Agent Pay for Machines: Mastercard startet KI-Zahlungen ohne Mensch
10.06.2026 - 20:42:42 | boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister ermöglicht erstmals automatisierte Transaktionen zwischen künstlichen Intelligenzen – ohne menschliches Zutun.
Mastercard hat am heutigen Mittwoch den Dienst „Agent Pay for Machines" (AP4M) gestartet. Die neue Plattform ist speziell für programmatische Kleinsttransaktionen zwischen KI-Agenten ausgelegt. Dabei geht es um Beträge im Bruchteil eines Cents – vollautomatisiert, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.
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Was die Plattform leistet
AP4M baut auf dem im vergangenen Jahr eingeführten Agent-Pay-Programm auf. Die Infrastruktur bietet vier Kernfunktionen: die Überprüfung der Berechtigung von KI-Agenten, die Festlegung von Ausgabenlimits, die Abwicklung der Transaktionen sowie den Zahlungsausgleich über verschiedene Wege. Die Abrechnung kann sowohl über klassische Karten- und Bankkonten als auch über Stablecoins erfolgen.
Laut Unternehmensangaben soll die Plattform das Vertrauensniveau, das im Geschäftskundenverkehr herrscht, auf den aufstrebenden Markt des autonomen Handels übertragen. Technisch setzt Mastercard zunächst auf Blockchain-Netzwerke wie Polygon, Solana und Base zur Verwaltung der Agenten-Identitäten. Noch in diesem Jahr soll der Zugang ausgeweitet werden.
Mehr als 30 Partner unterstützen den Start, darunter Adyen, Stripe, Coinbase, Cloudflare, Checkout.com und Ant International.
Milliardenmarkt in Sicht
Jorn Lambert, Chief Product Officer von Mastercard, bezeichnete die Entwicklung auf einer Konferenz am Dienstag als „bedeutende neue Transaktionsebene". Er rechnet damit, dass 20 bis 30 Prozent des gesamten E-Commerce künftig über solche automatisierten Kanäle abgewickelt werden könnten.
Um sich für diesen Markt zu rüsten, steht Mastercard kurz vor der Übernahme des Stablecoin-Infrastrukturanbieters BVNK – für bis zu 1,8 Milliarden Euro.
Die Expansion kommt zu einem Zeitpunkt starker Geschäftszahlen: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 16 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro, die Servicesparte wuchs um 22 Prozent. Analysten sehen im Maschine-zu-Maschine-Zahlungsverkehr einen substanziellen neuen Markt. Die Forschungsfirma Juniper Research prognostiziert, dass die Ausgaben von KI-Agenten von umgerechnet rund 7,4 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf knapp 1,4 Billionen Euro im Jahr 2030 steigen könnten.
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Erste Pilotprojekte laufen
Bereits am Dienstag startete die Santander-Tochter Getnet eine kompatible Infrastruktur für Mastercard Agent Pay. Unternehmen können damit Zahlungen akzeptieren, die von KI-Agenten ausgelöst werden. Erste Tests laufen in Mexiko und Lateinamerika.
Ebenfalls am Dienstag begannen HSBC und Mastercard ein Pilotprojekt in Singapur. Dort testen sie den automatisierten Geschäftskundenhandel: KI-Agenten verbinden Käufer und Lieferanten über tokenisierte Zahlungen und automatisierte Beschaffungsplattformen.
Regulierer schalten sich ein
Auch der Internationale Währungsfonds hat das Thema aufgegriffen. In einem am Dienstag veröffentlichten Papier beschreibt der IWF den Wandel vom „Click-to-Pay"- zum „Decide-to-Pay"-Modell – also Systemen, in denen KI-Agenten selbstständig Kaufentscheidungen treffen.
Der IWF fordert neue regulatorische Rahmenwerke, darunter sogenannte „Know-Your-Agent"-Protokolle (KYA). Sie sollen Risiken wie irreversible Zahlungen ohne ausreichende Kontrollmechanismen verhindern. Die Frage, wer haftet, wenn ein KI-Agent eine Fehlentscheidung trifft, ist bislang rechtlich ungeklärt.
