Altersvorsorge, Depots

Altersvorsorge 2027: Neue Depots mit bis zu 540 Euro Förderung

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die ING plant zwei Depotmodelle ab 2027. Die Reform erweitert den Förderkreis, während Branchenvertreter fehlende Garantien kritisieren.

ING konkretisiert Altersvorsorgedepot für den Start 2027
Ein minimalistisches, helles Treppenhaus in einem modernen Gebäude, das Stabilität und langfristigen Fortschritt symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Mit dem zum 1. Januar 2027 in Kraft tretenden Altersvorsorgereformgesetz steht der deutschen Vorsorgelandschaft ein grundlegender Systemwechsel bevor. Das neue Altersvorsorgedepot (AVD) wird die bisherige Riester-Förderung als zentrales Instrument der staatlich unterstützten privaten Absicherung ablösen. In diesem Kontext hat die ING im September 2026 erste Details zu ihrer Umsetzung der neuen Produktkategorie bekannt gegeben.

Neue Produktausrichtung der ING ab Januar 2027

Das Kreditinstitut plant für den Marktstart zwei unterschiedliche Varianten des Altersvorsorgedepots. Die Option „Relax“ richtet sich an Anleger, die eine vorausgewählte Struktur bevorzugen.

Hierbei kommen zwei von Experten selektierte ETFs zum Einsatz, wobei die Sparer die Verteilung selbst bestimmen können. Ein integrierter Sicherheitsmechanismus sieht vor, dass fünf Jahre vor Beginn der Auszahlungsphase automatisch eine Umschichtung von Aktien-ETFs in risikoärmere Anleihen-ETFs erfolgt.

Als zweite Variante wird das Modell „Aktiv“ angeboten, das eine höhere Flexibilität ermöglicht. Kunden können ihr Portfolio dabei eigenständig aus einer definierten Auswahl an Investmentfonds und ETFs zusammenstellen. Genaue Informationen zur vollständigen Wertpapierliste sowie zur Kostenstruktur stehen laut Berichten vom September 2026 noch aus.

Für Neukunden, die sich bis zum 30. November 2026 auf einer Warteliste registrieren und ihr Depot bis Mitte Februar 2027 eröffnen, stellt das Institut einen Startbonus von 50 Euro in Aussicht.

Erweiterung der staatlichen Förderung und Zulagenstruktur

Ein wesentliches Merkmal der Reform ist die Ausweitung des Kreises der Förderberechtigten. Erstmals erhalten auch Selbstständige, Freiberufler sowie Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke – wie etwa Ärzte oder Rechtsanwälte – Zugang zur staatlich geförderten privaten Vorsorge. Die jährlichen Einzahlungen sind bis zu einem Betrag von 6.840 Euro möglich, wobei die staatliche Förderung bei einem Eigenbeitrag von bis zu 1.800 Euro greift.

Die Grundzulage ist zweistufig konzipiert: Auf die ersten 360 Euro des Eigenbeitrags wird ein Zuschuss von 50 Prozent (maximal 180 Euro) gewährt. Für weitere Beiträge bis zur Grenze von 1.800 Euro entfällt eine Zulage von 25 Prozent (maximal 360 Euro), was einer jährlichen Gesamtförderung von bis zu 540 Euro entspricht.

Zusätzlich ist eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für unter 25-Jährige vorgesehen.

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Zum 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Förderung ab — und erstmals erhalten auch Selbstständige und Freiberufler Zugang zur staatlichen Zulage. Wer die zweistufige Förderung von bis zu 540 Euro im Jahr richtig einordnet, kann seinen Eigenbeitrag gezielt planen. Kostenlosen Förder-Leitfaden anfordern

Infrastruktur und technologische Kooperationen am Markt

Parallel zu den Angeboten großer Filial- und Direktbanken entwickeln spezialisierte Dienstleister neue Infrastrukturlösungen. Franklin Templeton und Ginmon arbeiten an einer modularen Plattform für das Altersvorsorgedepot, die ab 2027 Finanzvertrieben und Versicherern zur Verfügung stehen soll.

Die technische Basis bildet die Plattform „apeiron Wealth“ der Ginmon-Gruppe, während Franklin Templeton die Investmentarchitektur beisteuert. Ginmon ist seit zwölf Jahren am Markt aktiv, verwaltet in elf Ländern ein Kundenvermögen von über 500 Millionen Euro und betreut mehr als 100.000 Endkunden.

Branchenkritik und Sicherheitsbedürfnisse der Sparer

Trotz der grundsätzlichen Begrüßung der Reform durch Marktteilnehmer wie die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) gibt es kritische Stimmen hinsichtlich der Ausgestaltung.

Markus Knapp, Vorstand der DVAG, wies im September 2026 darauf hin, dass das Altersvorsorgedepot lediglich ein Baustein neben der betrieblichen und privaten Rentenversicherung bleibe. Er kritisierte insbesondere, dass das Standardprodukt ohne Beitragsgarantien konzipiert sei und zudem ohne verpflichtende Beratung abgeschlossen werden könne.

Dies korrespondiert mit Ergebnissen einer Marktuntersuchung von Sirius Campus und Aeiforia. Laut dieser Studie bevorzugen 44 Prozent der Befragten Lösungen mit einer 80-prozentigen Garantie. Rund ein Drittel der Teilnehmer wünscht sich eine vollständige Kapitalgarantie, während lediglich 9 Prozent bereit wären, gänzlich auf Garantiezusagen zu verzichten.

Einführung der staatlich finanzierten Frühstartrente

Ein weiteres Element der Regierungsreform ist die sogenannte Frühstartrente, deren Entwurf das Bundeskabinett im August 2026 verabschiedete. Hierbei erhalten berechtigte Kinder zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr einen staatlichen Beitrag von 10 Euro pro Monat für die Altersvorsorge.

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Rund 44 Prozent der Sparer wünschen sich laut einer Marktuntersuchung Lösungen mit 80-prozentiger Garantie — das neue Standardprodukt ist jedoch ohne Beitragsgarantie konzipiert und ohne verpflichtende Beratung abschließbar. Wer das Risiko sauber abwägen will, braucht vor der Depoteröffnung einen klaren Vergleich der Varianten. Checkliste Depot-Varianten jetzt sichern

Das Kapital wird in einem individuellen Depot angelegt; liegt kein Vertrag vor, erfolgt die Anlage kollektiv durch die Deutsche Bundesbank. Der Start ist für Januar 2027 mit den Geburtsjahrgängen 2020 und 2021 geplant, wobei der Jahrgang 2020 rückwirkend zum Jahresbeginn 2026 berücksichtigt wird.

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