Altenpflege digital: Samsung startet KI-Wohnkonzept in Seoul
29.05.2026 - 07:00:56 | boerse-global.deAktuelle Projekte in Südkorea, Neuseeland und Europa zeigen: Die Zukunft der Altenpflege ist digital, automatisiert und hochgradig personalisiert.
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Samsung startet KI-Wohnkonzept in Seoul
Der Baukonzern Samsung C&T hat Ende Mai 2026 eine Partnerschaft mit dem Betreiber Dotai geschlossen. Ziel ist die Einführung eines KI-gestützten Seniorenwohnkonzepts. Das System kommt zunächst im „The Signum House Gangnam" in Seoul zum Einsatz – der Start ist für Juni 2026 geplant.
Die Technologie kombiniert künstliche Intelligenz mit dem Internet der Dinge (IoT). Sensoren überwachen Schlafmuster, Aktivitätslevel und Herzfrequenz der Bewohner. Die Daten fließen in eine personalisierte Wellness-App für die Senioren und ein Echtzeit-Dashboard für das Pflegepersonal. So ist eine 24-Stunden-Überwachung möglich.
Nach dem Gangnam-Projekt wollen die Partner das System auf Standorte in Cheongna, Hanam und Pyeongtaek ausweiten. Die Kosten für die Bewohner in Gangnam: Kautionen zwischen umgerechnet rund 440.000 und 60 Millionen Won, plus monatliche Gebühren von etwa 4,4 Millionen Won.
Internationale Expansion digitaler Pflegeplattformen
In Neuseeland baut Talius Group seine Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst Hato Hone St John aus. Das Projekt umfasst 37 Dörfer des Betreibers Metlifecare mit rund 7.200 Bewohnern. Die Talius-One-Plattform integriert bestehende Rufsysteme der Hersteller Miracle und Austco – ohne teure Neuinstallationen. St John übernimmt die Notfallversorgung rund um die Uhr.
In Japan setzen EMC Healthcare und Super Court auf die OwlCare-Plattform. Sie kommt in 25 Einrichtungen zum Einsatz, die auf Parkinson-Pflege spezialisiert sind. Kameras und KI analysieren Bewegungen und ermöglichen den Datenaustausch zwischen Pflegeteams.
In Deutschland fördert das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommerns den digitalen Wandel: Am 26. Mai 2026 erhielt der Verein „Zukunftsfeste Pflege e.V." einen Zuschuss von 31.000 Euro. Damit startet ein sechsmonatiges Pilotprojekt für eine Plattform, die Echtzeit-Informationen über verfügbare Pflegeanbieter in den Landkreisen Mecklenburgische Seenplatte und Ludwigslust-Parchim liefert.
Digitale Therapien auf dem Vormarsch
Forschung und Pilotprogramme konzentrieren sich zunehmend auf spezielle Bedarfe – von Demenz bis zur Medikamentenversorgung auf dem Land.
Kognitive Therapie: Auf einer Konferenz in Seoul präsentierte Emocog am 22. Mai 2026 Daten zu seinem digitalen Therapeutikum Cogthera. Bei 1.009 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 73,8 Jahren lag die Therapietreue bei 72,7 Prozent über zwölf Wochen. Besonders bemerkenswert: Die höchste Abschlussrate wies die Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen auf.
Während neue Technologien die Therapie unterstützen, fragen sich viele Betroffene und Angehörige oft, ab wann Vergesslichkeit kritisch wird. Ein spezieller, mit Experten entwickelter Kurz-Test hilft Ihnen dabei, erste Warnsignale für Demenz frühzeitig und diskret von zu Hause aus zu erkennen. Hier geht es zum anonymen 2-Minuten-Selbsttest
Ländliche Versorgung: In den USA starteten Omcare und PharMerica eine sechsmonatige Initiative für den ländlichen Raum. Der „Omcare Home Health Hub" gibt Medikamente automatisiert aus, bietet rund um die Uhr pharmazeutische Unterstützung und ermöglicht monatliche Video-Sprechstunden mit Pflegekräften.
Sprachassistenten: Im britischen Liverpool erhielt der Entwickler Sentai einen Zuschuss von 18.000 Pfund für einen dreimonatigen Pilotversuch. Die Studie untersucht, ob KI-Sprachbegleiter Einsamkeit lindern und Pflegeteams entlasten können.
Marktdynamik: Zwischen Aufbruch und Konsolidierung
Der Markt für digitale Pflege zieht zunehmend Start-ups an, die administrative und regulatorische Hürden adressieren. Das bayerische Unternehmen TechNurse hat einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der Medizintechnik-Hersteller mit aktivem Pflegepersonal für Produkttests zusammenzubringen. In Australien hilft der Neugründung Digital Care Services Senioren und ihren Familien bei der Organisation digitaler Vermögenswerte – von Passwörtern bis zum Notfall-Cloud-Zugang.
Der französische Entwickler Missia sucht eine Finanzierungsrunde über 1,5 Millionen Euro. Seine Besonderheit: ein kamerafreies KI-System, das visuelle Daten in Textberichte über Mobilität und Flüssigkeitsaufnahme umwandelt – Datenschutz inklusive. Das Unternehmen peilt bis 2030 rund 10.000 Abonnenten an, muss aber rund 1,3 Millionen Euro für Medizinprodukt-Zertifizierung und Datenschutzauflagen stemmen.
Diese technologischen Umbrüche vollziehen sich vor einem bewegten Markthintergrund. Allein in Deutschland schlossen zwischen Januar und April 2026 236 Pflegeeinrichtungen. Doch 347 Neugründungen und über 1.000 Bauprojekte zeigen: Die Branche befindet sich im Umbruch – und die Digitalisierung ist ihr größter Treiber.
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