Alte Augensalbe gegen MRSA: Warwick-Forschende finden Mehrfachwirkung
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Suche nach neuen Strategien gegen antimikrobielle Resistenzen führt die moderne Forschung mitunter weit in die Vergangenheit zurück. Forschende der University of Warwick haben eine über 1.000 Jahre alte Rezeptur für eine Augensalbe aus dem angelsächsischen Manuskript „Balds Leechbook“ aus dem 10. Jahrhundert im Labor nachgebraut und auf ihre Wirksamkeit untersucht.
Die historische Mischung besteht aus alltäglichen Zutaten: Knoblauch, Lauch, Wein und Rindergalle wurden nach den überlieferten Anweisungen über einen Zeitraum von neun Tagen in einem Messinggefäß angesetzt. Laboranalysen zeigen, dass diese Kombination erstaunliche Effekte gegen schwer behandelbare Erreger entfalten kann.
Vielschichtiger Wirkmechanismus gegen MRSA
In einer im Fachjournal mSphere veröffentlichten Untersuchung dokumentierten die Forschenden der University of Warwick eine ausgeprägte Wirkung gegen Methicillin-resistente Bakterien des Typs Staphylococcus aureus (MRSA).
Das Präparat greift die Erreger auf mehreren Ebenen zugleich an: Es schädigt die MRSA-Bakterien, macht deren Zellmembranen durchlässig, schaltet krankheitsfördernde Gene ab und unterbindet die biochemische Kommunikation zwischen den Keimen.
Dieser breit angelegte Angriff erschwert es den Erregern offenbar erheblich, Schutzmechanismen auszubilden. Während sich in den Tests der Universität bei der historischen Mischung kaum Resistenzen zeigten, entwickelten die Erreger gegenüber herkömmlichen Antibiotika rasche Anpassungen: Bei konventionellen Vergleichspräparaten tolerierten die Keime nach 14 Tagen bereits 8- bis 16-mal höhere Dosen.
Auch weitere Laborbeobachtungen bestätigen, dass das Mittel auf Basis einfachster Grundzutaten multiresistente Keime attackieren kann, wenngleich manche Details der Wirkweise Gegenstand weiterer Klärungen bleiben.
Eine über 1.000 Jahre alte Rezeptur aus Knoblauch, Lauch, Wein und Rindergalle zeigt im Labor eine mehrfache Wirkung gegen multiresistente Keime — während herkömmliche Antibiotika schnell an Wirksamkeit verlieren. Wer verstehen will, was Forschende daraus für künftige Strategien ableiten, findet hier die wichtigsten Hintergründe kompakt aufbereitet. Kostenlosen Hintergrund-Report anfordern
Zunehmende Bedrohung durch resistente Keime
Die Relevanz alternativer Ansätze verdeutlicht der Blick auf weltweite Erhebungen. Einer internationalen Studie aus dem Jahr 2021 zufolge sind weltweit rund 1,14 Millionen Menschen direkt an Infektionen durch resistente Erreger gestorben.
Bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl der jährlichen Todesfälle laut Prognosen auf zehn Millionen steigen. Da klassische Antibiotika zunehmend ihre Schlagkraft verlieren und die Entwicklung neuartiger Substanzklassen langwierig ist, gewinnen unkonventionelle Forschungsansätze an Bedeutung.
Molekulare Identifikation statt Selbstmedikation
Trotz der beachtlichen Laborbefunde steht die Übertragung in die moderne medizinische Praxis noch am Anfang. An der University of Warwick wird darauf verwiesen, dass bislang keine klinischen Studien am Menschen vorliegen. Das Gemisch eignet sich daher nicht zur direkten Anwendung außerhalb kontrollierter wissenschaftlicher Rahmenbedingungen.
Antibiotika verlieren zunehmend ihre Schlagkraft, und die Entwicklung neuer Wirkstoffklassen dauert Jahre. Eine historische Augensalben-Rezeptur rückt deshalb in den Fokus der Forschung — mit Laborbefunden, die bislang kaum Resistenzen zeigen. Dieser Report ordnet ein, was das für die Suche nach Alternativen bedeutet. Einordnung jetzt kostenlos sichern
Das Ziel der Wissenschaftler besteht vielmehr darin, die konkreten wirksamen Moleküle innerhalb der Rezeptur exakt zu identifizieren, um deren Zusammenspiel für die Entwicklung künftiger antimikrobieller Wirkstoffe nutzbar zu machen.
