Aconitin, Ming-Chirurgie

Aconitin in Ming-Chirurgie: Forscher entdecken alte Schmerzblockade

15.06.2026 - 01:21:19 | boerse-global.de

Archäologen weisen hochgiftiges Eisenhut-Alkaloid auf historischen Operationsbestecken nach und belegen frühe Anästhesie.

Ming-Chirurgen nutzten Aconitin als Schmerzmittel
Aconitin - Nahaufnahme antiker chinesischer chirurgischer Instrumente aus Metall, kunstvoll auf dunklem Untergrund arrangiert, mit getrockneten Pflanzenresten. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das hochgiftige Alkaloid aus dem Eisenhut diente chinesischen Medizinern bereits vor Jahrhunderten zur Schmerzausschaltung.

Archäologischer Durchbruch in Xi'an

Ein Team der Northwest University in Xi'an untersuchte medizinische Werkzeuge aus dem Grab des Chirurgen Xia Quan. Auf zehn Instrumenten fanden die Wissenschaftler Spuren von Aconitin – ein Nervengift aus der Pflanzengattung Eisenhut.

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Historische Texte beschreiben den Einsatz von Pflanzenextrakten bei Operationen. Jetzt liefern die Funde den handfesten Beweis. „Aconitin aktiviert die Natriumionenkanäle in den Nervenzellmembranen", erklärt Dr. Zhao Congcang. Die Folge: kurze Erregung, dann Blockade der Nervenleitung – und der Schmerz verschwindet.

Riskante Dosierung mit tödlicher Grenze

Die Anwendung erforderte höchste Präzision. Schon 0,2 Milligramm lösen Vergiftungserscheinungen aus, ab 1 bis 2 Milligramm wird es tödlich. Die Mediziner entwickelten deshalb spezielle Sicherheitsmaßnahmen.

Sie trugen das Mittel direkt auf die Wunde auf oder mischten den Extrakt mit Alkohol. Um die Giftigkeit zu reduzieren, kochten sie die Pflanzenteile in Essig oder setzten schwarze Bohnen ein. Ein ausgeklügeltes System für damalige Verhältnisse.

Mehr als nur Eisenhut

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Die Entdeckung könnte erst der Anfang sein. Dr. Zhao Congcang vermutet, dass auch Alraune, Rhododendron und Aronstabgewächse zum Einsatz kamen. Die historischen Aufzeichnungen legen das nahe.

Die Forschung zeigt: Chinesische Chirurgen beherrschten vor über 600 Jahren eine Pharmakologie, die weit über einfache Volksmedizin hinausging. Präzise Dosierung, systematische Aufbereitung und kontrollierte Anwendung – die Ming-Ära war ihrer Zeit voraus.

Dass pflanzliche Wirkstoffe bis heute relevant sind, zeigt ein aktuelles Beispiel: Erst im Juni 2026 erhielt ein neuartiges Cannabis-Analgetikum für chronische Kreuzschmerzen die Marktzulassung in Deutschland und Österreich.

de | wissenschaft | 69541181 |