Akupunktur, Nesselsucht

Akupunktur bei Nesselsucht: Neue Studien belegen Wirksamkeit

16.05.2026 - 23:54:52 | boerse-global.de

Akupunktur zeigt in Meta-Analyse höhere Wirksamkeit als Antihistaminika bei chronischer Urtikaria. Neue Studie zu Ohr-Akupunktur gestartet.

Akupunktur bei Nesselsucht: Neue Studien belegen Wirksamkeit - Foto: über boerse-global.de
Akupunktur bei Nesselsucht: Neue Studien belegen Wirksamkeit - Foto: über boerse-global.de

Die Integration der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in die Behandlung von Hautkrankheiten erreicht einen neuen Meilenstein. Aktuelle Forschungsergebnisse bestätigen die Wirksamkeit von Akupunktur bei chronischer spontaner Urtikaria (CSU) – besser bekannt als Nesselsucht. Eine am 8. Mai 2026 gestartete Studie untersucht nun speziell die Wirkung von Ohr-Akupunktur auf die Symptome der Patienten. Das Interesse an nicht-medikamentösen Therapien wächst damit auch in europäischen Gesundheitssystemen rasant.

Meta-Analyse belegt Überlegenheit gegenüber Antihistaminika

Eine aktuelle Meta-Analyse von acht randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 564 Teilnehmern liefert erstmals eine solide statistische Grundlage für den Einsatz von Akupunktur bei Nesselsucht. Die Ergebnisse zeigen eine höhere klinische Wirksamkeit der Nadeltherapie im Vergleich zu herkömmlichen Antihistaminika – mit einem relativen Risiko von 1,19.

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Besonders beeindruckend fällt der Langzeiteffekt aus: Das Rückfallrisiko lag bei Akupunktur-Patienten mit 0,25 deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe. Die neurologische und systemische Stimulation durch Akupunktur scheint eine stabilere Immunantwort zu bewirken als die kurzfristige pharmakologische Unterdrückung der Symptome.

Diese Erkenntnisse passen zu den aktualisierten klinischen Leitlinien von 2025, die auf die Bedeutung der Syndrom-Differenzierung in der TCM setzen. Durch die Anpassung der Akupunkturpunkte an spezifische Muster wie „Wind-Hitze" oder „Qi-Mangel" erzielen Therapeuten präzisere Behandlungsergebnisse.

Neue Studie: Ohr-Akupunktur gegen „Wind-Hitze"-Typ

Die am 8. Mai 2026 gestartete klinische Studie konzentriert sich auf 66 Patienten mit dem „Wind-Hitze"-Typ der chronischen Urtikaria. Die Forscher verwenden Vaccaria-Samen, um Druck auf bestimmte Ohrpunkte auszuüben – eine Technik, die als Ohrakupunktur bekannt ist. Gemessen wird der Effekt anhand des Urtikaria Activity Score 7 (UAS7), einem zentralen dermatologischen Messinstrument, das die Intensität von Quaddeln und Juckreiz über sieben Tage erfasst.

Neben der Nadel- oder Samenanwendung rücken auch spezifische Kräuterrezepturen in den Fokus. Formulierungen wie Guizhi Tang gelten in der aktuellen Forschung als sicher und wirksam. Zu den häufig verwendeten pflanzlichen Bestandteilen zählen Saposhnikovia divaricata, Glycyrrhiza uralensis und Angelica sinensis – kombiniert in einem ganzheitlichen Behandlungsplan, der Akupunktur mit innerer Medizin verbindet.

Innovationen bei Schmerz- und Entzündungstherapie

Die Fortschritte bei der Behandlung von Nesselsucht sind Teil eines breiteren Trends. Im Frühjahr 2026 haben mehrere Studien das therapeutische Potenzial pflanzlicher Wirkstoffe untermauert. So zeigten Daten der University of Georgia, dass täglicher Ingwer-Konsum Muskelschmerzen nach körperlicher Anstrengung um rund 25 Prozent reduzieren kann. Eine Meta-Analyse im Journal of Pain Research bestätigte, dass Ingwer die Schmerzintensität durch Hemmung von Prostaglandinen und COX-2-Enzymen senkt – ähnlich wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR).

Im Universitätsklinikum Graz werden jährlich rund 400 Patienten mit hyperbarer Sauerstofftherapie behandelt – dem größten Zentrum dieser Art in Mitteleuropa. Die Behandlung mit 100 Prozent Sauerstoff unter erhöhtem Druck kommt bei Post-Covid und ME/CFS zum Einsatz, indem sie die Mitochondrien-Aktivität steigert und systemische Entzündungen reduziert.

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Ein am 14. Mai 2026 in Nature Biomedical Engineering veröffentlichter Forschungsbeitrag der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Medizinischen Universität Wien zeigt zudem Fortschritte bei der elektrischen Rückenmarksstimulation. Diese nicht-invasive Nervenstimulation könnte künftig bei motorischer Rehabilitation und chronischen Schmerzen helfen.

Hintergrund: Risiken der Langzeit-Medikation

Die Hinwendung zu natürlichen Therapien ist auch eine Reaktion auf die Risiken langfristiger Medikamenteneinnahme. Die dauerhafte Nutzung von NSAR erhöht das Risiko für Magen-Darm-Blutungen um das Zwei- bis Vierfache und ist mit einer höheren Rate an Herzinfarkten und Schlaganfällen verbunden. Allein in Deutschland sterben schätzungsweise 2.000 bis 4.000 Menschen jährlich an den Nebenwirkungen dieser gängigen Schmerzmittel.

Studien im Frühjahr 2026 zeigen auch die Vorteile kreativer Prozesse bei der Schmerzbewältigung. Die Constructor University Bremen fand heraus, dass kreative Aktivitäten wie Kunst oder Musik das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren – über Dopamin und Noradrenalin – und so effektiv vom Schmerz ablenken können.

Eine im Mai 2026 im JAMA Network Open veröffentlichte Studie der Universitäten Colorado und Utah dokumentiert zudem einen Anstieg des Cannabis-Konsums bei älteren Menschen. 50 Prozent der Senioren nutzen Cannabis-Produkte zur Schmerzlinderung, viele in der Hoffnung, Opioide und Schlafmittel reduzieren zu können.

Ausblick: Multimodale Behandlung als Zukunft

Sobald die Ergebnisse der Ohr-Akupunktur-Studie und weiterer TCM-Untersuchungen vorliegen, rechnet die medizinische Fachwelt mit einer Verfeinerung der Behandlungsprotokolle für chronische Nesselsucht. Der Trend geht zur multimodalen Therapie, die die schnelle Linderung der modernen Medizin mit der systemischen Stabilität traditioneller Verfahren kombiniert.

Öffentliche Vorträge wie die für den 19. Mai 2026 am Kantonsspital St. Gallen geplante Veranstaltung zur chronischen Schmerz- und Entzündungsdiagnostik werden die neuesten Forschungsergebnisse verbreiten. Mit der zunehmenden Validierung durch groß angelegte Meta-Analysen und Lymphozyten-Messinstrumente wie dem UAS7 bewegt sich die Traditionelle Chinesische Medizin vom Status einer „komplementären" hin zu einer primären Behandlungsoption in der Dermatologie und Schmerztherapie.

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