Altersvorsorge: 16 Millionen Riester-Sparer wechseln ab Januar 2027
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 14:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem Inkrafttreten des Altersvorsorgereformgesetzes am 1. Januar 2027 steht die private Altersvorsorge in Deutschland vor einem bedeutenden Umbruch. Die Neuregelung sieht vor, dass das bisherige Riester-Modell durch moderne Altersvorsorgedepots abgelöst wird.
Für die rund 16 Millionen Inhaber von Riester-Verträgen bedeutet dies, dass sie ab 2027 die Möglichkeit erhalten, ihr angespartes Guthaben in die neuen Depotstrukturen zu übertragen. Fachleute raten dazu, diesen Prozess frühzeitig vorzubereiten, um von den veränderten Konditionen zu profitieren.
Rahmenbedingungen für den Depotwechsel
Ein zentraler Aspekt der Reform ist die Übertragbarkeit des Kapitals. Ab dem Jahr 2027 kann das Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot überführt werden, wobei die bereits erhaltenen staatlichen Zulagen erhalten bleiben. Die Dauer für eine solche Übertragung wird auf etwa vier bis sechs Wochen geschätzt.
Hinsichtlich der Kostenstruktur gilt eine gesetzliche Regelung: Nach einer Vertragslaufzeit von fünf Jahren ist der Wechsel für den Sparer kostenlos. Erfolgt der Transfer früher, dürfen die Anbieter maximal 150 Euro an Gebühren in Rechnung stellen.
Im Gegensatz zu einem regulären Wechsel ist von einer Kündigung bestehender Riester-Verträge in den meisten Fällen abzuraten. Eine Kündigung zieht die Rückzahlung sämtlicher staatlicher Zulagen und Steuervorteile nach sich. Beispielhaft zeigt sich dies bei einer Modellrechnung für eine 45-jährige Sparerin, die seit 2012 rund 15.600 Euro eingezahlt hat.
Bei einem Gesamtguthaben von 21.000 Euro, das sich aus Einzahlungen, 4.200 Euro Zulagen und 2.800 Euro Steuervorteilen zusammensetzt, müssten bei einer Kündigung 7.000 Euro an Förderungen sowie etwa 300 Euro Stornogebühren zurückgezahlt werden.
Lediglich 13.700 Euro würden ausgezahlt. Alternativ kann der Vertrag beitragsfrei gestellt werden, wodurch das Kapital investiert bleibt, bis ein Wechsel in das neue System ab 2027 vollzogen wird.
Konditionen und Leistungsprofil des Altersvorsorgedepots
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Das neue Altersvorsorgedepot ist auf eine höhere Renditeorientierung ausgelegt und erlaubt eine volle Aktienquote. Zu den Eckpunkten gehören eine staatliche Förderung von bis zu 540 Euro pro Jahr sowie eine steuerfreie Ansparphase.
Im Vergleich zu den oft hohen Gebühren klassischer Riester-Anbieter, die laut Marktanalysen zwischen 1,5 und 2,5 Prozent pro Jahr liegen können, ist für die neuen Depots ein gesetzlicher Kostendeckel von 1 Prozent vorgesehen.
Trotz der Renditechancen weist das Modell auch Risiken auf. So entfällt der bei Riester-Verträgen gewohnte Kapitalschutz. Zudem ist das Kapital bis zum 65. Lebensjahr gebunden, und die Auszahlungen im Alter unterliegen der vollen Besteuerung.
Ein wesentlicher Einschnitt betrifft den Versicherungsschutz: Ab dem 1. Januar 2027 dürfen neue geförderte Verträge keinen Zusatzschutz für Erwerbsminderung oder Dienstunfähigkeit mehr enthalten.
Während bestehende Riester-Verträge diese Komponenten behalten, ist ein Wechsel in die neue Förderung unwiderruflich und ohne diesen Schutz verbunden. Die Deutsche Rentenversicherung kritisierte diesen Wegfall des Zusatzschutzes bereits deutlich.
Wettbewerb der Anbieter und Markteinschätzungen
Im Vorfeld der Reform positionieren sich verschiedene Finanzdienstleister. Während klassische Banken und Sparkassen zur bedachten Einzahlung raten, werben Neobroker und Robo-Advisor mit kostengünstigen Strukturen. Der Anbieter finanzen.net ZERO wurde bereits im Dezember 2025 von der Stiftung Warentest als Kostensieger ausgezeichnet und wirbt mit 0 Euro Ordergebühren.
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Andere Marktteilnehmer setzen auf ETF-basierte Lösungen. Quirion bietet etwa ein Standarddepot mit Vanguard-ETFs an, wobei der Fokus auf dem FTSE Global All-Cap (TER 0,07 Prozent) und dem Global Aggregate Bond EUR Hedged (TER 0,08 Prozent) liegt. Scalable Capital bietet im ersten Jahr eine gebührenfreie Nutzung an, wobei die Fondskosten bei maximal 0,15 Prozent liegen.
Angesichts der Vielzahl der Angebote empfiehlt die Organisation Finanztip den rund 50 Millionen potenziell zulagenberechtigten Bürgern, bei der Wahl des Anbieters Geduld walten zu lassen und die Marktentwicklung bis zum Start im Jahr 2027 genau zu beobachten.
