AlmaLinux, Doppelstart

AlmaLinux 10.2 & 9.8: Doppelstart mit Python 3.14 und PHP 8.4

27.05.2026 - 00:30:15 | boerse-global.de

AlmaLinux veröffentlicht zeitgleich zwei Hauptversionen. Version 10.2 fokussiert auf alte Hardware, Version 9.8 auf Stabilität.

AlmaLinux 10.2 & 9.8: Doppelstart mit Python 3.14 und PHP 8.4 - Foto: über boerse-global.de
AlmaLinux 10.2 & 9.8: Doppelstart mit Python 3.14 und PHP 8.4 - Foto: über boerse-global.de

Die AlmaLinux OS Foundation hat erstmals zwei Hauptversionen ihres Systems zeitgleich freigegeben. AlmaLinux 10.2 (Codename „Lavender Lion") und AlmaLinux 9.8 (Codename „Olive Jaguar") erschienen am heutigen Mittwoch und signalisieren einen aggressiveren Wartungsrhythmus für die Community-Alternative zu Red Hat Enterprise Linux (RHEL).

Ältere Hardware im Fokus

Die Version 10.2 dient als direkter Gegenpart zu den aktuellen RHEL 10.2-Updates. Die Entwickler legten besonderen Wert auf erweiterte Hardware-Kompatibilität und eine modernisierte Toolchain. Konkret integriert das System GCC 15.2.1, LLVM 21.1.8 und Rust 1.92.0. Auch die Programmierumgebungen wurden aktualisiert: Python 3.14, Ruby 4.0 und PHP 8.4 sind an Bord, ebenso wie Datenbank-Updates für PostgreSQL 18 und MariaDB 11.8.

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Besonders strategisch ist die Wiedereinführung alter Speicher- und Netzwerktreiber, die in anderen Enterprise-Umgebungen längst ausgemustert wurden. Hersteller wie Adaptec, Dell PERC, HP, Mellanox, QLogic, Emulex, LSI und Broadcom werden wieder unterstützt. Das Ziel: Die Lebensdauer bestehender Server-Hardware verlängern. Zudem führt AlmaLinux 10.2 i686-Userspace-Pakete für 32-Bit-Software ein und macht die KVM-Unterstützung für IBM-POWER-Architekturen zum voll unterstützten Feature.

Die parallel veröffentlichte Version 9.8 konzentriert sich auf die Stabilisierung des bestehenden „Olive Jaguar"-Zweigs. Wichtige Kernel-Backports beheben CPU-Auslastungsprobleme, zudem wurden Virtualisierungs- und Container-Tools wie Podman, Buildah und QEMU-KVM aktualisiert. Beide Versionen schließen die Sicherheitslücken CVE-2026-31431 und CVE-2026-46300.

Virtualisierung und Spezialdistributionen

Bereits gestern gab das Proxmox-Projekt die Freigabe von Proxmox VE 9.2 bekannt. Das Update der Virtualisierungsplattform führt einen dynamischen Lastverteiler ein, der die Ressourcenverteilung über Cluster hinweg optimiert. Proxmox 9.2 basiert auf Debian 13.5 und nutzt Linux-Kernel 7.0. Neu sind WireGuard- und BGP-Unterstützung im SDN-Stack. Administratoren können den High-Availability-Manager während Wartungsarbeiten vorübergehend deaktivieren. Unter der Haube arbeiten QEMU 11.0, LXC 7.0 und OpenZFS 2.4.

Ebenfalls gestern erschien Shadowfetch Linux – ein Debian-basiertes System für Kreative und Forscher. Es bringt die KDE-Plasma-6-Oberfläche sowie vorinstallierte NVIDIA-Treiber mit CUDA-Unterstützung mit. Besonderes Merkmal: ein automatisches Treiber-Management, das fehlende NVIDIA-Hardware erkennt und unnötige proprietäre Komponenten entfernt.

Desktop-Innovationen und Medienserver

Auch bei den Desktop-Distributionen tut sich einiges. Rhino Linux 2026.1 wurde gestern veröffentlicht und bietet erstmals eine Edition mit der Lomiri-Oberfläche. Lomiri, ursprünglich von UBports für Ubuntu Touch entwickelt, verbindet mobile und Desktop-Erfahrungen. Rhino Linux läuft auf Linux-Kernel 7.0 und enthält Updates für den Pacstall-Paketmanager.

Für KDE-Plasma-6-Nutzer gibt es AppGrid 1.8. Der Launcher führt eine intelligente Suche und ein neues Favoriten-Management ein, das mit KActivities zusammenarbeitet. Flatpak-Unterstützung und konfigurierbare Energieeinstellungen runden das Update ab.

Im Bereich der Medienserver zeichnet sich ein Trend zu schlanken, selbst gehosteten Alternativen ab. Das ShareBox v5-Projekt wurde gestern als ressourcenschonende Lösung vorgestellt. Mit PHP und SQLite gebaut, benötigt das System nur 25 MB RAM und unterstützt GPU-Transcoding via Intel VAAPI und NVIDIA NVENC. Auch Navidrome punktet als Musik-Streaming-Server: Es indexiert 50.000 Titel mit weniger als 200 MB Speicher. Parallel gewinnt Plezy an Popularität – ein quelloffener Flutter-basierter Plex-Ersatz mit Offline-Downloads und HDR-Unterstützung ohne Abo.

Lizenzänderungen bei AMD

Während die Community-Projekte wachsen, verschärfen kommerzielle Anbieter ihre Linux-Politik. AMD führte gestern bedeutende Lizenzänderungen für seine Vivado 2026.1-Suite ein. Die kostenlose „Basic"-Edition steht künftig nur noch unter Windows zur Verfügung. Linux-Nutzer müssen auf die „Core"-Edition umsteigen – mit einem Jahresabo zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Die Unterstützung für ältere Versionen wie Vivado 2025.2 soll nach der Freigabe von Version 2026.3 auslaufen.

Diese Entwicklung verstärkt den Fokus auf Netzwerk-Privatsphäre und unabhängige Infrastruktur. Branchenbeobachter sehen eine wachsende Nachfrage nach rekursiven DNS-Resolvern wie Unbound. Die Kombination von Pi-hole mit lokalen Unbound-Instanzen gilt als wirksamer Schutz vor externen DNS-Protokollierungen.

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Historischer Fund

Ein kurioser Fund unterstreicht die Bedeutung digitaler Bewahrung: Gestern wurde eine „verlorene" Version von Amiga Unix (AMIX) 2.02c von einer alten Festplatte geborgen. Die Software enthält frühe Versionen des GNU Compiler Collection (GCC) und zeigt die lange Tradition offener Entwicklung, die das heutige Linux-Ökosystem prägt.

Ausblick

Die gleichzeitige Veröffentlichung mehrerer Linux-Distributionen Ende Mai 2026 zeigt einen robusten Wachstumsschub für Open-Source-Software. Die Doppelstrategie von AlmaLinux deutet auf einen reifenden Markt hin, in dem Community-Projekte die hohen Anforderungen des Enterprise-Betriebs erfüllen. Während kommerzielle Anbieter wie AMD ihre Lizenzmodelle anpassen, dürfte die Nachfrage nach transparenten, community-gepflegten Alternativen weiter steigen.

Die Integration von Linux-Kernel 7.0 auf Plattformen wie Proxmox und Rhino Linux deutet auf eine technische Konsolidierung hin. Der Fokus auf Legacy-Treiber in Enterprise-Distributionen zeigt: Organisationen setzen zunehmend auf Open-Source-Lösungen, um Hardware in Zeiten rasanter technologischer Veränderungen nutzbar zu halten. Die Entwicklung schlanker, selbst gehosteter Medien- und Netzwerktools spricht für eine wachsende Nutzerbasis, die Datensouveränität und Ressourceneffizienz über zentralisierte, proprietäre Modelle stellt.

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