ALS-Forschung: Novartis stoppt Wirkstoff VHB937 nach gescheiterter Studie
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 21:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis stellt die klinische Entwicklung seines Wirkstoffkandidaten VHB937 (lifonebart) gegen die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ein. Das Prüfpräparat verfehlte in der Phase-II-Studie „Astrals“ sowohl die primären als auch die sekundären Endpunkte. Die Entscheidung markiert einen weiteren Rückschlag für die Forschungspipeline des Unternehmens im Bereich neurologischer und chronischer Erkrankungen.
Phase-II-Studie verfehlt therapeutische Endpunkte
Bei dem Wirkstoff VHB937 handelte es sich um einen TREM2-Stabilisator beziehungsweise -Aktivator, der gezielt biologische Signalwege im Nervensystem beeinflussen sollte. An der klinischen Phase-II-Studie mit dem Namen „Astrals“ nahmen 251 Patientinnen und Patienten teil.
Wie aus Berichten hervorgeht, wurde der Stopp des Programms bereits in einem Schreiben vom 25. August 2026 mitgeteilt. Trotz des Entwicklungsstopps sollen die detaillierten Studienergebnisse im Dezember 2026 auf einem wissenschaftlichen ALS-Symposium der Fachwelt präsentiert werden, um die gewonnenen Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf und das Wirkstoffprofil einzuordnen.
Häufung klinischer Dämpfer in kurzer Zeit
Die Einstellung des ALS-Programms reiht sich in eine Serie von Misserfolgen ein und stellt den vierten klinischen Rückschlag für den Konzern innerhalb von drei Wochen dar.
Der Stopp von VHB937 ist bereits der vierte klinische Rückschlag für Novartis in nur drei Wochen — vom Phase-III-Fehlschlag bei Del-Desiran bis zur Pause von acht Zelltherapie-Studien. Wer die Aktie hält, sollte wissen, welche Programme jetzt unter Beobachtung stehen und was die Sironax-Kaufoption strategisch bedeutet. Kostenlose Pipeline-Analyse anfordern
Bereits zuvor im September 2026 scheiterte der Wirkstoffkandidat Del-Desiran in einer späteren klinischen Studie. Dabei handelt es sich um einen neuromuskulären Wirkstoffkandidaten, der aus der 12-Mrd.-USD-Übernahme von Avidity stammt. Ein Spätphasen-Fehlschlag betraf damit die Behandlung von Muskelabbau.
Zudem senkte der Wirkstoff Pelacarsen in Untersuchungen das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse nicht, was für Novartis einen Dämpfer im Bereich der Herzmedikamente bedeutete. Ende August 2026 hatte der Konzern zudem acht Studien zu Zelltherapien für Autoimmun- und neurologische Erkrankungen pausiert. Der Stopp von 8 der 10 rap-cel-Studien erfolgte nach drei Patiententoden.
Kursbewegungen und strategische Zukäufe
Die Novartis-Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 9 Prozent verloren — und die Serie klinischer Rückschläge wirft die Frage auf, wie breit ein Biotech-Portfolio aufgestellt sein muss, um solche Einzeltitel-Risiken abzufedern. Dieser Leitfaden liefert eine Checkliste zur Diversifikation und ordnet die aktuelle Lage nüchtern ein. Diversifikations-Checkliste jetzt sichern
Die Serie von Rückschlägen hinterließ Spuren an den Finanzmärkten: Die Novartis-Aktie verlor in den vergangenen 30 Tagen 9 Prozent an Wert. Zuletzt notierten die US-Aktien des Konzerns jedoch leicht im Plus. Auch im SIX-Handel legte das Papier zeitweise um 1,17 Prozent auf 115,17 Franken zu.
Parallel zur Beendigung des ALS-Programms treibt das Pharmaunternehmen den Ausbau seiner Technologien voran. Novartis übt eine Kaufoption für die Brain-Delivery-Plattform des Partnerunternehmens Sironax aus. Nach dem Abschluss der Transaktion werden 125 Millionen US-Dollar fällig. Novartis sichert sich damit weltweite Rechte an der Plattform, während Sironax die Rechte an ausgewählten Wirkstoffen behält.
