Druck, Erschöpfung

Ärzte unter Druck: 48,5% leiden unter emotionaler Erschöpfung

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 10:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen hohe Erschöpfung, Gewalt und Krisenlücken bei medizinischem Personal. Verbände verlangen bessere Arbeitsbedingungen und Schutz.

Patientensicherheit: Gesundheitsberufe kämpfen mit Gewalt und Überlastung
Ein ruhiger, leerer Krankenhausflur bei Dämmerung mit sanftem Lichteinfall durch ein großes Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit rücken internationale Gesundheitsbehörden und Fachorganisationen die psychische Verfassung des medizinischen Personals in den Fokus. Experten und Verbände betonen, dass die Sicherheit von Patienten untrennbar mit der Gesundheit und den Arbeitsbedingungen der Fachkräfte verbunden ist.

Berichte und Studien aus verschiedenen Regionen verdeutlichen derzeit die Notwendigkeit, Burnout und physische sowie psychische Belastungen im Gesundheitssektor präventiv zu bekämpfen.

Globale Belastungsfaktoren und psychische Gesundheit

Die World Health Professions Alliance (WHPA), die über 47 Millionen Gesundheitsfachkräfte in mehr als 179 Ländern vertritt, forderte in einer Stellungnahme eine deutliche Stärkung der Belegschaft.

Laut der Organisation fordern nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) jährlich weltweit 43 Millionen Todesopfer, was den Druck auf das Personal verstetigt. Der CEO des International Council of Nurses (ICN), Howard Catton, mahnte in diesem Zusammenhang verstärkte Investitionen in das Personal an.

Daten des indonesischen Gesundheitsministeriums (Kemenkes) stützen die Sorge um die psychische Belastung: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO erfahren 63 % der Fachkräfte verbale Gewalt am Arbeitsplatz; zwischen 17 % und 32 % leiden unter Burnout.

Eine bereits im Jahr 2021 durchgeführte Umfrage unter 1.178 Fachkräften in Indonesien zeigte zudem, dass 39 % der Allgemeinmediziner und 36 % der Assistenzärzte unter hoher emotionaler Erschöpfung litten.

Ähnliche Ergebnisse lieferte eine am 16. September 2026 veröffentlichte Studie der brasilianischen AMIB und CFM. Von 2.338 befragten Ärzten wiesen 48,5 % ein hohes Maß an emotionaler Erschöpfung auf.

Besonders betroffen zeigten sich Allgemeinmediziner mit einem wert von 52,3 %, während Intensivmediziner bei 44,5 % lagen. Zudem wurde bei 46,4 % der Befragten ein hohes Maß an Depersonalisierung festgestellt, was einen emotionalen Rückzug gegenüber Patienten beschreibt.

Zunehmende Gewalt gegen medizinisches Personal

Ein wesentlicher Stressfaktor ist die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber medizinischen Fachkräften. In Niedersachsen startete das Gesundheitsministerium gemeinsam mit der Ärztekammer und dem Marburger Bund die Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“. Der MB-Monitor des Marburger Bundes belegt, dass fast 90 % der Befragten verbale Gewalt erleben, während mehr als die Hälfte bereits körperlichen Übergriffen ausgesetzt war.

Auch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen berichtete, dass in den vergangenen fünf Jahren fast jeder zweite Arzt oder Psychotherapeut sowie jede zweite Medizinische Fachangestellte bedroht oder körperlich angegriffen wurde.

Bundesgesundheitsministerin Warken forderte vor diesem Hintergrund eine Verschärfung der Gesetze zum Schutz von Pflegekräften und Ärzten. KBV-Chef Gassen sprach sich ebenfalls für eine strafrechtliche Verschärfung aus, um Personen, die dem Gemeinwohl dienen, besser zu schützen.

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Strukturelle Belastungen und bürokratische Hürden

Neben Gewalt und emotionaler Erschöpfung belasten strukturelle Rahmenbedingungen den Berufsalltag. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Reinhardt, wies auf die enorme administrative Last hin.

In der vertragsärztlichen Versorgung fallen jährlich über 50 Millionen Nettoarbeitsstunden für Bürokratie an, was etwa 61 Tagen pro Praxis entspricht. Reinhardt forderte eine Reduzierung dieser Belastung um jährlich mindestens 10 %. Zudem setzte er sich für eine Reform der Notfallversorgung und eine Stärkung der Präventionspolitik ein.

Auf dem 47. Hausärztinnen- und Hausärztetag wurde die sinkende Attraktivität des Berufsstandes thematisiert. Knapp 80 % der befragten Praxen gaben an, dass die Attraktivität in den letzten fünf Jahren abgenommen habe. Der Verband forderte eine finanzielle und strukturelle Stärkung der Hausarztpraxen als zentrale steuernde Instanz im Gesundheitssystem.

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Defizite in der Krisenbereitschaft niedergelassener Praxen

Zusätzliche Belastungen ergeben sich aus mangelnder Vorbereitung auf externe Krisen. Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels, das zwischen Ende April und Ende Juli 2026 rund 4.005 Ärzte und Psychotherapeuten befragte, zeigen erhebliche Lücken auf. Etwa 90 % der Befragten fühlten sich schlecht auf langwierige Krisen vorbereitet.

Nur jede zehnte Praxis verfügt über eine Notstromversorgung. Bei einem einwöchigen Stromausfall müssten laut der Erhebung rund 40 % der Facharztpraxen und 20 % der Hausarztpraxen ihren Betrieb sofort einstellen. Zudem gaben 93 % der Teilnehmer an, ihre konkrete Rolle im Katastrophenfall nicht zu kennen, was die Unsicherheit im Arbeitsalltag weiter erhöht.

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