ADHS, Schmerzen

ADHS und Schmerzen: Neue Studie zeigt doppeltes Erkrankungsrisiko

16.06.2026 - 08:41:22 | boerse-global.de

Neue Forschung belegt starke Verbindung zwischen ADHS und chronischen Schmerzen. KI verbessert Diagnostik, digitale Therapie zeigt Erfolge.

ADHS-Studie 2026: Doppelt so viele Schmerzpatienten betroffen
ADHS - Abstrakte Darstellung von neuronalen Netzwerken mit leuchtenden Knoten, die Schmerzsignale und Entzündungen symbolisieren. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt: Erwachsene mit therapieresistenten Schmerzen leiden doppelt so häufig unter ADHS wie der Durchschnitt. Die Forschung entdeckt tiefe Verbindungen zwischen Gehirn und Immunsystem.

Wissenschaftler haben einen deutlichen Zusammenhang zwischen ADHS und körperlichen Erkrankungen nachgewiesen. Besonders stark fällt die Verbindung zu chronischen Schmerzsyndromen aus. Daten aus dem Frühjahr und Sommer 2026 deuten darauf hin, dass neuroinflammatorische Prozesse und immunologische Faktoren eine zentrale Rolle spielen.

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Signifikante Korrelation bei therapieresistenten Schmerzen

Eine Studie in Scientific Reports vom Juni 2026 untersuchte 958 Erwachsene mit therapieresistenten chronischen Schmerzen. Die Ergebnisse sind eindeutig: ADHS-Symptome treten bei dieser Gruppe etwa doppelt so häufig auf wie in der Allgemeinbevölkerung. Besonders stark ausgeprägt ist der Zusammenhang bei Patienten mit einer Schmerzintensität von 9 bis 10 auf der Skala.

Als Ursache diskutieren Forscher die sogenannte zentrale Sensibilisierung sowie Neuroinflammationen. ADHS-Betroffene tragen demnach ein signifikant höheres Risiko für Migräne oder chronische Beckenschmerzen. Schon bei einjährigen Kindern, die später eine ADHS-Diagnose erhielten, waren erhöhte Entzündungsmarker nachweisbar – konkret Eosinophile.

Breite Palette an Komorbiditäten

ADHS lässt sich nicht isoliert als psychiatrische Störung betrachten. Die Forschung aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigt: Betroffene leiden häufiger unter Asthma, Allergien, Ekzemen sowie Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Typ-1-Diabetes. Auch Schilddrüsenunterfunktionen und Langzeitfolgen nach Infektionen wie Long-COVID treten vermehrt auf.

Auf genetischer Ebene zeigt eine GWAS-Studie die Komplexität der Störung. Rund 7.300 Genvarianten stehen mit ADHS in Verbindung. Die Schnittmenge mit anderen Krankheitsbildern ist enorm: Mehr als 90 Prozent der Risikovarianten beeinflussen auch die Wahrscheinlichkeit für Schizophrenie und Depressionen. 84 Prozent überschneiden sich mit Autismus-Spektrum-Störungen. Die Erblichkeit wird bei Fremdbewertungen auf 70 bis 80 Prozent geschätzt – bei Selbsteinschätzung liegt sie oft unter 50 Prozent.

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KI verbessert Diagnostik deutlich

In der Diagnostik zeichnen sich technologische Neuerungen ab. Ein an der Duke University entwickelter KI-Algorithmus nutzt elektronische Patientenakten. Das System schätzt das ADHS-Risiko bei Kindern unter neun Jahren ein – mit einer Trefferquote von 92 Prozent bei Hochrisikofällen. Als wichtige Indikatoren identifizierte die KI neben Verhaltensauffälligkeiten und schulischen Verzögerungen auch einen bestehenden Vitamin-D-Mangel.

Die Relevanz präziserer Verfahren wird durch globale Statistiken unterstrichen. Weltweit sind etwa 7,2 Prozent der Bevölkerung betroffen, bei Kindern sogar 11,4 Prozent. Schätzungen zufolge erhält aber nur etwa ein Fünftel eine offizielle Diagnose. In Deutschland hat sich die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen seit 2015 verdreifacht. Rund zwei Millionen Erwachsene sind hierzulande betroffen.

Digitale Therapie auf Rezept

Parallel zur verbesserten Diagnostik gewinnen digitale Gesundheitsanwendungen an Bedeutung. Eine Studie in Psychological Medicine untersuchte 2026 die App „Attexis“ an 337 Erwachsenen. Nach drei Monaten zeigten sich signifikante Verbesserungen der Symptomatik, der Lebensqualität und des Selbstwertgefühls. Die Effekte seien mit denen einer persönlichen Psychotherapie vergleichbar. Die App wird in Deutschland seit August 2025 von den gesetzlichen Krankenkassen financed.

Im März 2026 startete zudem das EU-Projekt RESOLVE. Das Konsortium, an dem unter anderem das Uniklinikum Essen beteiligt ist, wird mit 1,2 Millionen Euro gefördert. Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien gegen chronische neuropathische Schmerzen. Im Fokus steht der Einsatz von extrazellulären Vesikeln aus Stammzellen.

de | wissenschaft | 69550374 |