ADHS, Magen-Darm-Beschwerden

ADHS und Magen-Darm-Beschwerden: Risiko um 50 Prozent erhöht

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 10:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Analyse von 23 Studien verknüpft ADHS mit häufigerem Auftreten von Verdauungsproblemen, belegt jedoch keine direkte Ursache-Wirkung.

ADHS und Magen-Darm-Beschwerden: Studie zeigt deutlichen Zusammenhang
Ein steriler, minimalistischer medizinischer Laborbereich mit Laborglas auf einem Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Eine Übersichtsarbeit der Warwick Medical School an der University of Warwick liefert neue Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und chronischen Magen-Darm-Beschwerden.

Die systematische Analyse wertete 23 Einzelstudien mit Daten von über 1,9 Millionen Menschen im Alter zwischen 2 und 65 Jahren aus den USA, Schweden, Deutschland und Südkorea aus. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Journal of Attention Disorders veröffentlicht.

Deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für mehrere Beschwerdebilder

Laut der Auswertung geht ADHS mit einer um 48 beziehungsweise rund 50 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit für Magen-Darm-Beschwerden generell einher. Besonders auffällig sind die Zahlen bei einzelnen Krankheitsbildern: Verstopfung tritt den Forschenden zufolge bei Menschen mit ADHS fast doppelt so häufig auf wie in der Vergleichsgruppe.

Beim Reizdarmsyndrom (IBS) ermittelte das Team einen um 58 Prozent höheren Anteil. Am stärksten fällt der Unterschied bei Enkopresis, dem unwillkürlichen Einkoten, aus – hier liegt die Häufigkeit den Autorinnen und Autoren zufolge mehr als viermal so hoch.

Zusammenhang, keine nachgewiesene Ursache

Die Forschungsgruppe der Warwick Medical School betont ausdrücklich, dass die Übersichtsarbeit lediglich eine statistische Assoziation belegt, keinen kausalen Zusammenhang. Es lässt sich aus den vorliegenden Daten also nicht ableiten, dass ADHS die Magen-Darm-Beschwerden direkt verursacht oder umgekehrt. Für belastbare Aussagen zur Ursache-Wirkungs-Richtung wären nach Angaben der Forschenden weitere, gezielt darauf ausgerichtete Studien notwendig.

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Wenn bei ADHS der Bauch ständig mitreagiert, liegt das selten an einem einzigen Auslöser. Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Warwick Medical School wertete 23 Studien mit über 1,9 Millionen Menschen aus und fand eine um rund 50 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit für Magen-Darm-Beschwerden — Verstopfung fast doppelt so häufig, Reizdarm 58 Prozent häufiger. Einen kausalen Beweis gibt es nicht, doch die möglichen Erklärungen sind konkret: Darmflora, Medikamente wie Methylphenidat, Impulsivität beim Essen, die Darm-Hirn-Achse. Genau diese Punkte sortiert unser Leitfaden für Sie. Kostenlosen Leitfaden zur Darm-Hirn-Achse anfordern

Mögliche Erklärungsansätze

Als mögliche Erklärungen für den beobachteten Zusammenhang nennt die Studie mehrere Faktoren. Diskutiert werden eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora sowie Nebenwirkungen von Medikamenten, die bei ADHS eingesetzt werden, etwa Methylphenidat.

Daneben verweisen die Forschenden auf Verhaltensfaktoren wie Impulsivität, die sich beispielsweise auf Ernährungsgewohnheiten oder den Umgang mit Stuhldrang auswirken können. Auch die sogenannte Darm-Hirn-Achse sowie das Mikrobiom werden als potenzielle Bindeglieder zwischen neurologischen und gastrointestinalen Symptomen angeführt.

Bedeutung für Diagnostik und Versorgung

Die breite Datenbasis aus vier Ländern und unterschiedlichen Altersgruppen – von Kleinkindern bis ins mittlere Erwachsenenalter – verleiht den Befunden ein erhebliches Gewicht.

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Viele Eltern und Betroffene kennen das Muster: Der Bauch spielt verrückt, der Arzt findet nichts, und die Sorge vor Nebenwirkungen von Methylphenidat macht jede Entscheidung schwer. Die Warwick-Auswertung von 23 Studien mit 1,9 Millionen Menschen zeigt, dass Magen-Darm-Beschwerden bei ADHS deutlich häufiger auftreten — ohne dass daraus automatisch eine Ursache folgt. Unser Leitfaden hilft Ihnen, im Gespräch mit der Praxis die richtigen Fragen zu stellen. Fragenkatalog für den Arztbesuch jetzt anfordern

Für die klinische Praxis könnte das bedeuten, dass Magen-Darm-Symptome bei Patientinnen und Patienten mit ADHS-Diagnose stärker in den Blick genommen werden sollten, und umgekehrt bei chronischen Verdauungsbeschwerden auch neurologische beziehungsweise verhaltensbezogene Ursachen mitbedacht werden.

Eine abschließende Bewertung, ob und wie sich daraus konkrete Vorsorge- oder Behandlungsempfehlungen ableiten lassen, steht nach aktuellem Forschungsstand jedoch noch aus.

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