ADG-Warenwirtschaft: Ausfall blockiert E-Rezepte und Securpharm in Apotheken
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deEin technischer Ausfall im Warenwirtschaftssystem des Softwareanbieters ADG hat die Abläufe in zahlreichen Apotheken spürbar behindert. Wie Branchenberichte vom 31. Oktober 2026 darlegen, bestand seit den frühen Morgenstunden keine Verbindung zur Abda-Datenbank.
In der Folge konnten elektronische Rezepte nicht abgerufen werden, Hilfsmittel ließen sich nicht taxieren, und auch das Arzneimittel-Verifikationssystem Securpharm war beeinträchtigt. Eine Benachrichtigung innerhalb der Software wies die Anwender auf Fehler bei der Verarbeitung der E-Rezeptdaten hin.
Schneller Hotfix behebt die Systemstörung
Von den Ausfällen waren offenbar vor allem Betriebsstätten mit älteren Systemversionen betroffen, während Nutzer der neueren Kassen-App geringere Einschränkungen verzeichneten. Die Ursache des Problems konnte gegen Mittag identifiziert werden. In der Folge spielte der Softwareanbieter automatisch einen Hotfix für die Komponente Artikelstamm+V ein.
Wie am Nachmittag desselben Tages gemeldet wurde, normalisierte sich die Bearbeitung der E-Rezepte zunächst in einzelnen Betrieben schrittweise. Nachfolgende Berichte vom 1. November 2026 bestätigten schließlich, dass der elektronische Rezeptabruf nach der Behebung des Fehlers wieder vollständig und störungsfrei möglich war.
Wachsende Abhängigkeit von digitalen Infrastrukturen
Der Vorfall verdeutlicht die zunehmende Bedeutung robuster IT-Strukturen für die pharmazeutische Versorgung. Nach Angaben aus einem Bericht vom 2. November 2026 verzeichnet das Deutsche Bundesgesundheitsministerium derzeit eine steil steigende Adoptionskurve bei elektronischen Rezepten sowie elektronischen Patientenakten. Diese digitalen Anwendungen straffen die Verwaltungsabläufe in Arztpraxen und Apotheken im gesamten Bundesgebiet spürbar, erhöhen jedoch zugleich die Anfälligkeit des Praxis- und Apothekenalltags bei technischen Ausfällen.
Parallel zur Einführung des E-Rezepts gewinnt die Digitalisierung der Versorgung auch an weiteren Stellen an Bedeutung. Eine telefonische Umfrage von Bitkom Research, die von Ende August bis Ende September 2026 unter 1.132 Personen ab 16 Jahren durchgeführt wurde, zeigt ein differenziertes Bild digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA).
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Demnach haben 20 Prozent der Menschen in Deutschland bereits eine solche App auf Rezept verschrieben bekommen, und 15 Prozent haben diese Verordnung tatsächlich eingelöst. Insgesamt kennen 56 Prozent der Befragten das Konzept der App auf Rezept, während 36 Prozent die Anwendung zwar kennen, bislang jedoch keine entsprechende Verschreibung erhalten haben.
Die Verordnung dieser digitalen Anwendungen ist seit dem Digitale-Versorgung-Gesetz aus dem Jahr 2019 möglich. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, während das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein entsprechendes Verzeichnis führt.
Laut Bitkom Research würden 44 Prozent der Befragten eine App nutzen, um lange Wartezeiten zu überbrücken, und 33 Prozent sehen darin eine Erleichterung im Alltag. Gleichzeitig wünschen sich 49 Prozent häufigere Informationen durch Ärzte oder Psychotherapeuten. Demgegenüber glauben 41 Prozent nicht an eine therapeutische Hilfe durch Apps, und 27 Prozent verstehen deren konkreten Nutzen nicht.
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Wirtschaftliche Herausforderungen und neue Praxismodelle
Trotz der zunehmenden Digitalisierung blicken Hersteller von Gesundheits-Apps mit Sorge auf die Rahmenbedingungen. Eine separate, nicht repräsentative Online-Befragung des Branchenverbands Bitkom unter 34 Anbietern, die zwischen Anfang Juni und Anfang Juli 2026 stattfand, ergab deutliche Belastungen: 85 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert habe.
Zudem schätzten 76 Prozent die Investitionssicherheit als gering oder sehr gering ein. Dennoch plant die Hälfte der Anbieter in den kommenden 24 Monaten weitere Anwendungen herauszubringen.
Abseits zentraler Softwareplattformen entstehen in der Praxis zugleich innovative lokale Versorgungskonzepte. So bietet die Randow-Apotheke in Löcknitz unter der Leitung von Inhaber André Buchholz seit Anfang Oktober 2026 eine Videosprechstunde ohne Voranmeldung an. Patienten betreten dazu einen Beratungsraum vor Ort, während eine ärztliche Fachkraft per Video zugeschaltet wird, die über Rezepte oder Krankschreibungen entscheidet.
Der Dienst steht montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr zur Verfügung. Das integrierte Terminalsystem fragt Beschwerden baumartig in mehreren Sprachen wie Polnisch und Ukrainisch ab und löst bei Notfallsymptomen einen Alarm aus, den ausschließlich geschultes Apothekenpersonal quittieren darf. Für akute Notfallbehandlungen ist das System nicht vorgesehen.
