Aconitin auf OP-Besteck: Chinesische Chirurgen nutzten Nervengift als Narkose
29.05.2026 - 21:48:36 | boerse-global.de
Wissenschaftler haben erstmals direkte chemische Beweise für pflanzliche Betäubungsmittel gefunden, die chinesische Chirurgen vor rund 600 Jahren einsetzten. Eine Analyse in der Fachzeitschrift Antiquity belegt, dass auf Operationsbesteck aus der Ming-Dynastie giftige Pflanzenrückstände nachweisbar sind.
Sensationsfund aus dem Grab eines Arztes
Im Mittelpunkt der Studie steht ein Satz eiserner Operationswerkzeuge – darunter eine zwölf Zentimeter lange Schere und eine Pinzette. Die Instrumente wurden bereits 1974 im Kreis Jiangyin in der Provinz Jiangsu entdeckt. Sie stammen aus dem Grab von Xia Quan, einem Arzt, der von 1348 bis 1411 lebte.
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Archäologen der Northwest University in Xi'an untersuchten die Werkzeuge, die einen bemerkenswert hohen Eisenreinheitsgrad von 97 Prozent aufweisen. Ein rötlicher Pulverrückstand auf den Klingen und Spitzen weckte die Neugier der Forscher. War dieses Pulver möglicherweise ein medizinisches Präparat oder gar ein Betäubungsmittel?
Aconitin – tödliches Gift als Schmerzmittel
Das Team um Professor Congcang Zhao setzte modernste Analysemethoden ein. Mittels Mikro-Raman-Spektroskopie und stimulierter Raman-Streuung (SRS) wiesen die Forscher Spuren von Aconitin nach – einem hochwirksamen Nervengift aus Pflanzen der Gattung Aconitum, bekannt als Eisenhut oder Sturmhut.
Besonders aufschlussreich: Die höchsten Konzentrationen fanden sich an schwer zugänglichen Stellen der Instrumente. Das spricht dafür, dass das Gift absichtlich aufgetragen wurde. Professor Zhao spricht vom „ersten direkten chemischen Nachweis" von Anästhetika auf antiken chirurgischen Instrumenten. Die Expertin Karni Mateson von der University of Brisbane bezeichnet den Fund als die älteste chemisch belegte Narkose weltweit.
Raffinierte Entgiftungstechniken
Die Verwendung von Aconitin zeugt von erstaunlichem pharmakologischem Wissen der Ming-Ärzte. Denn das Gift ist in reiner Form tödlich. Historische Texte aus jener Zeit beschreiben jedoch verschiedene Methoden, um die Toxizität zu reduzieren.
Während die Medizin der Ming-Dynastie auf riskante Pflanzenextrakte setzte, bietet die moderne Naturheilkunde sichere Alternativen zur Schmerzbewältigung. Erfahren Sie in diesem Gratis-Ratgeber, wie Sie den 3-Finger-Trick der Traditionellen Chinesischen Medizin bei Arthrose-Schmerzen effektiv anwenden. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide hier anfordern
Die Ärzte kochten die Pflanze demnach in Essig oder mischten sie mit Bohnen, schwarzen Sojabohnen – oder sogar Kinderurin. Die Forscher gehen davon aus, dass das Aconitin lokal als Betäubungsmittel aufgetragen wurde, bevor der Chirurg den Schnitt setzte. Damit bestätigt der Fund schriftliche Überlieferungen über chirurgische Eingriffe im alten China, für die es bislang keine physischen Belege gab.
Moderne Parallelen: Cannabis statt Aconitin
Dass die Regulierung von Substanzen bis heute über Leben und Tod entscheiden kann, zeigt eine aktuelle US-Studie. Forscher werteten Versicherungsdaten von 107,5 Millionen Beschäftigten aus den Jahren 2011 bis 2021 aus. Das Ergebnis: In Regionen mit medizinischen Cannabis-Apotheken sank die Zahl nicht-tödlicher Opioidvergiftungen um 15,47 Prozent. Bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 34 Jahren lag der Rückgang sogar bei 23,27 Prozent. Ein Beleg dafür, dass der Zugang zu alternativen Schmerzmitteln auch heute noch Leben retten kann.
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