ADHS-Therapie, Verhaltenstherapie

ADHS-Therapie: Verhaltenstherapie schlägt reine Medikation

30.05.2026 - 18:09:24 | boerse-global.de

Studie belegt: Verhaltenstherapie plus Medikamente verbessert Alltagskompetenzen bei ADHS-Kindern deutlich stärker als Pillen allein.

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Aktuelle Studien und Erfahrungen aus dem Spitzensport zeigen: Wer dauerhaft erfolgreich sein will, braucht psychosoziale Unterstützung.

Psychosoziale Therapie schlägt reine Medikation

Eine Ende Mai veröffentlichte Studie der HBKU-Universität liefert klare Daten. Die Forscher begleiteten Kinder zwischen sieben und elf Jahren und verglichen verschiedene Behandlungsansätze. Das Ergebnis: Patienten, die neben Medikamenten auch kognitive Verhaltenstherapie oder Elterntrainings erhielten, meisterten Alltagshürden deutlich besser als die reine Medikamentengruppe.

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„Eine Arzneimitteltherapie verbessert zwar die Aufmerksamkeit", erklärt Studienleiter Prof. Dr. Vahdet Gormez. „Sie kann aber mit einer Verschlechterung der allgemeinen Funktionsfähigkeit einhergehen." Der Grund: Medikamente adressieren biologische Faktoren, vermitteln aber keine Kompetenzen in Selbstorganisation oder Beziehungsaufbau. Die Experten empfehlen daher, psychosoziale Interventionen fest in die Routinebehandlung zu integrieren.

Spitzensport als Extremlabor

Wie herausfordernd ADHS im Hochleistungsumfeld sein kann, zeigt das Beispiel der Schweizer Sprinterin Catia Gubelmann. Die 24-jährige Meisterin über 400 Meter machte ihre 2025 diagnostizierte ADHS-Erkrankung öffentlich. Sie berichtet vom enormen Druck, den Alltag ohne passende Unterstützung zu bewältigen.

Laut Sportpsychiater Malte Claussen sind rund acht Prozent der Spitzensportler von ADHS betroffen. Die Organisation Swiss Sport Integrity verzeichnet seit 2018 einen steigenden Trend: 161 Gesuche für ADHS-Medikamente, die unter Dopingbestimmungen fallen können, wurden akzeptiert. Die Botschaft aus dem Spitzensport ist klar: Eine späte Diagnose oder unzureichende Begleitung kann Betroffene an den Rand der Kontrollfähigkeit bringen.

Fehldiagnosen und Wartezeiten

Der Zeitpunkt der Diagnose entscheidet oft über den weiteren Lebensweg. Eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal mit über 67.000 Schülern zeigt ein klares Muster: Jüngere Kinder einer Klasse erhalten in der vierten Jahrgangsstufe zu 52 Prozent häufiger eine ADHS-Diagnose als ihre älteren Mitschüler. Die Forscher fordern altersgerechtere Bewertungsverfahren, um Fehldiagnosen zu vermeiden.

Das System selbst steckt in der Krise. In Mönchengladbach etwa berichten Therapeuten von Wartezeiten zwischen neun und zwölf Monaten. Eine pauschale Honorarkürzung von 4,5 Prozent für Psychotherapeuten, die im April in Kraft trat, verschärft die Lage. Kassenpatienten droht eine schlechtere Versorgung.

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Digitalisierung als Sicherheitsnetz

Das Bundesgesundheitsministerium setzt auf den neuen Aktionsplan zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) für 2026 bis 2029. Kernstück ist die Digitalisierung: E-Rezept und elektronische Patientenakte (ePA) sollen Medikationsfehler reduzieren, die jährlich für rund 250.000 Krankenhauseinweisungen verantwortlich sind.

Die wirtschaftliche Dimension bleibt umstritten. Krankenkassen warnen vor steigenden Kosten. Der Verband Pharma Deutschland verweist dagegen auf Daten des GKV-Arzneimittelindex: Bis April zeigten sich sogar leicht sinkende Preise. Eine faktenbasierte Debatte sei nötig, um Verunsicherung zu vermeiden und eine stabile Versorgung zu gewährleisten.

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