AID-Systeme, Frauen

AID-Systeme: Warum Frauen mit Typ-1-Diabetes Insulin manuell anpassen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Menopause und Zyklusphasen verändern Stoffwechselwerte; zugelassene AID-Systeme berücksichtigen den Menstruationszyklus bislang nicht.
Ein minimalistischer, heller Untersuchungsraum in einer Arztpraxis mit einem leeren Untersuchungstisch. Illustration mit AI erstellt.

Hormonelle Veränderungen im Leben von Frauen haben erhebliche Auswirkungen auf die Stoffwechselgesundheit. Dennoch finden diese Zusammenhänge in der klinischen Praxis und bei medizintechnischen Anwendungen bislang oft zu wenig Beachtung.

Fachleute der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) weisen darauf hin, dass sowohl die Wechseljahre als auch die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus eine gezielte medizinische Aufmerksamkeit und präzise Anpassungen der Therapiesteuerung erfordern.

Hormonelle Umbrüche als unterschätztes Stoffwechselrisiko

Der Übergang in die Menopause markiert ein kritisches Zeitfenster für die metabolische Gesundheit. Wie Prof. Dr. Julia Szendrödi, Präsidentin der DDG und Ärztin am Universitätsklinikum Heidelberg, anlässlich einer Pressekonferenz zur 20. Diabetes-Herbsttagung in Dresden ausführte, verändern die Wechseljahre den Stoffwechsel grundlegend.

Typisch sind ein zunehmendes Bauchfett und eine steigende Insulinresistenz. Gleichzeitig klettern Blutdruck- sowie Blutfettwerte häufig nach oben, selbst wenn die betroffenen Frauen keine spürbaren Beschwerden wahrnehmen.

Diese unbemerkten Veränderungen erhöhen das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Leberleiden deutlich. Fachleute raten daher dazu, die Phase der Wechseljahre konsequent als Anlass für einen gründlichen Gesundheitscheck zu nutzen. Dabei sollten Blutzucker-, Herz- und Leberwerte routinemäßig überprüft werden. Dies gilt umso mehr bei familiären Risikofaktoren wie Übergewicht oder bestehenden Diabetesfällen in der Verwandtschaft.

Anzeige

Wer sich mit den hormonellen Auswirkungen auf die Stoffwechselgesundheit befasst, sollte seine Vitalwerte genau im Blick behalten. Dieser kostenlose Ratgeber hilft Ihnen dabei, wichtige Blutwerte selbst zu verstehen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Laborwerte-Selbstcheck jetzt kostenlos herunterladen

Insbesondere Frauen mit einem früheren Schwangerschaftsdiabetes sollten spätestens in der Perimenopause ihren Stoffwechsel, ihr Körpergewicht sowie den Taillenumfang kontrollieren lassen.

Zyklusphasen beeinflussen Glukosewerte bei Typ-1-Diabetes

Neben den dauerhaften hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren wirken sich auch die monatlichen Zyklusphasen direkt auf den Glukosestoffwechsel aus. Dies belegt eine im Fachjournal Diabetes Care im September 2026 veröffentlichte Beobachtungsstudie, die 380 Menstruationszyklen von 77 Frauen mit Typ-1-Diabetes unter dem Einsatz automatisierter Insulin-Dosierungssysteme (AID-Systeme) analysierte.

Anzeige

Ein stabiler Blutzuckerspiegel ist gerade bei hormonellen Schwankungen entscheidend für das Wohlbefinden. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, mit welchen einfachen 3-Minuten-Übungen Sie Ihre Werte im Alltag natürlich unterstützen können. 7 Gratis-Übungen für bessere Blutzuckerwerte sichern

Die Ergebnisse zeigen eine erhöhte Insulinsensitivität in der frühen Follikelphase des Zyklus. In der Mitte der Lutealphase kehrt sich das Bild hingegen um: Hier verzeichneten die Forschenden die höchste tägliche Insulindosis und Kohlenhydrataufnahme bei gleichzeitig niedrigster Insulinsensitivität.

Infolgedessen lagen höhere mittlere Glukosewerte sowie eine verkürzte Zeit im optimalen Zielbereich (Time in Range, TIR) und im eng gefassten Zielbereich (Time in Tight Range, TITR) vor. Rund 85 % der untersuchten Frauen zeigten ein ähnliches Muster wie Frauen ohne Typ-1-Diabetes, wenngleich erhebliche individuelle Abweichungen zwischen den Patientinnen beobachtet wurden.

Grenzen automatisierter Insulindosierung und geplante Forschung

Trotz dieser deutlichen Schwankungen stößt die moderne Medizintechnik derzeit an funktionale Grenzen. Dr. Martina Rothenbühler vom Diabetes Center Berne betonte, dass kein gegenwärtig zugelassenes AID-System den Menstruationszyklus ausdrücklich berücksichtige. Für betroffene Patientinnen bedeutet dies, dass sie weiterhin manuelle Anpassungen an ihren Systemen vornehmen müssen, was im Alltag eine spürbare Belastung und Stress darstellt.

Um die Datengrundlage weiter zu vertiefen und die technologische Unterstützung zu verbessern, bereitet die Studiengruppe bereits den nächsten Schritt vor: Geplant ist die Anschlussstudie TIMES, in die 350 Frauen mit Typ-1-Diabetes unter AID-Systemen einbezogen werden sollen.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70460935 |