Honorarkürzungen, Fachärzte

Ärzteprotest: Honorarkürzungen bis 20% für Fachärzte ab 2027

10.06.2026 - 06:42:36 | boerse-global.de

Bundesregierung plant 16,3 Milliarden Euro Entlastung für Krankenkassen, doch Mediziner wehren sich gegen massive Honorarkürzungen und Praxisschließungen.

GKV-Entlastung 2027: Ärzte protestieren gegen Honorarkürzungen
Honorarkürzungen - Eine Nahaufnahme der Hand eines Arztes, der ein Stethoskop hält, mit unscharfen protestierenden Figuren im Hintergrund. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Doch die Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stoßen auf massiven Widerstand in der Ärzteschaft.

Honorarkürzungen treffen Fachärzte hart

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht spürbare Einbußen für verschiedene Arztgruppen vor. Besonders hart trifft es HNO-Ärzte: Ihnen drohen Kürzungen von 20 Prozent. Orthopäden müssen mit 14 Prozent weniger rechnen, Nervenärzte mit 11 Prozent, Chirurgen und Internisten mit 10 Prozent. Augen- und Hautärzte verlieren rund 7 Prozent.

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Die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg warnte bereits Ende Mai vor Honorarausfällen von bis zu 30 Prozent für bestimmte Fachgruppen. Psychotherapeuten sind schon jetzt betroffen – sie verzeichnen seit April 2026 Kürzungen von 4,5 Prozent. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg spricht von einem „einseitigen Sparkurs zu Lasten der Leistungserbringer".

Patienten fürchten längere Wartezeiten

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schlägt Alarm: Bereits heute werden rund 15 Prozent der fachärztlichen Leistungen nicht vergütet – das entspricht jährlich etwa 40 Millionen kostenlosen Behandlungsterminen. Mit der Reform drohe der Wegfall dieser Kapazitäten.

Der Ärzteverbund Medi Geno mit über 15.000 Mitgliedern warnt vor deutlich längeren Wartezeiten und reduzierten Sprechstunden. „Die Patienten werden die Leidtragenden sein", so die Befürchtung.

Praxisschließungen als Protest

Die Ärzte machen ihrem Unmut Luft. In Baden-Württemberg sperrten Hausärzte Anfang der Woche jeden zweiten Platz in ihren Wartezimmern. Am heutigen Mittwoch kam es bundesweit zu koordinierten Praxisschließungen.

In Berlin beteiligten sich mindestens 2000 Mediziner an einem Aktionstag. In Hamburg blieben die Praxen zwischen 8:00 und 10:00 Uhr geschlossen. Die Notfallversorgung sicherten ausgewählte Kliniken wie das Sana Klinikum Lichtenberg und das DRK-Klinikum Westend.

Streit um neues Primärarztsystem

Parallel zu den Sparmaßnahmen plant das Gesundheitsministerium eine strukturelle Neuausrichtung. Ein Referentenentwurf, der für den Sommer erwartet wird, sieht ein Primärarztsystem vor. Gesetzlich Versicherte müssten demnach künftig zuerst einen Hausarzt aufsuchen.

Das Modell würde die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) stärken. Doch die Wirksamkeit ist umstritten. Ein Gutachten der Techniker Krankenkasse vom April 2026 kommt zu dem Schluss: Das Primärarztsystem verbessere die Versorgungsqualität nicht nachweislich und senke auch keine Kosten.

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Nächste Woche entscheidet der Bundestag

Die politische Auseinandersetzung erreitet am Freitag eine entscheidende Phase. Dann beraten Bundesrat und Bundestag über das Gesetz. Die Bundesregierung will die erste Lesung bis Ende Juni abschließen.

Der Widerstand der Ärzte soll weitergehen. Für Samstag haben Psychotherapeuten eine Demonstration in Stuttgart angekündigt. Verbände wie die Freie Ärzteschaft fordern die Abgeordneten auf, das Gesetz in seiner jetzigen Form abzulehnen. „Sonst droht ein dauerhafter Schaden an der sozialen Infrastruktur", warnt der Verband.

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