Adipositas-Medikamente: Roche erzielt 15,5 Prozent Gewichtsverlust in Phase II
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Große Pharmaunternehmen wie Roche verstärken ihre Entwicklungsaktivitäten im Markt für Adipositas-Therapien, während Aufsichts- und Gesundheitsbehörden zeitgleich die Werbepraktiken und Leitlinien für entsprechende Medikamente strenger fassen.
Angesichts globaler Prognosen, die das Marktvolumen für gewichtsreduzierende Präparate langfristig auf bis zu 100 Milliarden US-Dollar jährlich taxieren, treiben die Akteure klinische Studien voran und sichern sich innovative Verabreichungsformen.
Klinische Fortschritte bei Roche und weiteren Entwicklern
Roche verzeichnete in Phase II für den Wirkstoff Enicepatide deutliche Reduktionen: Bei Typ-2-Diabetes mit Übergewicht oder Adipositas erreichte die höchste Dosis nach 48 Wochen einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 15,5 Prozent.
Der HbA1c-Wert sank im Mittel um 2,65 Prozentpunkte, wobei 90 Prozent der Probanden in dieser Dosisgruppe einen Wert von höchstens 6,5 Prozent erzielten. Ein Start der Phase-III-Prüfung ist für Anfang 2027 geplant.
Parallel legte Viking Therapeutics Daten zum Kandidaten VK2735 vor. Nach einer 21-wöchigen wöchentlichen Behandlung lag der durchschnittliche Gewichtsverlust je nach Dosierung bei rund 16 bis 19 Prozent.
Bei einer Umstellung auf eine Gabe alle zwei Wochen blieben bis zu 97 Prozent des Effekts erhalten, bei monatlicher Verabreichung bis zu 90 Prozent. Nach 33 Wochen wöchentlicher Einnahme erreichte der Gewichtsverlust rund 22 Prozent.
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Novo Nordisk und Eli Lilly setzen auf Ausbau und neue Galenik
Novo Nordisk verfolgt das Ziel, bis 2030 mehr als fünf neue Multi-Blockbuster einzuführen, und hat fünf Adipositas-Pillen in der Entwicklung. Auf seinem Kapitalmarkttag stand der Konzern jedoch unter Beobachtung: Goldman Sachs bemängelte die Margenperspektive bis 2030 sowie die Ungewissheit hinsichtlich des auslaufenden Semaglutid-Patentschutzes zu Beginn des kommenden Jahrzehnts.
Um die Pipeline abzusichern, schloss Novo Nordisk eine Vereinbarung mit dem schwedischen Biotech-Unternehmen Nanexa über dessen PharmaShell-Technologie. Das System soll ermöglichen, peptidbasierte Präparate nur noch einmal monatlich oder quartalsweise statt wie bisher meist wöchentlich zu verabreichen.
Das Abkommen umfasst bis zu fünf Entwicklungsprogramme mit bis zu 615 Millionen Euro an Vorab- und Entwicklungsmeilensteinen sowie einem Gesamtvolumen von bis zu 1,165 Milliarden Euro beziehungsweise bis zu 1,17 Milliarden Euro inklusive umsatzabhängiger Vergütungen.
Zuvor vereinbarte Novo Nordisk bereits eine Partnerschaft über 1,4 Milliarden US-Dollar mit Orbis Medicines und sicherte sich Kandidaten von Kallyope. Seit dem 1. September 2026 steht Semaglutid unter dem Handelsnamen Wegovy in deutschen Apotheken auch in Tablettenform zur Verfügung.
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Eli Lilly setzte unterdessen in Houston den ersten Spatenstich für eine 6,5 Milliarden US-Dollar teure Produktionsanlage, die über 600 Arbeitsplätze schaffen soll. Dort soll unter anderem das orale Präparat Foundayo gefertigt werden, das in den USA zur Gewichtsregulierung zugelassen ist und sich in über 40 Ländern im Zulassungsverfahren befindet. Eine weltweite Markteinführung strebt das Unternehmen für 2027 an.
Wirtschaftliche Gesamtkosten und regulatorische Rahmenbedingungen
Den Hintergrund dieser Forschungs- und Produktionsinvestitionen bilden erhebliche gesellschaftliche Belastungen. Laut einer Untersuchung des Office of Health Economics im Auftrag der EFPIA entsprechen die jährlichen Gesamtkosten durch Adipositas in acht europäischen Ländern 0,7 bis 1,4 Prozent der jeweiligen Wirtschaftsleistung. Die Kosten reichen von 2,5 Milliarden Euro in Rumänien bis zu 55,2 Milliarden Euro in Deutschland.
Gleichzeitig passen Fachgesellschaften ihre Handhabung an. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) überarbeiteten ihre gemeinsame Leitlinie für Kinder und Jugendliche vorzeitig.
Auf Basis neuer Evidenz zu GLP-1-Rezeptoragonisten formulierten die Fachgesellschaften zusätzliche Empfehlungen, die den Einsatz dieser Medikamente bei extremer Adipositas unter definierten Bedingungen in spezialisierten Zentren ermöglichen.
