Altersarmut, Deutschen

Altersarmut: 62 Prozent der Deutschen fürchten finanzielle Absicherung

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 02:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie belegt deutliche Zunahme gesundheitlicher Einschränkungen bei über 58-Jährigen. Gleichzeitig wächst die Angst vor Altersarmut.

Rentenreform: Immer mehr Ältere gesundheitlich am Ende
Altersarmut - Nahaufnahme der Hände einer älteren Person, die besorgt auf einem Tisch gefaltet sind, mit weichem, unsicherem Licht. 10.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft immer weiter auseinander: Während die Politik die Lebensarbeitszeit verlängern will, sind viele Beschäftigte kurz vor der Rente gesundheitlich am Ende. Und die finanzielle Zukunft sieht düster aus.

Gesundheitszustand älterer Arbeitnehmer verschlechtert sich

Besonders dramatisch ist die Lage bei den 58- bis 65-Jährigen. Eine Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zeigt: Immer mehr Erwerbstätige in dieser Altersgruppe sind gesundheitlich so stark eingeschränkt, dass sie kaum noch arbeiten können.

Der Vergleich der Daten von 2010 und 2023 belegt eine deutliche Verschlechterung. Doch die Hürden für eine Erwerbsminderungsrente sind hoch. Ein federführender Forscher warnte: Eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters sei nur vertretbar, wenn gleichzeitig der Zugang zu Frühverrentungsmöglichkeiten erleichtert werde.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bestätigt den Trend: Nur rund die Hälfte der Beschäftigten glaubt, die reguläre Altersgrenze im aktiven Dienst erreichen zu können.

Angst vor Altersarmut wächst

Die gesundheitlichen Probleme sind nur die eine Seite. Die andere: die blanke Angst vor dem finanziellen Absturz. Eine Umfrage unter 1.500 Befragten vom April 2026 zeigt: 62 Prozent sorgen sich um ihre finanzielle Absicherung im Alter. Mehr als die Hälfte hat direkte Angst vor Armut im Ruhestand.

Besonders hart trifft es Frauen. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) macht dafür häufige Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen durch Sorgearbeit verantwortlich. Die Folge: niedrigere Rentenbeiträge. In Deutschland gilt bereits knapp jeder fünfte Mensch über 65 als armutsgefährdet.

Auch die Schweiz kämpft mit dem Problem. Schätzungen von Pro Senectute zufolge ist dort jede zehnte Person im Alter auf Ergänzungsleistungen angewiesen. Die reguläre Rente reicht schlicht nicht zum Leben.

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33 Reformvorschläge auf dem Tisch

Ende Juni 2026 hat eine Rentenkommission ihre Vorschläge an die Bundesregierung übergeben. 33 Punkte umfasst das Paket. Der Knackpunkt: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63. Stattdessen soll das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung gekoppelt werden.

Die Folge: Zwischen 2031 und 2041 könnte die Altersgrenze auf 67,5 Jahre steigen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) beziffert die mögliche Entlastung durch den Wegfall der Rente mit 63 auf rund zehn Milliarden Euro jährlich.

Ein weiterer Vorschlag: eine verpflichtende, kapitalgedeckte Zusatzrente. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen jeweils ein Prozent einzahlen. Der Koalitionsausschuss hat Anfang Juli signalisiert, die Maßnahmen bis Ende des Jahres umsetzen zu wollen.

Was Sie jetzt tun können

Bis die Politik handelt, sind die Bürger auf sich allein gestellt. Fachleute raten zur privaten Vorsorge als dritter Säule der Alterssicherung. Entscheidend: früh anfangen, um den Zinseszinseffekt zu nutzen.

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