ADHS-Diagnosen: Zahl der Erstfälle verdreifacht sich in zehn Jahren
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Digitale Helfer und Sensibilisierungsmaßnahmen sollen Betroffene entlasten.
Liva: App gegen die unsichtbare Last
Eine neue App namens Liva soll die unsichtbare Verantwortung im Alltag strukturieren. Entwickelt von Christian Schröder und der MCS Online Solutions GmbH, richtet sie sich gezielt an Mütter sowie Menschen mit ADHS oder neurodivergenten Denkweisen. Die Anwendung hilft bei der Organisation täglicher Aufgaben und reduziert so den Mental Load.
Parallel dazu entstehen Lösungen für komplexe Bürokratie. In der Schweiz hilft die App „We+“ Angehörigen von Beziehern von Ergänzungsleistungen bei der Antragstellung. Hintergrund: Zehntausende Anspruchsberechtigte rufen ihre Leistungen bisher nicht ab. Auch im Bildungssektor gibt es Neues: Eine Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule testet eine Nachhilfe-App mit schulinternem Material.
ADHS-Diagnosen steigen rasant
Die Wahrnehmung von Neurodivergenz hat sich gewandelt. Die Zahl der Erstdiagnosen bei Erwachsenen stieg innerhalb eines Jahrzehnts von 8,6 auf 25,7 pro 10.000 Personen. Besonders bei Frauen ist der Zuwachs signifikant. Experten führen das auf „Masking“ zurück – Betroffene kaschieren ihre Symptome über Jahre.
Prominente Beispiele wie Musikerin Juju, die öffentlich über ihre späte Diagnose sprach, zeigen den Entlastungseffekt durch diagnostische Klarheit. Für viele Betroffene ist der Alltag ein Balanceakt zwischen reizarmen Umgebungen und Erlebnisdrang. Fachvorträge an der Kopfklinik Heidelberg betonen: Schätzungsweise einer von 100 Menschen lebt im Autismus-Spektrum.
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Stress als Wirtschaftsfaktor
Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist zum kritischen Wirtschaftsfaktor geworden. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse von 2025 fühlen sich 66 Prozent der Deutschen häufig gestresst – ein Anstieg von 16 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Der DAK-Report belegt für 2024 durchschnittlich 33 Fehltage pro Jahr aufgrund psychischer Erkrankungen.
Das Fraunhofer IAO will gegensteuern: Das Programm „Cortex Circle“ startet im November 2026. Über fünf Monate trainieren Führungskräfte ihre kognitive Resilienz mit Neurotechnologien wie Wearables und Eye-Tracking.
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Sonnenblume als stilles Signal
Auch die Infrastruktur reagiert. Der Flughafen Köln/Bonn trat der „Hidden Disabilities Sunflower“-Initiative bei. Passagiere mit Autismus oder ADHS erhalten kostenlose Sonnenblumen-Schlüsselbänder – ein stilles Signal an geschultes Personal.
Die Programme zeigen Wirkung: Am Flughafen Zürich wurden seit November 2025 knapp 700 Bänder ausgegeben, die Schweizerischen Bundesbahnen verteilten über 10.000 Stück. Weitere Städte und Verkehrsbetriebe prüfen die Einführung solcher Systeme.
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