Achtsamkeitstrend: Experte warnt vor Einsamkeitsfalle
04.06.2026 - 19:06:33 | boerse-global.de
Immer mehr Deutsche nutzen Meditationskurse – und die Krankenkassen zahlen kräftig mit. Doch Experten warnen vor einer Schattenseite des Achtsamkeitstrends.
Bis zu 300 Euro pro Jahr von der Kasse
Der Boom mentaler Trainingsmethoden ist kein Zufall. Getrieben wird er vor allem von den gesetzlichen Krankenkassen. Sie bezuschussen Kurse zur Stressbewältigung und Meditation – vorausgesetzt, die Anbieter haben das Siegel der Zentralen Prüfstelle Prävention (ZPP).
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Die Erstattungen variieren stark. Die Techniker Krankenkasse zahlt bis zu 300 Euro pro Jahr. Die Barmer erstattet zwischen 150 und 200 Euro, die IKK classic bis zu 180 Euro. Die Knappschaft unterstützt mit 160 Euro, die DAK mit 150 Euro. Voraussetzung: Der Kurs muss abgeschlossen sein, Rechnung und Teilnahmebescheinigung werden eingereicht.
Die Einsamkeitsfalle der Selbstoptimierung
Doch der Trend hat eine Kehrseite. Dr. Janosch Schobin, Einsamkeitsforscher, warnt vor einer gefährlichen Entwicklung. Sein Argument: Wer sich ständig in die eigene Achtsamkeitspraxis zurückzieht, verliert den sozialen Austausch. Der Rückzug ins Private könne in eine Einsamkeitsfalle führen.
Laut Schobin schadet dieser Trend langfristig sogar der Demokratie. Wenn Selbstoptimierung über gemeinschaftliches Engagement gestellt wird, leidet der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die Botschaft ist klar: Achtsamkeit muss im sozialen Kontext bleiben – sonst wird sie zum Problem.
Von Lama-Wanderungen bis Basstherapie
Der Markt für mentales Training explodiert förmlich. Neben klassischen Meditationskursen finden sich immer ausgefallenere Formate. In Gelsenkirchen gibt es meditative Wanderungen mit Lamas. In Magdeburg bieten schamanische Heilkreise Einstiegsmöglichkeiten ohne Vorkenntnisse.
Auch die Volkshochschulen ziehen mit. Die VHS St. Ingbert integriert Ayurveda und Kurse zur Bewältigung von „Mental Load“ – der psychischen Belastung durch Alltagsorganisation. Das Lehmbruck Museum in Duisburg geht noch weiter: Dort gibt es Mitte Juni eine „Basstherapie“ als installative Kollektiv-Improvisation. Die Grenzen zwischen Therapie, Kultur und Freizeit verschwimmen zunehmend.
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Smartphone-Kurse für Senioren als Einstieg
Damit auch ältere Menschen von digitalen Gesundheitsangeboten profitieren, entstehen neue Bildungsformate. In Visselhövede startet Mitte Juni ein spezieller Kurs für Senioren. In Kleingruppen lernen sie die Grundlagen der Smartphone-Nutzung – von Kommunikation bis Sicherheit im Netz.
Das Ziel: Auch ältere Generationen sollen Zugang zu modernen, App-basierten Meditations- und Präventionsanwendungen bekommen. Ohne digitale Grundkenntnisse bleiben sie außen vor.
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