Akupunktur und Tuina: 17 Studien zeigen Vorteile bei Bandscheibenvorfällen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Behandlung akuter und chronischer Schmerzen gewinnen nicht-medikamentöse Verfahren zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und praxisorientierte Ratgeber widmen sich der Frage, in welchem Umfang Methoden wie Akupunktur sowie gezielte Bewegungsprogramme, darunter Yoga oder Gehen, zur Linderung von Beschwerden beitragen können.
Nadeltherapie und manuelle Verfahren im wissenschaftlichen Fokus
Eine im Journal of Pain Research erschienene Meta-Analyse untersuchte den Nutzen komplementärer Verfahren bei lumbalen Bandscheibenvorfällen. Die Auswertung von 17 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 1.555 Teilnehmenden ergab, dass die Kombination aus Akupunktur und der manuellen Technik Tuina mit geringeren Schmerzen und einer verbesserten Lumbalfunktion einhergeht als eine alleinige Akupunkturbehandlung.
Der kombinierte Ansatz zeigte sich bei allen vier untersuchten Endpunkten überlegen: den JOA-Funktionswerten, der Schmerzerfassung auf der visuellen Analogskala (VAS), dem Oswestry-Disability-Index sowie dem Gesamtansprechen.
Die untersuchten Behandlungssitzungen dauerten zwischen 10 und 40 Minuten und fanden täglich bis alle drei Tage über einen Zeitraum von zehn Tagen bis acht Wochen statt; zwei der Studien bezogen spezifische Baliao-Punkte ein. Allerdings stufen die Studienautoren die Sicherheit der gepoolten Datenlage als niedrig bis sehr niedrig ein.
Auch in der Onkologie werden ergänzende Ansätze analysiert. Laut der 2023 im Fachjournal JAMA Network Open publizierten IMPACT-Studie reduzierte eine Akupunkturbehandlung den stärksten Schmerzwert über 26 Wochen um 2,53 Punkte auf einer zehnstufigen Skala, während Massagen einen Rückgang um 3,01 Punkte erzielten.
Schmerzen betreffen mehr als 40 Prozent der Krebspatienten in aktiver Behandlung und bis zu zwei Drittel der Betroffenen mit fortgeschrittener Erkrankung. Richtlinien wie jene der Fachgesellschaften SIO und ASCO sprechen Empfehlungen für Akupunktur und Massage aus.
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Gezielte Bewegung als Pfeiler der Schmerztherapie
Neben passiven Interventionen heben Experten die Eigenaktivität hervor. Die Arbeitsgruppe EFIC-On-The-Move veröffentlichte im European Journal of Pain ein Positionspapier zur Bedeutung des Gehens bei chronischen Schmerzen.
Darin wird betont, dass eine graduelle, an die individuellen Fähigkeiten angepasste Steigerung therapeutisch wichtiger sei als das Erreichen starrer Schrittzahlen. Das Gehen trage bei chronischen muskuloskelettalen Beschwerden zur Verringerung von Schmerzen sowie zur Besserung der körperlichen Funktion und der Lebensqualität bei.
Auch für Yoga und Pilates liegt wissenschaftliche Evidenz vor. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 mit 21 Studien und über 2.200 Teilnehmenden dokumentierte Verbesserungen von Schmerz und Funktion im Lendenbereich durch Yoga im Vergleich zu Inaktivität.
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 zu Pilates, die 19 kontrollierte Studien mit mehr als 1.000 Patienten analysierte, wies deutliche Schmerz- und Funktionsverbesserungen nach.
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Eine Untersuchung im Fachblatt RMD Open, die Daten von über 13.000 Menschen mit Arthrose bündelte, zeigte hingegen differenzierte Resultate: Bewegung erwies sich bei Gelenkerkrankungen zwar als ähnlich wirksam wie Schmerzmittel oder manuelle Therapien, bei Kniearthrose erreichte die kurzfristige Schmerzlinderung von etwa 10 Punkten auf einer 100-Punkte-Skala jedoch lediglich die Grenze klinischer Bedeutsamkeit.
Leitlinien setzen auf abgestufte Konzepte
In einer in der Fachzeitschrift Pain Medicine veröffentlichten Leitlinie zum akuten unteren Rückenschmerz betonen Fachgesellschaften wie die American Academy of Pain Medicine (AAPM) und das Pacific Northwest Evidence-based Practice Center der Oregon Health & Science University das aktive Selbstmanagement.
Bei mehr als 85 Prozent der Betroffenen lasse sich keine spezifische anatomische Ursache nachweisen. Eine routinemäßige Bildgebung per Röntgen oder Magnetresonanztomografie wird ohne Warnzeichen wie Frakturen, Infektionen oder neurologische Ausfälle abgelehnt.
Stattdessen empfehlen die Leitlinienautoren zunächst die Beibehaltung niedrig-belastender Alltagsaktivitäten, Wärmeanwendungen und gegebenenfalls kurzfristig rezeptfreie Schmerzmittel. Zeigt sich nach ein bis zwei Wochen keine Besserung, werden strukturierte Bewegungstherapie, manuelle Mobilisation und Akupunktur als sinnvolle Folgeoptionen genannt.
Opioide sollen hingegen nicht als Erstlinientherapie zum Einsatz kommen. Auch Schmerzgesellschaften fordern vor diesem Hintergrund verstärkt multimodale Therapieansätze, die medikamentöse, physikalische, bewegungstherapeutische und psychologische Bausteine miteinander verknüpfen.
