Adipositas-Therapie, Pillen

Adipositas-Therapie: Pillen schlagen Spritzen – 13,6% Gewichtsverlust

08.06.2026 - 16:48:55 | boerse-global.de

Orale GLP-1-Medikamente rücken näher an die Zulassung. Neue Wirkstoffe zeigen in Studien deutlich höhere Gewichtsverluste.

Abnehm-Pillen und neue Wirkstoffe: Milliardenmarkt Adipositas im Wandel
Adipositas-Therapie - Eine einzelne weiße Pille liegt auf einer sterilen Oberfläche, mit einem unscharfen Hintergrund, der eine medizinische Umgebung andeutet. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Nach den erfolgreichen Spritzen drängen jetzt Pillen auf den Markt – und noch wirksamere Substanzen.

GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid haben die Behandlung von krankhaftem Übergewicht bereits revolutioniert. Doch jetzt geht die Entwicklung weiter: Orale Darreichungsformen und Wirkstoffe der nächsten Generation zeichnen sich ab.

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Marktforscher beziffern das weltweite Marktvolumen für 2026 auf 30 bis 36 Milliarden US-Dollar. Bis in die 2030er-Jahre könnte es auf 100 bis 150 Milliarden US-Dollar anwachsen.

Zulassung von Abnehmpillen rückt näher

Der zentrale Schritt ist der Übergang von der Spritze zur täglichen Tablette. Für die orale Variante von Semaglutid (Wegovy) liegt eine positive Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur vor. Die EU-Kommission entscheidet bis Ende Juli 2026 über die Zulassung.

In klinischen Studien über 64 Wochen erzielten Probanden mit der Tablette einen Gewichtsverlust von 13,61 Prozent. In der Placebogruppe waren es nur 2,18 Prozent.

In den USA ist seit April 2026 bereits eine Tablette des Konkurrenten Eli Lilly (Foundayo) zugelassen. Das spiegelt sich auch an der Börse: Eli Lillys Aktie stieg innerhalb eines Jahres um 47 Prozent auf ein Rekordhoch von 1.161,98 US-Dollar. Novo Nordisks Papier verzeichnete im laufenden Jahr dagegen Rückgänge.

Nächste Generation: Noch mehr Gewichtsverlust

Die Forschung arbeitet an Substanzen, die weit über die bisherige Wirkung hinausgehen. Eli Lilly präsentierte Ergebnisse einer Phase-3-Studie zum Wirkstoff Retatrutid. Teilnehmer verloren bei 12 Milligramm Dosierung über 80 Wochen durchschnittlich 70 pfund. Ein Drittel erreichte dabei ein gesundes Gewicht.

Positive Effekte zeigten sich auch bei Schlafapnoe, Knieschmerzen und Typ-2-Diabetes.

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Novo Nordisk veröffentlichte Daten zu Zenagamtid (Amycretin). In einer Phase-2-Studie erzielten Probanden nach 36 Wochen einen Gewichtsverlust von bis zu 14,6 Prozent. Zudem sank der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) signifikant. Ein großes Phase-3-Programm startet in der zweiten Jahreshälfte 2026.

Auch Boehringer Ingelheim und Zealand Pharma zeigen vielversprechende Resultate bei der Reduktion von Leberfett und viszeralem Fettgewebe.

Krebsrisiko sinkt – aber nicht für alle gleich

Über die Gewichtsabnahme hinaus deuten Studien auf einen präventiven Nutzen hin. Eine Untersuchung in den „Annals of Oncology“ mit Daten von 230.000 Patienten bringt GLP-1-Agonisten mit einem um 41 Prozent verringerten Risiko für adipositasbedingte Krebserkrankungen in Verbindung.

Besonders deutlich war der Effekt beim Multiplen Myelom mit minus 63 Prozent und bei Bauchspeicheldrüsenkrebs mit minus 60 Prozent. Ein direkter Kausalzusammenhang gilt allerdings noch nicht als bewiesen.

Die Forschung liefert auch Erklärungen, warum die Medikamente nicht bei allen gleich wirken. Laut einer Studie der Stanford University im Journal „Genome Medicine“ tragen etwa zehn Prozent der Menschen genetische Varianten des Enzyms PAM. Diese schwächen die Wirksamkeit von GLP-1-Medikamenten ab.

Nach sechs Monaten erreichten nur 12 Prozent der Patienten mit dieser Variante ihre Blutzuckerziele. In der Vergleichsgruppe waren es 25 Prozent.

Streit um Kostenübernahme in Deutschland

In Deutschland wird die finanzielle Zugänglichkeit kontrovers diskutiert. Der FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann fordert eine Erstattung der Abnehmspritzen durch die Gesetzliche Krankenversicherung. Er verweist auf die medizinische Notwendigkeit bei schweren Fällen.

Die SPD lehnt den Vorstoß ab. Sie argumentiert mit der angespannten Finanzlage der Krankenkassen und dem bisherigen Ausschluss von Appetitzüglern von der Erstattungspflicht.

Ungeachtet der politischen Diskussion baut Eli Lilly seine Produktionskapazitäten in Deutschland aus. In Alzey entsteht ein neues Werk für den Wirkstoff Mounjaro, um die steigende Nachfrage zu bedienen.

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