Alkohol, Vorhofflimmern

Alkohol und Vorhofflimmern: Kardiologen fordern Nulltoleranz

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 22:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Daten bringen Alkohol mit Vorhofflimmern, Krebsrisiken und schlechterem Schlaf in Verbindung. Fachmediziner raten daher zunehmend zur Abstinenz.

Alkohol und Herzgesundheit: Warum Kardiologen Verzicht empfehlen
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer kardiologischen Praxis mit einem EKG-Monitor im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die kardiologische Bewertung von Alkoholkonsum unterliegt einem grundlegenden Wandel. Während mäßiger Genuss, insbesondere von Rotwein, in der Vergangenheit mitunter als potenziell kardioprotektiv diskutiert wurde, betonen Klinikdirektoren auf Basis der aktuellen Datenlage zunehmend Risiken.

Demnach begünstigen bereits geringe Mengen Alkohol wie Rotwein das Auftreten von Vorhofflimmern. Angesichts dieser Erkenntnisse plädieren Fachmediziner vermehrt für eine Nulltoleranz.

Kardiologische Risiken und Vorhofflimmern

Kardiologe Prof. Volker Schächinger vom Klinikum Fulda weist darauf hin, dass die aktuelle Datenlage für eine Null-Toleranz bei Alkohol spricht. Alkohol begünstige Vorhofflimmern, und bereits kleine Mengen führten zu einem erhöhten Krebsrisiko.

Neben dem Verzicht auf Alkohol hebt Schächinger weitere Faktoren der kardiovaskulären Prävention hervor: 150 Minuten Sport pro Woche senken das Herzinfarktrisiko um rund 20 Prozent. Bezüglich der LDL-Zielwerte gelte es, Werte von über 116 mg/dl zu beobachten, während nach einem überstandenen Herzinfarkt ein Zielwert von unter 55 mg/dl anzustreben sei.

Wie relevant präventive Maßnahmen für das Gesundheitssystem sind, verdeutlicht die Häufigkeit von Herzleiden: Jährlich werden 500 von 100.000 Einwohnern stationär wegen Herzschwäche behandelt.

Richtwerte und physiologische Wirkungen

Offizielle Richtlinien setzen Grenzwerte für risikoarmen Konsum an. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen definiert einen risikoarmen Konsum mit maximal 12 Gramm Alkohol pro Tag für Frauen sowie 24 Gramm für Männer, verbunden mit mindestens zwei alkoholfreien Tagen pro Woche.

Experten raten zudem davon ab, mehr als 500 Milliliter Bier pro Tag zu trinken, wobei ein kleines Bier mit 0,33 Litern etwa 150 Kilokalorien enthält. Alarmsignale im Körper beginnen demnach bereits ab 0,1 Promille. Ein 35-jähriger Mann mit einer Körpergröße von 1,80 Metern und einem Gewicht von 80 Kilogramm erreicht nach dem Konsum von 0,5 Litern Bier einen Blutalkoholwert von 0,33 Promille.

Für die Berechnung des Blutalkoholspiegels wird bei Frauen die Formel Alkohol geteilt durch das Gewicht multipliziert mit 60 Prozent angesetzt, bei Männern Alkohol geteilt durch das Gewicht multipliziert mit 70 Prozent.

Eine Standardflasche Wein mit 0,75 Litern enthält bei einem Alkoholgehalt von 10 bis 15 Volumenprozent etwa 60 bis 90 Gramm reinen Alkohol. Bei 12,5 Volumenprozent und 75 Gramm Alkohol erreicht eine 60 Kilogramm schwere Frau direkt nach dem Konsum 2,08 Promille, während ein 80 Kilogramm schwerer Mann auf 1,34 Promille kommt.

Neben den bekannten Belastungen zeigte eine Studie aus dem Jahr 2022 an 19 Männern, die über vier Wochen täglich 325 Milliliter Bier konsumierten, eine höhere Diversität der Darmbakterien. Dennoch bleibt aus gesundheitlicher Sicht Mäßigung oder Abstinenz der ratsamste Umgang mit Alkohol, wenngleich Rotwein im Vergleich mitunter als günstigste Wahl gilt.

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Erkenntnisse aus der epidemiologischen Forschung

Groß angelegte Beobachtungsstudien differenzieren zwischen verschiedenen Konsummustern. Die UK-Biobank-Studie, die 340.000 Erwachsene über einen Nachbeobachtungszeitraum von 13 Jahren begleitete und im Rahmen der ACC.26 vorgestellt wurde, ergab: Ein Hochkonsum von mehr als drei Drinks pro Tag bei Männern und mehr als 1,5 Drinks bei Frauen geht mit einem Anstieg der Gesamtsterblichkeit um 24 Prozent sowie einem um 36 Prozent höheren Risiko für einen Krebstod einher.

Spirituosen, Bier und Cider erhöhen laut der Erhebung bereits bei geringem Konsum das kardiovaskuläre Sterberisiko um 9 Prozent. Moderater Weinkonsum ging in dieser Auswertung hingegen mit einer um 21 Prozent niedrigeren kardiovaskulären Sterblichkeit im Vergleich zu Nichttrinkern einher.

Auf einer allgemeinen Schädlichkeitsskala belegen Substanzen wie Crack, Methamphetamin und Heroin die ersten drei Plätze, gefolgt von Alkohol auf Platz vier. Betrachtet man jedoch die Gesamtschäden, die Konsumenten und Dritten entstehen, rangiert Alkohol mit 72 Punkten an erster Stelle. Zudem führt Alkohol zu mehr Todesfällen als alle anderen Drogen zusammen, bei denen jährlich rund 30.000 Fälle verzeichnet werden.

Auswirkungen auf Psyche, Schlaf und gesellschaftlicher Wandel

Alkoholkonsum hinterlässt deutliche Spuren im vegetativen und psychischen Wohlbefinden. Eine systematische Übersichtsarbeit mit über 6.000 Teilnehmenden dokumentiert, dass ein Kater regelmäßig von verstärkter Angst, Stress und depressiver Stimmung begleitet wird, was im Englischen als Hangxiety bezeichnet wird.

Eine Studie aus dem Jahr 2026 an 334 jungen Erwachsenen zeigte, dass eine vorbestehende Angstsensitivität eine stärkere Katerangst voraussagt. Eine Übersichtsarbeit zu 21 Studien über Anti-Kater-Mittel stellte zudem fest, dass die Evidenz für solche Präparate durchgehend sehr niedrig ist.

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Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 auf Grundlage von 27 Studien, dass Alkohol die Schlafarchitektur nachhaltig stört: Der REM-Schlaf setzt später ein und fällt messbar kürzer aus.

Trotz der Risiken ist der Konsum in Mitteleuropa weit verbreitet. Laut dem Bundesamt für Statistik tranken im Jahr 2022 in der Schweiz 87 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen Alkohol.

In den Vereinigten Staaten zeigt sich hingegen ein gegenläufiger Trend. Dort fiel der Alkoholkonsum auf ein historisches Tief: Nur noch 54 Prozent der US-Erwachsenen trinken Alkohol, was den niedrigsten Stand seit dem Beginn der Gallup-Erhebungen im Jahr 1939 markiert.

Bei Wählern der Republikaner lag der Anteil bei 46 Prozent, was einem Rückgang von fast einem Drittel gegenüber dem Vorjahr entspricht, während bei den Demokraten ein Minus von 5 Prozent verzeichnet wurde.

Insbesondere die jüngere Generation hinterfragt den Konsum: Zwei Drittel der 18- bis 34-Jährigen halten auch moderaten Alkoholkonsum für gesundheitsschädlich, und die Hälfte dieser Altersgruppe verzichtet vollständig auf Alkohol.

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