Adipositas-Therapie, Semaglutid-Tablette

Adipositas-Therapie: Semaglutid-Tablette statt Wochenspritze zugelassen

12.06.2026 - 22:24:45 | boerse-global.de

Großbritannien genehmigt tägliche Semaglutid-Tablette gegen Fettleibigkeit. Neue orale Präparate von Eli Lilly und anderen forcieren den Wettbewerb im Milliardenmarkt.

Semaglutid-Tablette: Britische Zulassung für Adipositas-Therapie
Adipositas-Therapie - Eine einzelne weiße Pille liegt auf einer sauberen Oberfläche, im Hintergrund verschwommen eine medizinische Umgebung. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während GLP-1-Präparate bislang meist gespritzt wurden, drängen nun Tabletten auf den Markt. Großbritannien gab im Juni 2026 grünes Licht für eine tägliche Semaglutid-Tablette.

Dritter Markt nach USA und VAE

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA erteilte die Zulassung für die orale Variante des Wirkstoffs. Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer Begleiterkrankung können das Mittel künftig als Tablette einnehmen. In den USA war die Zulassung bereits im Dezember 2025 erfolgt, das Präparat ist dort seit Anfang 2026 verfügbar. Die Vereinigten Arabischen Emirate waren der zweite Markt.

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Auch in Europa tut sich etwas. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) sprach im Juni 2026 eine Zulassungsempfehlung für eine orale Variante zur Gewichtsreduktion aus. Parallel dazu wächst der Wettbewerb: Eli Lilly brachte im April 2026 mit Orforglipron ein weiteres orales Präparat auf den Markt.

Tägliche Einnahme statt Wochenspritze

Der Wechsel von der Injektion zur Tablette bringt neue Anforderungen mit sich. Statt einer wöchentlichen Spritze müssen Patienten das Medikament täglich einnehmen. „Die Tablette ist eine komfortablere Alternative, bleibt in der Wirksamkeit aber etwas hinter der Spritze zurück", sagt Prof. Hans Hauner.

Die Daten der OASIS-4-Studie untermauern das: Die Semaglutid-Tablette (25 mg) führte über 64 Wochen zu einem Gewichtsverlust von 13,6 Prozent. Hochdosierte Injektionsvarianten erreichen teilweise über 20 Prozent.

Die Einnahme ist streng reglementiert. Die Tablette muss morgens auf nüchternen Magen nach mindestens acht Stunden Fasten eingenommen werden. Danach ist eine halbe Stunde Wartezeit vor dem ersten Essen oder Trinken Pflicht. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Durchfall und Verstopfung – in Studien traten sie bei rund 74 Prozent der Probanden auf.

Milliardenmarkt lockt Wettbewerber

Der Markt für Adipositas-Medikamente könnte laut Prognosen innerhalb eines Jahrzehnts ein Volumen von bis zu 150 Milliarden US-Dollar erreichen. Neben den Platzhirschen Novo Nordisk und Eli Lilly arbeiten weitere Unternehmen an oralen Lösungen:

  • AstraZeneca: Präsentierte im Juni 2026 Ergebnisse der Phase-2b-Studie SOLSTICE. Der Wirkstoff Elecoglipron senkte bei Typ-2-Diabetikern den HbA1c-Wert signifikant und führte zu Gewichtsverlusten.
  • Structure Therapeutics: Melde für Aleniglipron in einer 44-wöchigen Phase-II-Studie einen Gewichtsverlust von 16,3 Prozent.
  • Viking Therapeutics: Erreichte mit VK2735 in klinischen Tests eine Reduktion um 12,2 Prozent.
  • Roche: Verzeichnete mit CT-966 in frühen Studien einen Gewichtsverlust von 6,1 Prozent innerhalb von vier Wochen.

Muskelschwund und Non-Responder

Trotz der Erfolge zeigen sich klinische Herausforderungen. Bis zu 40 Prozent des Gewichtsverlusts können auf Muskelmasse entfallen. Eine im Juni 2026 in Nature Medicine veröffentlichte Studie untersuchte den Antikörper Apitegromab als Gegenmittel. In der Kombinationstherapie sank der Verlust an Magermasse auf 1,6 Kilogramm – in der Placebogruppe waren es 3,5 Kilogramm.

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Ein weiteres Problem: die sogenannten „Non-Responder". Schätzungen zufolge sprechen 10 bis 30 Prozent der Patienten nicht auf GLP-1-basierte Medikamente an. Zudem zeigt die Praxis, dass viele Betroffene nach dem Absetzen wieder zunehmen. Fachleute empfehlen daher, die medikamentöse Therapie mit Bewegung und proteinreicher Ernährung zu kombinieren.

Unerwarteter Nebeneffekt: Mehr Fruchtbarkeit

Ein interessanter Nebeneffekt betrifft die Fertilität. Die durch die Medikamente ausgelöste Gewichtsreduktion und verbesserte Stoffwechsellage können die Fruchtbarkeit indirekt steigern – besonders bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS). Prof. Uwe Nixdorff rät dennoch: Bei konkretem Kinderwunsch sollte das Präparat mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden.

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