Akademiker-Burnout, Mehrarbeit

Akademiker-Burnout: 87% leisten regelmäßig Mehrarbeit ohne Ausgleich

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 07:49 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Akademiker weltweit leiden unter steigendem Druck durch Überstunden, sinkende Bildungshilfe und politische Unsicherheit.

Wissenschaft unter Druck: Überlastung und sinkende Bildungshilfe
Eine gestresste Person sitzt in einem dunklen Labor, umgeben von Papieren und Ausrüstung, ihr Gesicht spiegelt Erschöpfung wider. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Kombination aus Überlastung an Hochschulen, sinkender internationaler Bildungshilfe und steigenden Lebenshaltungskosten setzt Akademiker zunehmend unter Druck.

„87 Prozent leisten regelmäßig Mehrarbeit“

Ein detailliertes Bild der Arbeitssituation liefert eine Personalratsumfrage der Universität Leipzig. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Sachsen stellte die Ergebnisse am 8. Juli vor. Demnach leisten 87 Prozent der Beschäftigten regelmäßig Mehrarbeit. Vier von fünf Befragten können ihre Aufgaben innerhalb der regulären Arbeitszeit nicht bewältigen.

Die Belastung zeigt sich auch in den Arbeitszeiten: Die Hälfte der Befragten arbeitet nach 21 Uhr, 66 Prozent sind am Wochenende tätig. Einen Ausgleich für diese Mehrarbeit gibt es in über 50 Prozent der Fälle nicht. Als wesentliche Ursache nennen 41 Prozent gestiegene Lehraufgaben. Die Arbeitnehmervertretung fordert einen Stopp des Stellenabbaus, das Ende von Kettenbefristungen und mehr geschützte Zeit für die Forschung.

Bildungshilfe auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren

Die Herausforderungen sind in einen globalen Kontext eingebettet. Ein UNESCO-Bericht vom 11. Juli zeigt: Der Anteil der Bildung an der weltweiten Entwicklungshilfe erreichte 2024 mit 7,5 Prozent den niedrigsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Experten prognostizieren für den Zeitraum 2023 bis 2027 einen weiteren Rückgang um bis zu 30 Prozent.

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Die jährliche Finanzierungslücke im Bildungssektor wächst auf geschätzte 97 Milliarden US-Dollar. In 113 Ländern – rund 6,1 Milliarden Menschen – übersteigen die Ausgaben für den Schuldendienst mittlerweile die Investitionen in Bildung. Die UNESCO regt Mechanismen an, um Schuldenverpflichtungen in Bildungsinvestitionen umzuwandeln.

Schweiz: Arbeitslose Akademiker auf Rekordhoch

Auch in traditionell starken Wissenschaftsstandorten zeigen sich Spannungen am Arbeitsmarkt. In der Schweiz ist die Zahl der arbeitslosen Akademiker auf über 46.000 gestiegen. Das entspricht einem Anteil von 34 Prozent an allen Arbeitslosen – vor 20 Jahren lag der Wert noch bei 10 Prozent. Besonders betroffen: technische und naturwissenschaftliche Berufe.

Als Gründe nennen Experten wirtschaftliche Unsicherheit, Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz und ein Überangebot an Absolventen. Die Zahl der Stellenausschreibungen auf universitären Portalen ist seit drei Jahren rückläufig.

Politischer Rechtsruck schreckt Bewerber ab

Neben ökonomischen Faktoren beeinflussen auch politische Rahmenbedingungen die Attraktivität wissenschaftlicher Standorte. Der Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt wies am 10. Juli darauf hin: Das Erstarken politisch ränderständiger Kräfte werde zunehmend als Standortnachteil wahrgenommen. Bewerber für Professuren und Fachkräfte in Unternehmen ließen sich durch ein politisch instabiles oder ablehnendes Klima abschrecken – sie sähen die Integration ihrer Familien gefährdet.

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Administrative Hürden und Rekordbelastung

Auf der Mikroebene zeigen Berichte von Wissenschaftlern: Administrative Hürden hemmen die produktive Arbeit. Lange Beschaffungszeiten für Geräte und hohe Bürokratie sind Kernprobleme. In Einzelfällen führt die ökonomische Unsicherheit dazu, dass erfahrene Forscher unbezahlten Urlaub nehmen, um sich in der Privatwirtschaft eine alternative Existenzgrundlage aufzubauen.

Berechnungen zum Steuerzahlergedenktag am 13. Juli verdeutlichen eine Rekordbelastung für Durchschnittshaushalte: Über 53 Prozent des Einkommens gehen für Steuern und Sozialabgaben drauf. Besonders für Alleinerziehende und Bezieher mittlerer Einkommen im akademischen Sektor führt das dazu, dass trotz nominaler Anpassungen real oft weniger Nettoeinkommen zur Verfügung steht.

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