Albträume: 13 Prozent der Deutschen leiden mindestens einmal pro Woche
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 03:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen des zweitägigen digitalen Nightmare-Symposiums der SRH-University Heidelberg, das kürzlich abgeschlossen wurde, befassten sich Fachleute intensiv mit der Erforschung und Behandlung von Albträumen. Die Veranstaltung beleuchtete die psychologischen Hintergründe nächtlicher Angstzustände und ordnete diese in den breiteren Kontext der menschlichen Emotionsverarbeitung ein.
Verbreitung und Inhalte belastender Träume
Die Relevanz des Thema in der Bevölkerung wird durch eine Umfrage im Auftrag von Spektrum der Wissenschaft unterstrichen. Demnach leiden rund 13 % der Deutschen mindestens einmal pro Woche unter Albträumen. Eine Kopenhagener Auswertung, die 21 Studien aus dem Zeitraum von 1981 bis 2020 analysierte, gab detaillierte Einblicke in die häufigsten Trauminhalte.
In 62 % der Fälle traten Verstorbene in den Träumen auf, während 52 % der Berichte von traumatisierenden Erfahrungen handelten. Geister und Symbole spielten in jeweils 48 % der untersuchten Träume eine Rolle.
Als maßgebliche Ursachen für diese nächtlichen Belastungen identifizierten die Experten des Symposiums unter anderem Stress, Ängste sowie bestehende psychische Erkrankungen. Zur therapeutischen Bewältigung wurden verschiedene Ansätze diskutiert. Neben allgemeiner Aufklärung und Entspannungstechniken können veränderte Schlafgewohnheiten sowie das gezielte Umschreiben von Trauminhalten wirksame Hilfestellungen bieten.
Umgang mit Wut und emotionaler Kontrolle
Ein zentraler Aspekt der psychologischen Diskussion war der Umgang mit starken Emotionen im Wachzustand. Der Psychiater Jan Kalbitzer betonte in einem Gespräch mit dem SPIEGEL, dass Gefühle wie Wut, Angst und Scham nicht unterdrückt werden sollten. Vielmehr sei es sinnvoll, die Botschaften dieser Emotionen zu verstehen und von ihnen zu lernen.
Ergänzend dazu beschrieb Theresa Reischl die Dynamik von Ärger über Ungerechtigkeiten, der oft zu Frust und rücksichtslosem Verhalten führen könne. Sie empfahl, in solchen Momenten innezuhalten und die eigenen Reaktionen sowie deren Konsequenzen kritisch zu prüfen. Wo sich Ungerechtigkeit nicht unmittelbar ändern lasse, könne das Vertrauen auf eine höhere Gerechtigkeit zu innerer Gelassenheit beitragen.
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Wie schmal der Grat zwischen emotionaler Intensität und Kontrollverlust sein kann, verdeutlichte ein Beispiel aus dem Spitzensport. Der frühere Trainer Arsène Wenger erinnerte sich an ein Spiel im Old Trafford, bei dem seine Mannschaft zur Halbzeit mit 5:1 zurücklag. Seine ehemaligen Spieler Thierry Henry und Robert Pires berichteten, dass Wenger in solchen Situationen mehrfach sehr wütend geworden sei.
Wenger selbst gab an, seine Emotionen bis an die Grenze und teils darüber hinaus zu treiben, ohne dabei jedoch die vollständige Kontrolle zu verlieren. Er merkte an, dass körperliche Reaktionen auf Wut, wie das Treten gegen Gegenstände, letztlich schmerzhafte Folgen für ihn selbst hatten.
Emotionale Dynamiken im digitalen Raum
Die Verarbeitung von Emotionen findet zunehmend auch auf digitalen Plattformen statt, wobei Algorithmen eine entscheidende Rolle spielen. Laut dem Verbraucherrat werten Plattformmechanismen Widerspruch oft als Engagement. Faktoren wie Kommentare, das Teilen von Inhalten und die Verweildauer sind messbar, während die dahinterstehende Absicht der Nutzer unberücksichtigt bleibt.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen diese Dynamik. Eine im August 2026 in PNAS veröffentlichte Beobachtungsstudie untersuchte X-Feeds von 715 US-Nutzern basierend auf Daten aus dem Herbst 2024. Bereits eine Yale-Auswertung aus dem Jahr 2021, die rund 12,7 Millionen Tweets von 7.331 Nutzern analysierte, kam zu dem Schluss, dass Zuspruch für empörte Beiträge zu einer Zunahme künftiger Empörungspostings führte.
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Zudem zeigte eine PNAS-Studie von 2017, dass die Verwendung jedes zusätzlichen moralisch-emotionalen Wortes in Twitter-Beiträgen die Verbreitung um rund 20 % steigerte. Interessanterweise ergab eine Untersuchung in Nature Human Behaviour aus dem Jahr 2023, dass Leser die tatsächliche Empörung der Verfasser oft überschätzen.
Perspektiven der Therapie und Wahrnehmung
Für Menschen, die Schwierigkeiten haben, eigene Gefühle wahrzunehmen oder zu benennen – ein als Alexithymie bezeichnetes Persönlichkeitsmerkmal –, gibt es positive Signale aus der Forschung. Eine finnische Bevölkerungsstudie identifizierte 9,9 % der Teilnehmer mit entsprechenden Werten oberhalb eines Grenzwerts.
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Metaanalyse von 59 Studien zu psychologischen Interventionen belegte, dass therapeutische Maßnahmen wie Körperwahrnehmung und Psychotherapie hier messbare Verbesserungen mit einem durchschnittlich mittelgroßen Effekt erzielen können.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Wirksamkeit von Gruppentherapien hervorgehoben. Diese könne Scham mindern und Verhaltensmuster durch Rückmeldungen sichtbar machen. Metaanalysen zeigen, dass Gruppentherapie bei bestimmten Erkrankungen eine vergleichbare Wirksamkeit wie Einzeltherapien aufweist, wobei die Eignung stets von der individuellen Situation des Betroffenen abhängt.
