Altersvorsorge: Neues Depot ab Januar 2027 ersetzt Riester-Rente
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 10:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach dem Bundesratsbeschluss vom 8. Mai 2026 wird die Altersvorsorge grundlegend umgebaut. Zwei zentrale Instrumente ersetzen das alte System: das Altersvorsorgedepot und die Kapitalrente.
Riester adé: Das Altersvorsorgedepot kommt
Ab dem 1. Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot starten. Es löst die Riester-Rente ab und setzt auf Kapitalmarkt-Investitionen. Die staatliche Förderung lockt mit einer Grundzulage von bis zu 540 Euro – vorausgesetzt, der Eigenbeitrag liegt bei 1800 Euro jährlich.
Wer weniger einzahlt, profitiert dennoch: Bei Beiträgen bis 360 Euro beträgt die Förderquote 50 Prozent, darüber hinaus 25 Prozent. Hinzu kommen steuerliche Vorteile. In der Ansparphase entfällt die Abgeltungssteuer auf Erträge. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent sind rund 443 Euro Erstattung drin.
Flexibel zeigt sich das Modell auch in der Kontenführung: Bis zu zwei Depots sind erlaubt, in die auch ungeförderte Beiträge fließen können. Bestehende Riester-Guthaben lassen sich ab 2027 übertragen – nach fünf Jahren Laufzeit sogar kostenlos.
Kapitalrente: Staatlicher Fonds verwaltet Milliarden
2028 folgt der zweite große Schritt: die gesetzliche Kapitalrente. Der obligatorische Zusatzbeitrag beträgt zwei Prozent des Bruttolohns, geteilt zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Einführung erfolgt schrittweise mit jährlichen Steigerungen von 0,5 Prozentpunkten.
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Das jährliche Beitragsaufkommen? Über 30 Milliarden Euro. Für die Verwaltung dieser Summen haben sich bereits mehrere Institutionen ins Spiel gebracht. Die Bundesbank-Vizepräsidentin signalisierte Bereitschaft – immerhin verwaltet die Bundesbank schon rund 140 Milliarden Euro für öffentliche Kunden.
Auch der Generationenkapital-Fonds (Kenfo) mit einer durchschnittlichen Rendite von 5,6 Prozent pro Jahr gilt als möglicher Träger. Das Modell orientiert sich am schwedischen Vorbild: ein staatlicher Standardfonds, aber mit Raum für private Anbieter. So soll politischer Druck auf den Staatsfonds begrenzt werden.
So viel Rente ist drin – und wo die Risiken liegen
Die Modellrechnungen klingen verlockend. Für heute 30-Jährige, die bis zur Rente einzahlen, wird bei einer angenommenen Rendite zwischen fünf und neun Prozent ein Kapitalstock von etwa 165.000 bis knapp 393.000 Euro prognostiziert. Daraus ließe sich eine monatliche Zusatzrente von 1000 Euro über bis zu 40 Jahre finanzieren.
Doch der Zeitplan wackelt. Wirtschaftsprofessoren und Finanzexperten bezweifeln, dass das Altersvorsorgedepot pünktlich zum Jahresbeginn 2027 starten kann. Fehlende Verordnungen und langwierige Ausschreibungsverfahren für private Anbieter bremsen. Auch innerhalb der Regierungskoalition wachsen die Zweifel an der rechtzeitigen Infrastruktur.
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Die langfristigen Perspektiven sind gemischt: Neugeborene könnten durch Instrumente wie die Frühstartrente rechnerisch bis zu 40 Prozent mehr Rente erhalten. Gleichzeitig steigen die lebenslangen Beitragszahlungen erheblich. Und das Rentenniveau von 48 Prozent? Das wird voraussichtlich ab 2032 aufgegeben.
Die Bevölkerung reagiert gespalten: Rund 38 Prozent der Erwerbstätigen zeigen Interesse am neuen Depot, 46 Prozent lehnen ab. Hauptgrund: die Unsicherheit über Verlustrisiken am Kapitalmarkt.
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