Adipositas: Orforglipron senkt das Gewicht in Studien um bis zu 11 Prozent
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 05:15 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von starkem Übergewicht gewinnt angesichts anhaltend hoher Betroffenenzahlen zunehmend an Bedeutung. In Österreich ist mehr als jeder dritte Erwachsene übergewichtig, während über 16 Prozent und damit rund 1,5 Millionen Menschen mit Adipositas leben.
Um Betroffenen, darunter auch sogenannten hoffnungslosen Fällen, neue Perspektiven zu bieten, thematisiert die Suchtmedizinerin Dr. Iris Zachenhofer zehn verhaltensbezogene und suchtmedizinische Ratschläge zur Gewichtsreduktion.
Dieser Ansatz betrachtet Essgewohnheiten unter suchtspezifischen Gesichtspunkten und ergänzt das Spektrum therapeutischer Maßnahmen, das parallel dazu durch neue pharmakologische und lebensstilbasierte Interventionen erweitert wird.
Neue Optionen in der medikamentösen Therapie
Neben verhaltensmedizinischen Impulsen entwickeln sich die pharmakologischen Behandlungsoptionen dynamisch weiter. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelagentur empfahl die Zulassung des Wirkstoffs Orforglipron unter dem Handelsnamen Foundayo für die Indikationen Adipositas sowie Typ-2-Diabetes. Die finale Bestätigung dieser Zulassung obliegt der Europäischen Kommission.
Die Empfehlung stützt sich auf die Phase-3-Studienprogramme ATTAIN und ACHIEVE des Herstellers Eli Lilly mit insgesamt mehr als 10.000 Teilnehmenden. In den Studien zum Gewichtsmanagement mit mehr als 4.740 Probanden verzeichneten die Behandelten nach 72 Wochen einen Gewichtsverlust von 5 bis 11 Prozent, während die Placebogruppe 2 bis 2,5 Prozent erreichte. In der Studie Attain-1 erzielten rund 40 Prozent der Teilnehmenden eine Gewichtsreduktion von 15 Prozent.
Bei Personen mit Typ-2-Diabetes zeigte Orforglipron in Studien mit 3.765 Teilnehmenden eine Senkung des HbA1c-Werts um 1,2 bis 1,9 Prozent. Im Vergleich dazu erzielte die Placebogruppe 0,4 bis 0,8 Prozent, Dapagliflozin in einer Dosis von 10 mg 0,8 Prozent und orales Semaglutid 1,2 bis 1,5 Prozent.
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Weitere Entwicklungen betreffen den GLP-1- und Glukagon-Rezeptoragonisten Survodutid, der laut der auf einem Fachkongress vorgestellten Phase-III-Studie SYNCHRONIZE-2 bei Typ-2-Diabetes und Adipositas zu einer Verringerung des Körpergewichts von bis zu 13 Prozent führte. Bereits seit September 2026 steht in Deutschland orales Semaglutid in einer Dosierung von 25 mg täglich zur Verfügung.
In der zugehörigen OASIS-4-Studie mit 307 Teilnehmenden über 64 Wochen lag der Gewichtsverlust bei 13,6 Prozent gegenüber 2,2 Prozent unter Placebo. Magen-Darm-Nebenwirkungen traten dabei bei 74 Prozent der Anwender auf, verglichen mit 42 Prozent in der Placebogruppe, bei monatlichen Kosten ab 172 Euro.
Ernährungsumstellung, Trainingskonzepte und Begleitung
Ergänzend zu pharmakologischen Ansätzen belegen klinische Untersuchungen das Potenzial strukturierter Lebensstilprogramme. Eine in Fachkreisen vorgestellte randomisierte Studie an 96 Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren mit Adipositas und frühem Typ-2-Diabetes untersuchte eine zwölfwöchige Formula-Diät mit 800 bis 900 Kilokalorien täglich kombiniert mit betreutem und eigenständigem Training, gefolgt von einer Phase zur Gewichtserhaltung.
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Nach 24 Wochen erreichten 54 Prozent der Interventionsgruppe eine Diabetes-Remission im Vergleich zu 4 Prozent der Kontrollgruppe, bei einer adjustierten Odds Ratio von 21,6. Die Teilnehmenden verloren im Durchschnitt 8,4 Kilogramm gezielt an Bauch- und Oberschenkelfett ohne Einbußen an Muskelmasse.
Gleichzeitig verweisen Fachleute auf Herausforderungen nach dem Absetzen von Medikamenten. Eine Pilotstudie mit 39 Probanden zeigte, dass eine Kontrollgruppe nach dem Ende einer GLP-1-Therapie innerhalb von vier Monaten 10,75 Prozent an Gewicht zulegte, während Gruppen mit Unterstützung durch eine Wellness-App oder abgestimmte Mahlzeiten jeweils 3,6 Prozent zunahmen.
Ernährungsexperten wie Prof. Dr. Michael Roden betonen zudem präventive Aspekte im Alltag: Ein halber Liter Cola enthalte beispielsweise rund 210 Kilokalorien und 53 Gramm Zucker, was etwa 18 Würfelzuckern entspricht.
Da weltweit mehr als 3,5 Milliarden Menschen mit Übergewicht oder Adipositas leben, betonen Mediziner wie Prof. John Deanfield die Notwendigkeit umfassender Präventions- und Therapiestrategien.
