Altersvorsorge: Depot bringt 42.765 Euro mehr als Riester
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 13:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die staatlich geförderte private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem grundlegenden Wandel. Mehrere Berichte vom September 2026 thematisieren die geplante Abschaffung der Riester-Rente und beleuchten die wirtschaftlichen Folgen für Sparer sowie die Strukturen der künftigen Vorsorgemodelle.
Im Zentrum der Diskussion steht das zum Jahreswechsel 2027 erwartete Altersvorsorgedepot, das eine höhere Rendite durch geringere Kosten und den Verzicht auf starre Beitragsgarantien ermöglichen soll.
Wirtschaftlicher Vergleich zwischen Riester-Modellen und Depot-Lösungen
Analysen verdeutlichen die signifikanten Renditeunterschiede zwischen dem bisherigen Riester-System und dem künftigen Altersvorsorgedepot. Eine Modellrechnung, die auf monatlichen Einzahlungen von 100 Euro bis zum Jahr 2026 basiert, zeigt deutliche Diskrepanzen auf.
Demnach erreichten Sparer der Generation 2002 im Alter von 25 Jahren mit einem Riester-Vertrag ein Kapital von 46.967 Euro, während ein Depot im gleichen Zeitraum 89.732 Euro erwirtschaftete. Dies entspricht einer Differenz von 42.765 Euro.
Für die jüngere Generation 2015 im Alter von 12 Jahren liegt die berechnete Differenz bei 8.170 Euro. Ein wesentlicher Teil dieser Performance-Unterschiede lässt sich auf die Kostenstruktur und die Beitragsgarantien zurückführen.
Von der Differenz in Höhe von 42.765 Euro entfallen lediglich 1.505 Euro auf eine bessere Förderung im Depotmodell. Der weitaus größere Teil resultiert aus den unterschiedlichen Kostenquoten von 1,7 Prozent bei Riester gegenüber 1,0 Prozent beim Depot sowie dem negativen Effekt der Beitragsgarantie, der mit minus 3,0 Prozent beziffert wird.
Das neue Altersvorsorgedepot ab Januar 2027
Das Altersvorsorgedepot soll laut Planungen zum 1. Januar 2027 als neues Instrument der privaten, staatlich geförderten Vorsorge starten. Die jährliche Grundzulage wird dabei auf bis zu 540 Euro festgesetzt. Für das sogenannte Standarddepot sieht der Gesetzgeber eine Kostendeckelung von 1,0 Prozent vor.
Die Modellrechnung im Artikel zeigt eine Differenz von 42.765 Euro zwischen Riester-Vertrag und Depot — davon entfallen nur 1.505 Euro auf die bessere Förderung. Der Rest resultiert aus der Kostenquote von 1,7 gegenüber 1,0 Prozent und dem Effekt der Beitragsgarantie. Wer die Zahlen für die eigene Situation einordnen will, findet im kostenlosen Report die Vergleichsrechnung und eine Checkliste für den geplanten Systemwechsel 2027. Kostenlosen Vorsorge-Report anfordern
Erste Marktakteure bereiten sich bereits auf den Systemwechsel vor. Wie aus Berichten vom September 2026 hervorgeht, hat die DWS, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, bereits Pläne für entsprechende Produkte präsentiert. Diese werden im Markt jedoch nicht als explizit günstig bewertet.
Parallel dazu gibt es Bestrebungen aus der Industrie: Die Telekom plane laut Medienberichten über ihre Tochter Telekom Finance ein Angebot namens "Magenta Finance" für Mitarbeiter. Hierbei stünden Kosten von 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten im Raum. Das Unternehmen selbst äußerte sich bislang nicht zu diesen Informationen.
Akzeptanz und Sicherheitsbedürfnis der Sparer
Trotz der Renditevorteile zeigen Studien eine Ambivalenz bei den potenziellen Nutzern. Eine Untersuchung der Universitäten Kassel und Paderborn ergab, dass sich zwar drei von vier Befragten ein Altersvorsorgedepot vorstellen können, das Sicherheitsbedürfnis jedoch hoch bleibt.
Demnach würden 47 Prozent der Befragten eine volle Beitragsgarantie wählen und 40 Prozent eine Garantie von 80 Prozent bevorzugen. Lediglich 34 Prozent sprachen sich für ein Standarddepot aus, während nur 19 Prozent ein freies Depot ohne Garantien wählen würden.
Risiken bei der vorzeitigen Kündigung bestehender Verträge
Für Inhaber aktueller Riester-Verträge ist der Ausstieg mit finanziellen Risiken verbunden. Eine Kündigung wird rechtlich als förderschädliche Verwendung eingestuft, was die Rückzahlung sämtlicher erhaltener Zulagen und Steuervorteile nach sich zieht.
Eine Kündigung des bestehenden Riester-Vertrags gilt als förderschädliche Verwendung: Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden — im ersten Halbjahr 2025 lag die durchschnittliche Rückzahlung laut Finanztip bei rund 2.500 Euro. Wer den Wechsel plant, sollte Beitragsfreistellung, Anbieterwechsel und Beitragsreduzierung kennen, bevor er unterschreibt. Der kostenlose Report ordnet die Alternativen ein und zeigt, welche Reihenfolge sich vor 2027 anbietet. Wechsel-Checkliste jetzt anfordern
Laut Daten von Finanztip für das erste Halbjahr 2025 lag die durchschnittliche Rückzahlungssumme bei rund 2.500 Euro. Dieser Betrag setzte sich aus etwa 1.750 Euro an Zulagen und 750 Euro an Steuervorteilen zusammen.
Als Alternativen zur Kündigung nennen Fachleute die Beitragsfreistellung, bei der der Vertrag ohne weitere Einzahlungen bestehen bleibt. Zudem bestehen Optionen wie ein Anbieterwechsel, die Nutzung des Kapitals für Wohn-Riester oder eine einfache Reduzierung der monatlichen Beiträge, um die Rückzahlung der Förderung zu vermeiden.
