ADHS: Diagnose bei Mädchen 2–3 Jahre später als bei Jungen
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung rückt immer stärker in den Mittelpunkt von Forschung und öffentlicher Debatte. Dabei geht es nicht nur um Kinder – auch Erwachsene und der Einfluss digitaler Umgebungen werden zunehmend untersucht.
ADHS als lebenslange Herausforderung
ADHS ist keine reine Kinderkrankheit. Bei etwa zwei Dritteln der Betroffenen setzt sich die Störung bis ins Erwachsenenalter fort. In Deutschland sind schätzungsweise fünf Prozent der unter 18-Jährigen betroffen. Die Ursachen sind zu rund 80 Prozent genetisch bedingt.
Im Erwachsenenalter zeigt sich die Symptomatik oft durch chronisches Aufschieben, ausgeprägte Vergesslichkeit und eine tief sitzende innere Unruhe. Ein Problem: Die Diagnose erfolgt bei Mädchen meist zwei bis drei Jahre später als bei Jungen. Das hat weitreichende Folgen, denn ADHS geht häufig mit Depressionen, Angststörungen oder Suchtproblemen einher.
Die Berliner Rapperin Juju machte zuletzt öffentlich, dass ihre Diagnose erst nach einer psychotherapeutischen Behandlung gestellt wurde – ausgelöst durch Reizüberflutung und Schwierigkeiten bei Alltagsaufgaben.
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130 Millionen Euro für die psychische Gesundheit
Um Diagnose und Therapie zu verbessern, fließen derzeit massive Mittel in die Forschung. Die Universitätsklinik Jena ist Teil eines mitteldeutschen Clusters des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit. Bis 2030 wird das Projekt mit rund 130 Millionen Euro gefördert.
Unter der Leitung von Professor Martin Walter untersuchen Forscher in Jena, Halle und Magdeburg Schwerpunkte wie Depressionen, ADHS und Lese-Rechtschreibschwäche. Ein zentrales Ziel: Alternativen zu herkömmlichen Therapien finden. Denn die wirken laut Experten nur bei etwa der Hälfte der Patienten mit Depressionen – einer häufigen Begleiterkrankung von ADHS.
Zu den vielversprechenden Methoden gehört die Transkranielle Magnetstimulation. Das Verfahren beeinflusst die Hirnaktivität, ohne invasive Eingriffe.
Digitale Mechanismen unter Beschuss
Parallel zur klinischen Forschung wächst die Debatte über den Einfluss digitaler Plattformen auf die Konzentration. Verbraucherschützer warnen vor bestimmten Social-Media-Funktionen – besonders bei jungen Nutzern.
Ramona Pop vom Verbraucherzentrale Bundesverband spricht sich gegen pauschale Verbote aus. Sie fordert aber eine strengere Regulierung von Mechanismen, die potenziell suchterzeugend wirken oder die Aufmerksamkeitsspanne negativ beeinflussen. Dazu gehören Autoplay und endloses Scrollen.
Die Forderung kommt nicht von ungefähr: Laut Umfragen verlangen 81 Prozent der 14- bis 29-Jährigen mehr Verantwortung von den Plattformbetreibern. Auf europäischer Ebene werden derzeit verschiedene Ansätze diskutiert – darunter Zugangsbeschränkungen für Kinder unter 13 Jahren.
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Bundesfamilienministerin Karin Prien setzt sich für EU-weite Regelungen zum Medien- und Jugendschutz ein. Die EU-Kommission wird voraussichtlich nach der Sommerpause konkrete Vorschläge vorlegen.
Neue Therapieansätze und öffentliche Aufmerksamkeit
Neben Medikamenten und Psychotherapie entwickeln Forschungseinrichtungen spezialisierte Programme für neurologische Entwicklungsstörungen. An der Constructor University entstand etwa ein Programm für Kinder mit Autismus, um selektives Essverhalten zu therapieren. In einer zehnwöchigen Testphase stieg die Akzeptanz für verschiedene Lebensmittel deutlich, während Konflikte bei den Mahlzeiten sanken.
Solche Programme unterstreichen den Trend zu strukturierten, verhaltensorientierten Interventionen. Auch die Unterhaltungsbranche greift das Thema auf: Eine neue TV-Staffel mit Jenke von Wilmsdorff thematisiert ab Herbst unter anderem die Herausforderungen durch ADHS und Schlafprobleme – inklusive experimenteller Behandlungsansätze.
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