ADHS, Mädchen

ADHS bei Mädchen: Neudiagnosen in Baden-Württemberg steigen um 16 Prozent

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

DAK-Auswertungen zeigen mehr ADHS-Erstdiagnosen; Experten führen den Zuwachs auch auf frühere Erkennung und verspätete Diagnosen zurück.

DAK-Daten: ADHS-Erstdiagnosen bei Mädchen in Baden-Württemberg steigen
Symbolbild: ruhiger See bei Sonnenaufgang Illustration mit AI erstellt.

Auswertungen von Abrechnungsdaten der Krankenkasse DAK zeigen für das Jahr 2024 eine deutliche Zunahme bei den Erstdiagnosen des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms (ADHS). Bei Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg stiegen die Neudiagnosen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023 um 11 Prozent. Bei Mädchen fiel das Plus mit 16 Prozent besonders deutlich aus.

Im Südwesten wurden im Jahr 2024 insgesamt 5,3 Prozent der 3- bis 17-Jährigen wegen einer ADHS-Erkrankung medizinisch versorgt, während der bundesweite Vergleichswert bei 5,23 Prozent lag. Grundlage dieser Sonderanalyse sind die Abrechnungsdaten von rund 86.800 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 17 Jahren aus Baden-Württemberg.

Geschlechterunterschiede und regionale Befunde

Ein ähnliches Bild zeigt sich in weiteren Bundesländern. Laut dem DAK-Kinder- und Jugendreport für Bayern erhielten im Jahr 2024 gut 1,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen erstmals eine ADHS-Diagnose, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber 2023 entspricht.

Insgesamt wurden im Freistaat 5,8 Prozent der 3- bis 17-Jährigen wegen ADHS versorgt. Dabei legten die Erstdiagnosen bei Jungen um rund 20 Prozent zu, während bei Mädchen ein Anstieg von 13 Prozent registriert wurde.

Jungen erhielten zudem fast doppelt so häufig eine Erstdiagnose. Der Report stützt sich auf Abrechnungsdaten von rund 108.100 versicherten Kindern und Jugendlichen in Bayern sowie auf rund 5,7 Millionen Versorgungskontakte im Zeitraum von 2019 bis 2024.

Fachärztliche Einschätzungen weisen darauf hin, dass Mädchen mit ADHS-Merkmalen weiterhin als möglicherweise untererkannt gelten und seltener medikamentös behandelt werden. Da sich Symptome bei Frauen und Mädchen oft atypisch äußern, bleiben Diagnosen mitunter bis ins Erwachsenenalter aus. So wurde in einem dokumentierten Fall eine Betroffene erst im Alter von 49 Jahren diagnostiziert.

Ursachen der Entwicklung und diagnostische Einordnung

Der beobachtete Anstieg der Diagnosen bedeutet nach Angaben von Experten nicht zwingend, dass tatsächlich mehr Neuerkrankungen vorliegen. Vielmehr sei die Entwicklung auf eine höhere Sensibilität in den Praxen und eine frühzeitigere Erkennung zurückzuführen.

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Zudem betonen Experten, dass Medikamente bei der Behandlung nicht an erster Stelle stehen sollten. Fachleute verweisen zudem darauf, dass die Zuwächse in den Jahren 2023 und 2024 auch mit pandemiebedingt verspäteten Diagnosen zusammenhängen könnten. Sie heben die Relevanz einer frühen und strukturierten Versorgung hervor.

Leitlinien und therapeutische Empfehlungen

Für die Diagnostik und Behandlung bilden internationale Richtlinien einen Orientierungsrahmen. Die AAP aktualisierte ihre Leitlinie aus dem Jahr 2011 im Jahr 2019 auf Basis des DSM-5, wobei die wesentlichen Grundempfehlungen beibehalten wurden.

Neu hervorgehoben wurden dabei Begleiterkrankungen, die Altersgruppen an den Rändern – Vorschulkinder sowie Jugendliche – und die Einstufung von ADHS als chronische Erkrankung. Bei entsprechenden Auffälligkeiten wird eine diagnostische Abklärung für die Altersgruppe von 4 bis 18 Jahren empfohlen.

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Hinsichtlich der Interventionen staffelt die Leitlinie nach Altersstufen: Bei Vorschulkindern steht zunächst eine Verhaltenstherapie im Vordergrund. Für Schulkinder zwischen 6 und 12 Jahren werden Medikamente in Kombination mit Elternberatung sowie individueller schulischer Unterstützung empfohlen. Bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren stehen Medikamente und, sofern verfügbar, individuelle Verhaltenstherapien im Fokus.

Wie wichtig die Erfassung möglicher Begleiterkrankungen für den Alltag ist, zeigt das Beispiel eines 13-Jährigen mit Hinweisen auf ADHS, einer Autismus-Diagnose und einer Tic-Störung: Eine gesicherte Feststellung hilft Familien und Schulen dabei, das Verhalten besser einzuordnen und gezielte Fördermaßnahmen umzusetzen.

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