ÄLEN Aktiv: 89,2 Prozent der Teilnehmenden fühlten sich gesünder
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Praktische Trainings und gezielte Bewegungsangebote gewinnen für ältere Menschen zunehmend an Bedeutung, um die selbstständige Mobilität im öffentlichen Raum zu sichern. Verschiedene Initiativen in deutschen Kommunen setzen darauf, die Handhabung von Gehhilfen im Nahverkehr zu trainieren und die körperliche Fitness durch spezielle Angebote wie Kneipp-Anlagen oder Bewegungsprogramme zu fördern.
Bus und Bahn mit Gehhilfen sicher nutzen
In mehreren Städten stehen Schulungen für die sichere Beförderung im Mittelpunkt. In Trier organisieren die Stadtwerke Trier gemeinsam mit Gundula Braun vom Seniorentreff „Die flotteren Älteren“ ein Rollatortraining im Stadtbus. Ziel der Übungen ist es, Hemmschwellen abzubauen und einen sogenannten Rollatorführerschein zu vermitteln.
Die Teilnehmenden üben dort das Ein- und Aussteigen über Rampen sowie das sichere Positionieren und Festhalten während der Fahrt. Elmar Kandels, Bereichsleiter Mobilität bei den Stadtwerken Trier, stuft das Schulungsangebot als wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit ein. Das nächste Rollatortraining in Trier ist für den 10. April 2027 im Gemeindezentrum St. Matthias und im Stadtbus terminiert.
Auch der Nahverkehr in Jena setzt auf persönliche Beratung: Dort demonstrieren Fahrer älteren Menschen direkt an Straßenbahnen, wie der Einstieg mit Gehhilfe gelingt. Im Kreis Recklinghausen und in Bottrop bietet das Polizeipräsidium Recklinghausen kostenfreie Rollator-Sicherheitstrainings an.
Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen betont, dass das sichere Beherrschen des Rollators die Verkehrssicherheit erhöhe. Bei den Terminen wird ein Parcours mit Bordsteinen, Gullideckeln und Gehwegplatten absolviert.
Die Vestische Straßenbahnen stellt für die Ein- und Ausstiegsübungen einen Linienbus bereit, während die Verkehrswacht Verschleißteile prüft und der Kreis Recklinghausen die Ausstattung mit Reflektoren ermöglicht.
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Radfahrsicherheit und technische Hilfen
Neben Rollatoren rücken andere Fortbewegungsmittel in den Fokus der Verkehrssicherheit. In Wunstorf veranstalteten die Polizei und die städtische Seniorenbeauftragte Jenny Müller auf dem Schützenplatz ein Pedelec-Training für Senioren im Rahmen eines Präventionsprogramms der Deutschen Verkehrswacht.
Polizeioberkommissarin Stephanie Hackmann verweist darauf, dass ältere Fahrer von Pedelecs – Fahrrädern mit Elektromotor, bei denen Treten erforderlich ist und keine Helmpflicht gilt – überproportional an Unfällen beteiligt seien. Sieben Personen zwischen 70 und 80 Jahren trainierten dabei das Anfahren und Bremsen.
Erleichterungen im Nahverkehr schaffen zudem technische Funktionen: Die Stadtwerke Trier verweisen auf blaue oder gelbe Haltewunsch-Tasten mit Rollstuhl- und Kinderwagensymbol. Werden diese betätigt, schließen die Fahrzeugtüren nicht automatisch, sondern werden vom Fahrpersonal nach einer Spiegelkontrolle manuell geschlossen.
Förderung von Fitness und Bewegung im Freien
Parallel zu Verkehrstrainings entstehen vermehrt wohnortnahe Fitnessangebote. Am 26. September 2026 weihte der Kneippverein Friedrichroda gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine neue Kneipp-Venentreppe im Kurpark Friedrichroda an der Schweizer Straße ein. Die Anlage orientiert sich an den Prinzipien der Kneipplehre und dient Übungen zur Unterstützung der Beinmuskulatur sowie des venösen Rückflusses.
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Körperliche Aktivierung bieten auch kommunale Geh- und Bewegungsgruppen. Das Seniorenbüro Hockenheim veranstaltet regelmäßige Spaziertreffs für Personen mit Rollator oder Rollstuhl, während in Deizisau das Übungsprogramm „5 Esslinger“ zur Verringerung des Sturzrisikos beiträgt.
In Stuttgart werden im Herbst und Winter wöchentlich 14 geführte Stadtteilspaziergänge organisiert. Dass strukturierte Programme messbare Effekte erzielen, zeigte das vierjährige Projekt „ÄLEN Aktiv“ im Landkreis Leipzig mit 240 Beteiligten ab 60 Jahren: Rund 89,2 Prozent der Befragten gaben nach Abschluss der Kurseinheiten an, ihren Gesundheitszustand verbessert zu haben.
