AI Paper Trail: Proton zeigt Datensammlung von ChatGPT und Claude
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 21:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Software-Anbieter Proton hat eine neue Anwendung namens „AI Paper Trail“ vorgestellt. Das Werkzeug ist darauf ausgelegt, Transparenz über die Praktiken der Datenerfassung bei führenden KI-Modellen zu schaffen.
Konkret zeigt das Tool auf, welche persönlichen Informationen Anwendungen wie ChatGPT von OpenAI und Claude von Anthropic über ihre Nutzer gesammelt haben. Die Veröffentlichung fällt zusammen mit neuen Erkenntnissen über weitreichende Protokollierungsfunktionen in Desktop-Anwendungen für künstliche Intelligenz.
Protokollierung von Nutzeraktivitäten in der Mac-App von ChatGPT
Ein Beispiel für die Tiefe der Datenerfassung bietet die „Computer History“-Funktion der Mac-App von ChatGPT. Diese Anwendung analysiert die Aktivitäten der Anwender, um darauf basierend Optimierungen für Arbeitsabläufe vorzuschlagen. Dabei werden umfangreiche Datenpunkte erfasst, darunter Klicks, Tastatureingaben sowie verwendete Tastenkürzel. Auch Wechsel zwischen verschiedenen Applikationen werden durch das System registriert.
Ein kritischer Aspekt für die IT-Sicherheit ist die Art der Datenspeicherung: Die Protokolldateien werden im unverschlüsselten Klartext auf dem lokalen System abgelegt.
Analysten weisen zudem darauf hin, dass die Funktion den Inkognito-Modus von Webbrowsern ignoriert und somit auch Aktivitäten erfasst, die der Nutzer potenziell privat halten möchte. Trotz dieser detaillierten Erfassung des Nutzerverhaltens werden laut Unternehmensangaben keine Screenshots oder Audioaufnahmen erstellt.
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Regionale Einschränkungen und Sicherheitsvorgaben
Die Nutzung der „Computer History“-Funktion unterliegt strengen regulatorischen und administrativen Rahmenbedingungen. Das Feature ist standardmäßig deaktiviert und muss vom Anwender explizit über ein Opt-in-Verfahren freigeschaltet werden.
In den Einstellungen der Applikation lässt sich die Funktion zudem jederzeit wieder deaktivieren. In geschäftlichen Umgebungen, etwa bei Business- oder Enterprise-Konten, ist zusätzlich eine Freigabe durch den zuständigen Administrator zwingend erforderlich.
Hinsichtlich der Verfügbarkeit gibt es deutliche regionale Unterschiede. Die Funktion ist derzeit ausschließlich für Nutzer der Tarife Pro, Business und Enterprise zugänglich. Ausgenommen von der Bereitstellung sind Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), in Großbritannien sowie in der Schweiz. Diese geografische Einschränkung deutet darauf hin, dass regulatorische Anforderungen in diesen Märkten der Einführung vorerst entgegenstehen.
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Datenlöschung und Sicherheitsrisiken
Um die Datenschutzrisiken zu begrenzen, hat OpenAI eine automatische Löschfrist für die erfassten Daten implementiert. Die Ereignisdateien werden demnach nach einem Zeitraum von 48 Stunden vom System entfernt. Dennoch warnen Experten vor verbleibenden Sicherheitsrisiken.
Neben der unverschlüsselten Speicherung der Protokolle wird insbesondere auf die Gefahr von Prompt-Injection-Angriffen verwiesen. Da die KI Zugriff auf den Verlauf der Computeraktivitäten hat, könnten manipulierte Eingaben theoretisch dazu genutzt werden, sensible Informationen aus diesen Protokollen zu extrahieren oder das System zu Fehlfunktionen zu verleiten.
Das neue Tool von Proton soll Anwendern nun dabei helfen, genau solche Datenflüsse sichtbar zu machen und ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, welche Spuren die Interaktion mit KI-Systemen im digitalen Alltag hinterlässt. Die Debatte um die Balance zwischen funktionalem Mehrwert durch KI-Assistenten und dem Schutz der Privatsphäre gewinnt durch diese technischen Einblicke weiter an Relevanz für professionelle Anwender und Unternehmen.
