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Airbus migriert 900 Anwendungen: Abkehr von AWS zu Scaleway

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Unternehmen ersetzen US-Clouds durch europäische Alternativen. 90 Prozent der IT-Entscheider fordern lokale Digitalprodukte für kritische Infrastrukturen.

Europäische Cloud-Wende: Deutsche Firmen setzen auf lokale Anbieter
Stilisierte Deutschlandkarte mit digitalen Datenströmen und Sicherheitssymbolen für sichere Softwareentwicklung und digitale Souveränität. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Deutsche Unternehmen verabschieden sich zunehmend von US-amerikanischen und asiatischen Cloud-Anbietern – und setzen auf lokale Alternativen. Der Trend ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine strategische Neuausrichtung.

Europäische Wende in der Digitalwirtschaft

Die Zeiten, in denen deutsche Unternehmen unbesehen auf globale Tech-Giganten setzten, sind vorbei. Eine aktuelle Umfrage von Myra Security und Civey zeigt: 90 Prozent der IT-Entscheider fordern mittlerweile europäische Digitalprodukte für staatliche und kritische Infrastrukturen. Die Bereitschaft, europäische Lösungen komplett auszuschließen, ist auf 4,6 Prozent gesunken – ein drastischer Rückgang verglichen mit dem Vorjahr, als noch knapp die Hälfte der Firmen lokale Anbieter ablehnte.

Die Industrie zieht längst Konsequenzen. Airbus bestätigte Mitte Juli die Migration von rund 900 Anwendungen vom US-Anbieter AWS zur französischen Cloud Scaleway. Im Fokus stehen Kernfunktionen wie Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship Management (CRM) und Fertigungssysteme. Ein Milliardenprojekt, das Signalwirkung haben dürfte.

Auch die Politik treibt die Entwicklung voran. Der Deutsch-Französische Ministerrat einigte sich am 17. Juli auf eine Stärkung der europäischen Datensouveränität. Frankreich kündigte Verträge mit dem US-Konzern Palantir, während der deutsche Verfassungsschutz auf die französische Alternative ChapsVision setzt. Ein klarer Fingerzeig für die gesamte Branche.

Regulierungstreue als neues Auswahlkriterium

Für Unternehmen in regulierten Sektoren wie Fintech oder Healthcare wird die Partnerwahl zunehmend zur Compliance-Frage. Branchenrichtlinien vom 20. Juli betonen: Softwarepartner müssen tiefe Erfahrung mit Bankenintegrationen, Prüfprotokollen und Rahmenwerken wie PCI DSS oder AML/KYC nachweisen. Experten warnen vor Anbietern, die behaupten, Code allein könne regulatorische Anforderungen erfüllen.

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Die Bedeutung regionaler Datenhaltung untermauert eine Bitkom-Studie aus dem ersten Halbjahr 2026. Von 603 befragten Unternehmen bewerteten 97 Prozent den Serverstandort als entscheidend. Alle Teilnehmer bevorzugten deutsche Rechenzentren, 51 Prozent lehnten US-Hosting ab, 94 Prozent schlossen Anbieter aus China aus.

Die deutsche Cybersecurity-Startup-Szene reagiert auf diese Nachfrage. Der Wavestone Cybersecurity Startup Radar identifizierte am 20. Juli 106 aktive Jungunternehmen – viele spezialisiert auf Automatisierung für Governance, Risk und Compliance (GRC). Angetrieben wird diese Entwicklung durch Regulierungen wie NIS2, DORA und den EU AI Act.

Berlin: Investitionsboom bei akutem Fachkräftemangel

Berlin festigt seinen Ruf als Hochburg für High-Tech-Softwareentwicklung. Laut Berlin Partner erreichten die Investitionen in der Hauptstadt im ersten Halbjahr 2026 rund 1,4 Milliarden Euro – eine Verdopplung gegenüber dem vorangegangenen Halbjahr. Das Ökosystem zählt nun 32 Einhörner, mit Schwerpunkten in Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automatisierung.

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Doch das Wachstum hat einen Haken: Der Fachkräftemangel verschärft sich dramatisch. Bitkom befragte 850 Unternehmen – 80 Prozent erwarten eine weitere Vergrößerung der IT-Lücke. KI treibt bei 42 Prozent der Firmen die zusätzliche Nachfrage, führt aber gleichzeitig bei 27 Prozent zu Stellenabbau. Ein Paradoxon, das die Auswahl geeigneter Partner zusätzlich erschwert.

Die Kosten für spezialisierte Expertise steigen entsprechend. Aktuelle Marktdaten nennen ein Median-Gehalt von 66.750 Euro für IT-Fachkräfte. Spezialisierte Rollen liegen deutlich höher: KI-Entwickler verdienen im Median rund 92.000 Euro, Sicherheitsarchitekten etwa 81.250 Euro. Wer gute Leute will, muss tief in die Tasche greifen.

Quellcode-Sicherheit wird zum Risikofaktor

Ein aktueller internationaler Rechtsstreit mahnt zur Vorsicht. Ein Fall zwischen einem Luxusmarktplatz aus Florida und einem Entwickler aus Delhi verdeutlicht die Risiken bei der Übergabe von Quellcode – insbesondere bei Verträgen aus dem Jahr 2025. Die Nichtauslieferung des Codes führte zu einem teuren Rechtsstreit.

Branchenanalysten raten: Die klare Eigentumsregelung am Quellcode wird zum kritischen Geschäftsfaktor. Bei der Partnerwahl sollten Unternehmen auf deterministische Ausführung und Transparenz der Geschäftslogik achten. Neue Plattformen wie das im Juli 2026 in Weimar gestartete Entscheidungsintelligenz-System adressieren genau diese Anforderungen – mit KI-gesteuerter Logik, die testbar und transparent bleibt. Genau das, was regulierte Branchen brauchen.

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