Altersvorsorgedepot: 50 Cent Förderung pro Euro ab Januar 2027
26.05.2026 - 11:31:07 | boerse-global.deWährend Schweden und Ungarn mit 14,7 Prozent die höchsten Sparquoten der EU verzeichnen, müssen Griechen mit minus 9,3 Prozent ihre Rücklagen aufbrauchen. Der EU-Durchschnitt liegt bei 8,1 Prozent – doch dieser Wert täuscht über die dramatischen Unterschiede hinweg.
Deutsche sparen überdurchschnittlich
Deutschland liegt mit einer Sparquote von 10,3 Prozent klar über dem EU-Mittel. Die Niederlande folgen knapp dahinter mit 10,2 Prozent. Frankreich erreicht 12,8 Prozent, Tschechien 13,7 Prozent. Ganz anders sieht es in Südeuropa aus: Lettland verzeichnet eine Sparquote von null Prozent, die Slowakei kommt auf zwei, Italien und Estland auf jeweils rund drei Prozent. Großbritannien liegt bei 4,7 Prozent, Dänemark bei 7,5 Prozent.
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Zum Vergleich: Während der Lockdowns 2020 war die EU-Sparquote auf 12,4 Prozent in die Höhe geschossen – ein historischer Ausreißer, der sich inzwischen wieder normalisiert hat.
Griechenland: Sparen unmöglich
Besonders dramatisch ist die Lage in Griechenland. Mit minus 9,3 Prozent geben die Haushalte dort mehr aus, als sie einnehmen. Das Geld wird aus vorhandenen Rücklagen genommen oder neue Schulden aufgenommen. Immerhin: 2013 lag der Wert bei minus 16,5 Prozent, 2022 bei minus 12,2 Prozent. Eine leichte Erholung ist also erkennbar.
Eine Studie des National Bureau of Economic Research (NBER) aus dem Jahr 2025 identifiziert Altersvorsorge und Vorsichtsmotive als Haupttreiber des Sparverhaltens. Doch die Berechnung ist kompliziert: Experten der Goethe-Universität Frankfurt weisen darauf hin, dass länderspezifische Unterschiede bei der Altersstruktur und unterschiedliche Reaktionen auf Wirtschaftskrisen direkte Vergleiche erschweren.
Deutsche werden reicher – trotz Krisen
Trotz aller wirtschaftlichen Unsicherheiten: Der durchschnittliche Deutsche ist etwa 16.000 Euro wohlhabender als noch vor einem Jahr. Das zeigt der Allianz World Wealth Report. Die durchschnittlichen Netto-Geldvermögen pro Kopf liegen nun bei 86.800 Euro – ein deutlicher Anstieg von 69.000 Euro im Vorjahr.
Laut Bundesbank entfallen rund 10.000 Euro dieses Zuwachses auf die Neubewertung von Unternehmensbeteiligungen, weitere 6.000 Euro auf steigende Aktienkurse und eine hohe Sparneigung. International belegt Deutschland damit Platz 13 im Pro-Kopf-Vermögen, knapp hinter Italien. Die USA führen mit 311.000 Euro pro Kopf deutlich.
Neues Rentenmodell: Altersvorsorgedepot kommt 2027
Die Bundesregierung will die private Altersvorsorge neu aufstellen. Nach einem Bundestagsbeschluss vom 26. März 2026 soll das „Altersvorsorgedepot“ zum 1. Januar 2027 das bisherige Riester-Modell ablösen. Die finale Gesetzesfassung sieht großzügigere Zuschüsse vor als ursprünglich geplant.
Statt 30 Cent pro investiertem Euro ab 2029 erhalten Sparer bereits ab 2027 50 Cent für jeden eingezahlten Euro. Die maximale jährliche Grundförderung liegt bei 540 Euro. Hinzu kommt eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent für Standardprodukte. Auch Selbstständige können nun teilnehmen.
Polen: Immer mehr Menschen sparen
In Osteuropa gewinnt das Sparen an Boden. Eine CBOS-Studie vom April 2026 zeigt: 53 Prozent der Polen konnten im Vormonat Geld zurücklegen – ein Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber Februar. Die Zahl derer, die ihren Konsum einschränken oder Kredite aufnehmen müssen, sank auf 37 beziehungsweise neun Prozent.
Weitere Daten von SW Research belegen: 66,1 Prozent der Polen sparen inzwischen regelmäßig. Die höchste Sparneigung zeigen Männer (69,2 Prozent), die Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen (78 Prozent) und Personen mit einem Nettoeinkommen über 7.000 Zloty (80,3 Prozent). Auch höhere Bildung und das Leben in mittelgroßen Städten mit 200.000 bis 500.000 Einwohnern fördern die Sparquote.
Österreich: Reparieren statt wegwerfen
In Österreich setzt man auf Nachhaltigkeit beim Geldausgeben. Die „Geräte-Retter-Prämie“ fördert die Reparatur von Haushalts- und Elektrogeräten. In den ersten Monaten 2026 wurden rund 97.600 Reparaturgutscheine eingelöst. Der maximale Zuschuss beträgt 130 Euro.
Ob das Programm über 2026 hinaus fortgesetzt wird, ist noch offen. Die Regierung prüft die Finanzierung im Rahmen eines Sparpakets von 2,5 Milliarden Euro für die Jahre 2027/28.
Inflation bleibt Herausforderung
Die Sparfähigkeit der Haushalte hängt eng mit der Preisentwicklung zusammen. Experten des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung prognostizieren in einem Podcast vom April 2026 eine Inflationsrate von 2,7 Prozent für die Eurozone im restlichen Jahr 2026. Haupttreiber sind Energie-, Rohstoffpreise und geopolitische Spannungen. Die Rückkehr zum EZB-Ziel von zwei Prozent wird erst mittelfristig erwartet.
Lebenshaltungskosten: Bis zu 300 Prozent Unterschied
Der City Costs Barometer 2026 zeigt die enormen Preisunterschiede in Europa. Für einen Warenkorb mit zwölf Standardartikeln für zwei Personen zahlt man in Sarajevo 287 Euro – die günstigste Hauptstadt. Es folgen Bukarest (299 Euro) und Tirana (304,50 Euro). Am teuersten ist Oslo mit 850 Euro, gefolgt von Kopenhagen (777 Euro) und Edinburgh (773,50 Euro). Die Spanne beträgt fast 300 Prozent – ein Grund, warum eine einheitliche europäische Sparstrategie kaum umsetzbar ist.
Altersvorsorge: Wertguthaben als neuer Trend
Neben dem neuen Altersvorsorgedepot gewinnen Wertguthaben an Bedeutung. Ab einem Mindestguthaben von 23.730 Euro können Beschäftigte angesammelte Überstunden oder Gehaltsbestandteile nutzen, um früher in Rente zu gehen oder eine Auszeit zu finanzieren. Bei einem Jobwechsel lassen sich diese Guthaben auf die Deutsche Rentenversicherung übertragen.
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Altersarmut: Weniger dramatisch als befürchtet?
Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeichnen ein differenziertes Bild: Das mittlere Nettovermögen von Rentnerhaushalten liegt bei rund 140.000 Euro – deutlich über den 103.000 Euro der Gesamtbevölkerung. Berücksichtigt man das Vermögen, sinkt das Armutsrisiko der über 65-Jährigen von 18 auf elf Prozent. Zwar ist der monatliche Cashflow bei manchen Rentnern geringer, doch das über ein Leben aufgebaute Vermögen – oft durch Immobilien oder private Ersparnisse – bietet einen erheblichen finanziellen Puffer.
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