1.800 Euro liegt der Fördersatz bei 25 Prozent. Zusätzlich können Sparer eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten.
Sowohl die Eigenbeiträge als auch die Zulagen sind steuerlich ansetzbar. Michael Schwarz vom Finanzdienstleister MLP bezeichnete das Depot als einen ergänzenden Baustein, der künftig neben das berufsständische Versorgungswerk und die Basisrente treten könne.
Durch den Wegfall der Garantiepflicht können Anleger das Kapital vollständig in renditestärkere Anlagen investieren, wobei Experten langfristig von deutlichen Zuwächsen gegenüber klassischen Garantieprodukten ausgehen.
Markterwartungen und Prognosen für das kommende Jahr
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Branchenexperten von Franklin Templeton und MorgenFund prognostizieren für das Jahr 2027 eine hohe Akzeptanz des neuen Modells. Sie rechnen deutschlandweit mit 6,5 bis 8 Millionen neu eröffneten Altersvorsorgedepots. Als Basis für diese Einschätzung dienen die rund 15 Millionen Bundesbürger, die bereits in Aktien investieren, sowie der Bestand von etwa 16 Millionen Riester-Verträgen.
S&P Global schätzt die jährlichen Zuflüsse in die neuen Depots auf ein Volumen zwischen 26 und 56 Milliarden Euro. Dabei wird erwartet, dass börsengehandelte Indexfonds (ETFs) eine dominante Rolle spielen werden. Schätzungen gehen davon aus, dass über 70 Prozent des verwalteten Vermögens in ETFs fließen könnten.
Christian Machts, Deutschlandchef von Franklin Templeton, verwies in diesem Zusammenhang auf Marktdaten, wonach bereits im Jahr 2026 rund 96 von 100 Euro der Nettomittelzuflüsse deutscher Anleger in ETFs investiert wurden.
Wettbewerb und Kostenstrukturen der Anbieter
Im Vorfeld des Starts im Januar 2027 zeichnet sich ein intensiver Preiswettbewerb ab. Christian Machts erwartet für die kommenden Jahre rund 300 verschiedene Angebote am Markt. Erste Finanzdienstleister haben bereits konkrete Konditionen für das Altersvorsorgedepot veröffentlicht:
- Scalable Capital: Plant ein Modell ohne Grundgebühr (0,00 Prozent) im ersten Jahr, gefolgt von einer jährlichen Gebühr von maximal 0,15 Prozent.
- Smartbroker: Beabsichtigt, ETF-Kosten bis zu einer Anlagesumme von 25.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren zu erstatten.
- Dekabank: Kündigte ein Standardprodukt mit Effektivkosten von 0,1 Prozent auf ETF-Basis sowie Individualmodelle mit Kosten zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr an.
- Fidelity: Setzt bei seinem Standardprodukt auf Gebühren zwischen 35 und 75 Basispunkten zuzüglich eines jährlichen Depotentgelts von 12 Euro.
Gesetzlich ist der Kostendeckel für diese Produkte auf 1 Prozent pro Jahr festgeschrieben. Franklin Templeton plant, ETFs im niedrigen einstelligen Basispunktbereich anzubieten und strebt einen zweistelligen Marktanteil an, wobei der Vertrieb über Partner und nicht direkt an Endkunden erfolgen soll. MorgenFund betreut bereits über 1,2 Millionen Altersvorsorgedepots in bestehenden Strukturen.
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Regulatorischer Zeitplan und technische Herausforderungen
Der gesetzliche Rahmen wurde bereits frühzeitig gesteckt; die Zustimmung des Bundesrates zum Altersvorsorgereformgesetz erfolgte am 8. Mai 2026. Damit verbleibt den Instituten ein Vorlauf von knapp acht Monaten bis zum offiziellen Start. Eine zentrale Hürde stellt die Zertifizierung durch die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) dar, für die ein umfangreiches Einreichungspaket von rund 200 Seiten erforderlich ist.
Zudem stehen die Anbieter vor technischen Herausforderungen. Neben der Anpassung der Kernbankensysteme muss die Migration von Millionen bestehender Riester-Verträge bewältigt werden. Während zum Start vor allem liquide Anlagen im Fokus stehen, sind Private Markets oder ELTIF-Allokationen von 10 bis 15 Prozent erst für spätere, erweiterte Varianten des Depots vorgesehen.
