Akupunktur, Migräne

Akupunktur gegen Migräne: IQWiG findet keinen Vorteil gegenüber Medikamenten

29.05.2026 - 21:48:36 | boerse-global.de

Bochum etabliert sich als Standort für traditionelle chinesische Medizin, während eine IQWiG-Studie der Akupunktur bei Migräne den Nutzen abspricht.

Akupunktur gegen Migräne: IQWiG findet keinen Vorteil gegenüber Medikamenten - Bild: über boerse-global.de
Akupunktur gegen Migräne: IQWiG findet keinen Vorteil gegenüber Medikamenten - Bild: über boerse-global.de

Die Ruhrgebietsstadt Bochum entwickelt sich zu einem Zentrum für traditionelle chinesische Medizin – doch die Forschung hält nicht mit.

Während spezialisierte Massagepraxen und Wellnessanbieter in der Stadt boomen, stellen große Krankenkassen vor Ort die Weichen für die Finanzierung alternativer Heilmethoden. Parallel dazu wächst der globale Markt für TCM-Produkte rasant. Doch ein aktuelles Gutachten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) dämpft die Euphorie: Für die Akupunktur als Migräne-Prophylaxe gibt es demnach keinen nachweisbaren Nutzen.

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Lokale Anbieter setzen auf fernöstliche Traditionen

Gleich mehrere Anbieter in Bochum haben sich auf chinesische Behandlungstechniken spezialisiert. Die „Chinesische Massage Bochum“ an der Dorstener Straße und „Kang Le“ an der Hochstraße stehen exemplarisch für einen wachsenden Wellness-Sektor, der traditionelle Methoden in den Mittelpunkt stellt. Das Angebot reicht von klassischen Massagen bis zu ganzheitlichen Therapieansätzen.

Im weiteren Ruhrgebiet finden sich zudem ungewöhnliche Gesundheitsangebote: In Gelsenkirchen etwa sind für Juni und November 2026 geführte Spaziergänge mit Lamas geplant – eine meditative Erfahrung abseits konventioneller Pfade.

Auch die Rehabilitationsmedizin in der Region setzt verstärkt auf ganzheitliche Konzepte. Klinische Berichte aus dem Mai 2026 beschreiben den Einsatz manueller Techniken, Narbenbehandlungen und Spiegeltherapie bei Arthrose, Rheuma und Sehnenverletzungen. Ziel dieser integrierten Ansätze ist die Wiederherstellung von Beweglichkeit und Sensibilität.

Krankenkassen als Wegbereiter alternativer Medizin

Bochum ist Sitz gleich zweier großer gesetzlicher Krankenversicherungen, die alternative Behandlungen bewerten und finanzieren. Die VIACTIV mit Hauptsitz in Bochum erhebt derzeit einen Beitragssatz von 18,79 Prozent und bietet unter anderem Zuschüsse für Osteopathie von bis zu 240 Euro jährlich.

Die KNAPPSCHAFT, ebenfalls in Bochum ansässig, unterhält ein Netz von 53 Service-Stellen und 900 ehrenamtlichen Beratern. Beide Kassen ermöglichen ihren Versicherten den Zugang zu professioneller Beratung über die Erstattung nicht-schulmedizinischer Therapien – ein entscheidender Faktor für die Verbreitung der TCM in Deutschland.

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Während die Wissenschaft noch über TCM-Methoden debattiert, nutzen viele Betroffene bereits den „3-Finger-Trick“ zur Linderung ihrer Beschwerden. Eine Schmerzexpertin zeigt im bebilderten PDF-Guide, wie Sie diese Technik ohne Hilfsmittel selbst anwenden. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide herunterladen

Milliardenmarkt Schröpfen: Chinas Regulierung treibt die Nachfrage

Die Verfügbarkeit traditioneller chinesischer Medizin wird zunehmend von internationalen Regulierungen beeinflusst. Im März 2026 führte China neue Standards ein: Basisgesundheitsversorger müssen künftig mindestens sechs TCM-Verfahren anbieten, darunter das Schröpfen (Cupping). Diese Vorgabe hat den globalen Markt für entsprechende Geräte massiv beflügelt.

Aktuelle Marktdaten vom Mai 2026 zeigen: Der weltweite Markt für Schröpf-Sets hat ein Volumen von rund 1,9 Milliarden Euro erreicht. Prognosen gehen von einem Anstieg auf 4,3 Milliarden Euro bis 2035 aus. Bereits 2025 hatten über 41 Prozent der Wellness-Zentren Schröpfen in ihr Angebot aufgenommen – mit mehr als 28 Millionen Behandlungen jährlich. Besonders bemerkenswert: Der Verkauf elektronischer Schröpfgeräte stieg 2025 um 27 Prozent. Die Modernisierung einer Jahrtausende alten Technik ist in vollem Gange.

IQWiG-Studie: Akupunktur ohne Vorteil bei Migräne

Doch während die Popularität der TCM wächst, bleiben die wissenschaftlichen Bewertungen kritisch. Ein am 28. Mai 2026 veröffentlichter Abschlussbericht des IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) befasste sich mit der manuellen Akupunktur. Das Ergebnis: Gegenüber modernen Medikamenten wie Flunarizin oder Topiramat zeigt die Akupunktur als vorbeugende Maßnahme gegen Migräne keinen messbaren Nutzen.

Professor Dr. Stefan Sauerland vom IQWiG betonte, dass die Forschung auf diesem Gebiet mit der modernen Medizin nicht Schritt gehalten habe. Es fehlten schlichtweg Studien, die traditionelle Methoden mit den neuesten Arzneimitteltherapien vergleichen. Das ist umso relevanter, als 10 bis 15 Prozent der deutschen Bevölkerung unter Migräne leiden – Frauen doppelt so häufig wie Männer.

In anderen Bereichen der traditionellen Medizin, etwa der Behandlung von Zysten durch Schröpfen, bleibt die Evidenzlage ebenfalls lückenhaft. Zwar versuchen digitale Initiativen etwa in Vietnam, traditionelle Medizin durch nationale Datenbanken und KI-Integration zu standardisieren. Doch die strenge wissenschaftliche Validierung vieler TCM-Verfahren bleibt Gegenstand einer anhaltenden Fachdebatte – zwischen kulturellem Erbe und evidenzbasierter Medizin.

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