Gespräche, Sexualgesundheit

Ärztliche Gespräche: Sexualgesundheit soll bei jedem Termin Thema sein

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schmerzsymptome und Medikamente können die Libido mindern; Fachleute empfehlen regelmäßige Gespräche und eine individuell abgestimmte Versorgung.
Ein minimalistischer Raum mit weichem Tageslicht, das durch einen Vorhang fällt und eine ruhige, heilende Atmosphäre erzeugt. Illustration mit AI erstellt.

Bei der Betreuung von Patienten mit chronischen Schmerzerkrankungen wird das Thema Intimität im klinischen Alltag noch immer selten offen angesprochen. Die Schmerzspezialistin Monique Guilarducci betont jedoch, dass die Sexualität im Behandlungsgespräch bei Fibromyalgie zwingend ohne Scham themisiert werden müsse.

Sowohl die körperlichen Symptome der Erkrankung als auch verordnete Medikamente können zu einer deutlichen Absenkung der Libido führen. Da sexuelles Wohlbefinden nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation ein wesentlicher Pfeiler einer gesunden Lebensweise und ein grundlegender Bestandteil von Lebensqualität ist, verlangt die Bewältigung der Erkrankung ein umfassenderes Versorgungsmodell.

Schmerzsyndrom beeinflusst das Wohlbefinden

Fibromyalgie ist ein chronisches Syndrom, das durch generalisierte muskuloskelettale Schmerzen und eine erhöhte Sensitivität des zentralen Nervensystems gekennzeichnet ist. Diese anhaltende Überempfindlichkeit führt nicht nur zu körperlicher Erschöpfung, sondern schlägt sich häufig auch auf die sexuelle Gesundheit nieder.

Guilarducci spricht sich daher für eine konsequent individualisierte Behandlung aus. Ein solcher Ansatz müsse neben der gezielten Anpassung von Medikamenten auch eine eng abgestimmte sexuelle, psychische und physische Betreuung umfassen, um der vielschichtigen Natur des Syndroms gerecht zu werden.

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Klassifikation weiblicher Funktionsstörungen

Die Komplexität sexueller Beschwerden, wie sie im Umfeld chronischer Schmerzen auftreten können, verdeutlicht auch eine Übersichtsarbeit aus dem Fachbereich der Sexualmedizin. Diese unterteilt weibliche sexuelle Störungen in vier wesentliche Gruppen:
- Verminderte Lust,
- Erregungs- und Befeuchtungsprobleme, die sich insbesondere während der Menopause zeigen,
- Orgasmusschwierigkeiten sowie
- Schmerzen im Beckenbereich oder Schmerzen beim Eindringen.

Zur Bewältigung dieser Funktionsstörungen steht ein breites Spektrum an Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Fachleute verweisen auf die Einbindung von psychologischer Unterstützung oder Sexualtherapie, den Einsatz hormoneller Mittel sowie weiterer Medikamente. Ergänzend können gezielte Physiotherapie und Beckenbodenübungen dazu beitragen, Schmerzen und funktionelle Beeinträchtigungen zu lindern.

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Routinemäßige Diagnostik und Ausbildungsdefizite

Trotz der vorhandenen Optionen besteht in der medizinischen Versorgung weiterhin eine erhebliche Gesprächsbarriere. Laut der Übersichtsarbeit sind viele Mediziner bislang nicht ausreichend darin geschult, das Thema Sexualität aktiv von sich aus anzusprechen. Dies führe dazu, dass Betroffene mit ihren Problemen oft auf sich allein gestellt bleiben.

Um dieses Defizit zu beheben, fordert die Internationale Gesellschaft für das Studium der weiblichen sexuellen Gesundheit einen ganzheitlichen Ansatz in der Praxis. Ärztinnen und Ärzte sollten demnach routinemäßig bei jedem planmäßigen Termin nach dem Zustand der sexuellen Gesundheit fragen.

Eine solche Standardisierung könne Hemmschwellen abbauen und sicherstellen, dass Störungen frühzeitig diagnostiziert und im Rahmen eines individuellen Gesamtkonzepts therapiert werden.

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de | wissenschaft | 70418466 |