Alibaba-Sperre ab 10. Juli: Anthropic eskaliert Kampf um Claude
04.07.2026 - 15:15:56 | boerse-global.de
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht ein erbitterter Konflikt mit Alibaba.
Infrastruktur-Blockade statt Verbote
Anthropic wechselt die Strategie: Statt auf politische Restriktionen setzt das Unternehmen nun auf technische Barrieren auf Infrastrukturebene. Der Grund sind umfangreiche Umgehungsversuche chinesischer Tech-Konzerne. Wie Anfang Juli bekannt wurde, nutzten Firmen wie ByteDance und Ant Group ein ganzes Bündel an Tricks, um die regionalen Sperren zu umgehen.
Die Methoden sind ausgeklügelt: Ant Group schaltete eine Tochterfirma in Singapur zwischen, über die Mitarbeiter per internem Netzwerk auf Claude zugreifen konnten. ByteDance-Ingenieure wiederum setzten auf private VPN-Abonnements – angeblich erstattete der Konzern die Kosten. Anthropic reagiert nun mit gezielten Attacken auf sogenannte „Transferstationen" und Cloud-API-Relays, die als Mittelsmänner für gesperrte Nutzer fungieren.
Eskalation mit Alibaba
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Besonders brisant ist der Konflikt mit dem chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba. Anthropic wirft dem Konzern vor, rund 25.000 betrügerische Konten angelegt zu haben. Über diese liefen angeblich 28,8 Millionen Interaktionen mit den KI-Modellen. Fachleute sprechen hier von einem „Destillationsangriff" – einem Verfahren, bei dem Daten eines fortschrittlichen Modells genutzt werden, um ein eigenes System zu trainieren.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Alibaba verhängte eine interne Sperre: Ab dem 10. Juli 2026 ist den Mitarbeitern die Nutzung von Anthropics Claude-Tools, inklusive des Programmier-Assistenten Claude Code, untersagt. Die Begründung liest sich wie ein diplomatischer Eklat: Alibaba behauptet, Anthropic habe versteckte Tracking-Codes oder „Hintertüren" in der Software eingebaut. Die Mitarbeiter sollen stattdessen auf den hauseigenen KI-Assistenten Qoder umsteigen.
Neue Überwachungssysteme
Um den unerlaubten Zugriff zu unterbinden, baut Anthropic ein mehrstufiges Kontrollsystem auf:
- Identitätsprüfung: Verschärfte „Persona-ID"-Kontrollen sollen Standort und Identität der Nutzer verifizieren.
- Nutzungsanalyse: Die Zeitzonen aktiver User werden überwacht – Abweichungen zwischen angegebenem und tatsächlichem Standort fallen sofort auf.
- Finanzsperren: Transaktionen von chinesischen Banken werden blockiert.
- Quellen-Tracking: Steganografie und andere Methoden helfen, den Ursprung von Anfragen zu identifizieren.
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Die Dimensionen sind gewaltig: Bereits früher hatte Anthropic ähnliche Muster bei anderen chinesischen KI-Entwicklern entdeckt. DeepSeek war mit 150.000 Anfragen aufgefallen, Moonshot mit 3,4 Millionen und MiniMax sogar mit 13 Millionen Interaktionen.
Trotz des Abwehrkampfs expandiert Anthropic weiter: Das Unternehmen hat kürzlich 113.000 Quadratmeter Bürofläche in Seattle angemietet und stellte Anfang des Monats den Zugriff auf sein Fable-5-Modell wieder her.
