ADHS und chronische Schmerzen: Wie Aufmerksamkeitsstörungen Muskeln schädigen
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 19:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Forschung entdeckt immer mehr Verbindungen zwischen ADHS und chronischen Schmerzen. Aktuelle Studien zeigen: Eine unbehandelte Aufmerksamkeitsdefizitstörung kann muskuläre Beschwerden und Schmerzsyndrome auslösen oder verstärken.
Die ständige Alarmbereitschaft der Muskeln
Psychosomatische Fachärzte beobachten bei ADHS-Patienten eine auffällig hohe Muskelspannung. Die Muskulatur verhärtet sich physisch durch eine dauerhafte Anspannung. Chronischer Stress treibt diesen Prozess weiter an.
Das biopsychosoziale Schmerzmodell erklärt den Zusammenhang: Schmerz ist kein rein körperliches Ereignis, sondern das Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren. Bei ADHS-Betroffenen führt die ständige innere Unruhe zu einer physiologischen Alarmbereitschaft, die sich in chronischen Schmerzen manifestiert.
Genetische Durchbrüche bei Fibromyalgie
Die Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte am 28. Juli eine wegweisende Studie. Forscher identifizierten 26 genetische Risikoloci für Fibromyalgie, darunter eine Variante des HTT-Gens. Die Untersuchung basierte auf 2,5 Millionen Erwachsenen, darunter 55.000 Betroffene aus elf Kohorten.
Die Ergebnisse zeigen keine Verbindung zum MHC-Komplex. Das spricht gegen eine primär immunologische Ursache. Stattdessen stützen die Daten die Einordnung der Fibromyalgie als Störung des zentralen Nervensystems. Zudem fanden die Forscher genetische Überlappungen mit Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und einem erhöhten Body-Mass-Index.
Das Suchtrisiko in der Schmerztherapie
Ein kritischer Punkt: Bei etwa 20 Prozent der opioidabhängigen Patienten liegt eine ADHS vor – meist unbehandelt zum Zeitpunkt der Schmerzentstehung. Betroffene versuchen oft, ihre ADHS-Symptome durch Selbstmedikation mit Schmerzmitteln zu lindern.
Die neue Fibromyalgie-Studie in Nature Medicine identifiziert 26 genetische Risikofaktoren – darunter eine HTT-Gen-Variante. Für Betroffene mit chronischen Schmerzen und ADHS-Verdacht eröffnet das neue Therapieansätze. Unser kostenloser Report zeigt, wie Sie ein ADHS-Screening anstoßen, Bewegung gezielt einsetzen und von neuen Verfahren wie fokussiertem Ultraschall profitieren. 3-Schritte-Plan jetzt anfordern
Für eine erfolgreiche Therapie braucht es eine umfassende Abklärung der Patientengeschichte. In der fachärztlichen Praxis kommen Wirkstoffe wie Methylprednisolon oder Guanfacin zum Einsatz. Sie adressieren die neurologische Dysregulation und mindern so indirekt den Schmerz.
Neue Therapien – alte Strukturprobleme
Das LMU Klinikum in München startete im Juni die NeuroPain-Studie. Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie kartieren Forscher die individuelle Schmerzregion im Gehirn. Anschließend behandeln sie diese gezielt mit fokussiertem Ultraschall. Erste Ergebnisse werden 2027 erwartet.
Doch die stationäre Schmerzmedizin steht vor strukturellen Herausforderungen. Die Krankenhausreform (KHAG) könnte bis zu 40 Prozent der Behandlungsplätze gefährden – rund 450 Einrichtungen sind betroffen. In Deutschland leiden schätzungsweise 4,8 Millionen Menschen unter schweren chronischen Schmerzen. Bereits im Februar forderten Fachvertreter in einem Brandbrief eine eigene Leistungsgruppe für spezielle Schmerzmedizin. Derzeit vergehen im Schnitt 3,5 Jahre, bis Betroffene eine qualifizierte Behandlung erhalten.
Bewegung als wirksame Waffe
Neben Medikamenten und apparativen Therapien spielt körperliche Aktivität eine zentrale Rolle. Eine im Juli in JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie mit knapp vier Millionen Schülern belegt: Bessere körperliche Fitness senkt das Risiko für Depressionen und ADHS signifikant.
Unbehandelte ADHS kann chronische Schmerzen verstärken – bei 20 % der opioidabhängigen Patienten liegt eine ADHS vor. Wer die genetischen Risikofaktoren kennt, kann gezielt gegensteuern. Unser Leitfaden fasst die wichtigsten Erkenntnisse der aktuellen Forschung zusammen und liefert konkrete Handlungsschritte – von der Diagnostik bis zur Bewegungstherapie. Kostenlosen Leitfaden sichern
Bei bestehenden Nervenschmerzen empfehlen Ärzte sanftes Ausdauertraining wie Radfahren oder Schwimmen. Bei etwa 78 Prozent der Betroffenen führte das zu einer Schmerzreduktion. Auch medizinisches Krafttraining wirkt: Eine Studie in Nature Communications vom 28. Juli zeigt, dass Krafttraining ein Proteinnetzwerk aktiviert, das die Reparatur beschädigter Muskelbestandteile fördert.
Bei Fidget Toys sind Wissenschaftler der Universität Basel jedoch skeptisch. Die Spielzeuge reduzieren zwar Stress und Angst, verbessern aber nicht die Konzentration. Effektiver sind kurze Bewegungspausen von fünf bis zehn Minuten mit erhöhter Herzfrequenz – sie steigern die Leistungsfähigkeit für bis zu zwei Stunden.
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