Altenquotient erreicht 38,8: Nur noch 1,9 Erwerbstätige pro Rentner
11.06.2026 - 15:22:58 | boerse-global.de
Sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung erhöhen den Druck. Während in Deutschland über Reformen diskutiert wird, hat die Schweiz eine wichtige Hürde genommen.
Deutsche Sozialversicherung: Hohe Beiträge, mittelmäßige Leistungen
Eine heute veröffentlichte Studie des Prognos-Instituts zeichnet ein kritisches Bild. Deutschland zahle in fast allen Bereichen überdurchschnittliche Beiträge, erziele aber nur mittelmäßige Ergebnisse. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung liegt bei 18,6 Prozent – der OECD-Schnitt bei 16,0 Prozent. Das Rentenniveau bleibt mit 42,1 Prozent unter dem Mittelwert von 43,0 Prozent.
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Besonders krass ist die Diskrepanz beim Altersvorsorgevermögen: Es macht in Deutschland lediglich 6,4 Prozent des BIP aus. Der OECD-Schnitt liegt bei 95,2 Prozent. Die Prognosen der Deutschen Rentenversicherung deuten auf eine weitere Verschärfung hin. Der Beitragssatz könnte bis 2028 auf 19,8 Prozent und bis 2040 auf 21,2 Prozent steigen.
Der Altenquotient – das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen – ist von 26,8 im Jahr 2000 auf 38,8 gestiegen. Bis 2037 könnte er 50,9 erreichen. Dann müssten nur noch rund 1,9 Erwerbstätige einen Rentner finanzieren.
Koalition sucht Konsens: Reformen bis Sommerpause
Im Bundeskanzleramt fanden heute mehrstündige Beratungen statt. Die schwarz-rote Koalition suchte den Konsens mit den Sozialpartnern über Arbeitsmarktflexibilisierung und Steuerpolitik. Ziel: Grundlegende Reformen bis zur Sommerpause Mitte Juli konkretisieren.
Ein zentraler Baustein ist das Rentenpaket 2026. Es sieht das sogenannte Generationenkapital und eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge vor. Bei der privaten Vorsorge ist bereits eine Neuausrichtung beschlossen: Ab dem 1. Januar 2027 soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ersetzen.
Das Modell sieht eine Grundzulage von 540 Euro bei einem jährlichen Eigenbeitrag von 1.800 Euro vor. Es soll künftig auch für rund vier Millionen Selbstständige zugänglich sein. Diskutiert werden zudem ein obligatorisches Rentensplitting als Ersatz für die Witwenrente und eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung – Letzteres lehnen Gewerkschaften ab.
Pflegeversicherung vor Finanzierungsnotstand
Neben der Rente gerät die Pflegeversicherung zunehmend unter Druck. Seit 2015 ist die Zahl der Pflegebedürftigen auf 5,7 Millionen gestiegen. Die Eigenanteile für Heimbewohner betragen oft mehr als 3.200 Euro pro Monat. Für 2027 wird ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro erwartet, das bis 2028 auf 15,4 Milliarden Euro anwachsen könnte.
Die AOK-Bundesverbandsvorsitzende Dr. Carola Reimann kritisierte heute geplante Kürzungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige. Der Bund entziehe sich seiner finanziellen Verantwortung, insbesondere bei der Refinanzierung von Coronakosten und den Beiträgen für Bürgergeld-Bezieher. Die Pflegeversicherung sei bereits mit einem Bundesdarlehen von 3,2 Milliarden Euro belastet.
Schweiz: Kompromiss zur 13. AHV-Rente
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In der Schweiz konzentriert sich die Debatte auf die Umsetzung der 13. AHV-Rente. Sie verursacht zusätzliche Kosten von jährlich 4,2 Milliarden Franken. Nach einer sechsten Beratungsrunde wurde gestern ein Kompromiss zur Mischfinanzierung erzielt.
Der Plan sieht vor, die Lohnbeiträge ab 2028 um 0,2 Prozentpunkte zu erhöhen und den Mehrwertsteuersatz um 0,4 Prozentpunkte anzuheben. Der Ständerat stimmte heute mit 26 zu 19 Stimmen zu. Die Entscheidung des Nationalrats wird für den 17. Juni erwartet.
Bei Zustimmung ist aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung ein obligatorisches Referendum erforderlich. Altbundesrichterin Brigitte Pfiffner wies darauf hin, dass frühere Unternehmenssteuerreformen bereits zu erheblichen Beitragsausfällen bei der AHV geführt hätten – eine Ursache der aktuellen Finanzierungsnot.
