Akute, Rückenschmerzen

Akute Rückenschmerzen: Hoch dosierte Opioide erhöhen das Risiko um 147 Prozent

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine US-Analyse verknüpft höhere Opioiddosen und längere Einnahme mit mehr Folgeproblemen; Physiotherapie und Chiropraktik gingen mit geringerem Risiko einher.
Ein leerer, steriler Krankenhausflur bei Dämmerung mit langen Schatten auf dem Boden. Illustration mit AI erstellt.

Die Verordnung von Schmerzmitteln bei erstmalig auftretenden Rückenbeschwerden birgt erhebliche Langzeitrisiken, insbesondere wenn hohe Dosierungen zum Einsatz kommen. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Columbia Mailman School of Public Health und der NYU Grossman School of Medicine im Fachjournal JAMA Network Open verdeutlicht diesen Zusammenhang.

Bei Medicaid-Patienten mit neu aufgetretenem akutem Rückenschmerz zeigte sich, dass eine Behandlung im ersten Monat mit Opioiden von mehr als 50 Morphin-Milligramm-Äquivalenten (MME) pro Tag mit einem um 147 Prozent höheren relativen Risiko für eine Opioidkonsumstörung oder eine Überdosis einherging.

Dosierung und Einnahmedauer bestimmen das Gefährdungspotenzial

Die detaillierten Auswertungen der Forschungsteams weisen für Dosierungen über 50 MME pro Tag ein um exakt 146,6 Prozent erhöhtes relatives Risiko für eine Opioidkonsumstörung oder eine Überdosis aus, mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 121,5 bis 171,7. Doch nicht allein die Dosis, auch die zeitliche Dauer der Verschreibung erweist sich als kritischer Faktor.

Wurden Opioide in einer Dosierung von höchstens 50 MME pro Tag über einen Zeitraum von mehr als sieben Tagen verabreicht, verdoppelte sich das Risiko für eine Opioidkonsumstörung annähernd. Der berechnete Anstieg lag bei 105,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 89,0 bis 121,4).

Bei einer kürzeren Anwendungsdauer von maximal sieben Tagen und Dosen bis zu 50 MME pro Tag fiel der Zuwachs moderater aus, blieb mit einem Plus von 31,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 21,7 bis 40,8) jedoch signifikant erhöht.

Über den weiteren Verlauf hinweg erfasste die Analyse die kumulierte Inzidenz für eine Neudiagnose einer Opioidkonsumstörung, eine nicht-tödliche Überdosis oder die Neuverordnung von Medikamenten zur Suchtbehandlung. Nach sieben Monaten lag dieser Wert bei 1,4 Prozent (4.317 von 302.139 Betroffenen) und stieg nach 13 Monaten auf 2,3 Prozent (5.084 von 224.166 Betroffenen) an.

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Datenbasis, Behandlungsansätze und therapeutische Alternativen

Als empirische Grundlage dienten anonymisierte Datensätze von 399.500 Erwachsenen aus 25 US-Bundesstaaten mit Medicaid-Expansion aus den Jahren 2016 bis 2019. Die Kohorte umfasste Personen im Alter von 19 bis 63 Jahren mit einem Medianalter von 39 Jahren; der Frauenanteil betrug 59,5 Prozent.

Insgesamt erhielten 21 Prozent der erfassten Patienten (83.855 Personen) ein Opioid-Rezept. Innerhalb dieser Gruppe entfielen 65,1 Prozent auf Verordnungen von maximal 50 MME pro Tag über höchstens sieben Tage, während 11,4 Prozent Dosierungen von mehr als 50 MME pro Tag erhielten.

Zu den häufigsten Initialtherapien zählten:
- Antiphlogistika mit 48,4 Prozent,
- Muskelrelaxanzien mit 44,8 Prozent,
- Physiotherapie mit 16,3 Prozent,
- Chiropraktik mit 10,2 Prozent.

Die Auswertung ergab zudem markante Unterschiede hinsichtlich des Folgerisikos bei alternativen Maßnahmen. Nicht-pharmakologische Verfahren waren mit einer spürbaren Risikominderung assoziiert: Für chiropraktische Behandlungen ergab sich ein Rückgang des Risikos um 32,8 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 26,8 bis 38,9), während physiotherapeutische Maßnahmen mit einer Reduktion um 31,1 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: 22,1 bis 40,1) einhergingen.

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Im Gegensatz dazu war der Einsatz von Gabapentinoiden mit einem deutlichen Risikoanstieg von 101,6 Prozent verbunden (95-Prozent-Konfidenzintervall: 84,9 bis 118,2).

Als methodische Einschränkung der unter der DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.39420 geführten Erhebung verweisen die Autoren darauf, dass Staaten ohne Medicaid-Expansion – darunter bevölkerungsreiche Regionen wie Texas, Florida oder Georgia – nicht in der Untersuchung vertreten waren.

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de | wissenschaft | 70424208 |