Arbeitnehmern, Erschöpfung

Acht von zehn Arbeitnehmern leiden unter Erschöpfung

18.05.2026 - 23:55:42 | boerse-global.de

Über 80 Prozent der Arbeitnehmer leiden unter Erschöpfung. Atem- und Achtsamkeitsübungen gelten als vielversprechende Gegenmittel, doch die Arbeitswelt reagiert nur langsam.

Acht von zehn Arbeitnehmern leiden unter Erschöpfung - Foto: über boerse-global.de
Acht von zehn Arbeitnehmern leiden unter Erschöpfung - Foto: über boerse-global.de

Wissenschaftler und Unternehmen setzen daher zunehmend auf Atemtechniken und Achtsamkeitspraktiken als wirksame Gegenmittel. Studien belegen die physiologische Wirksamkeit dieser Methoden – doch die Arbeitswelt hinkt hinterher.

Warum das Gehirn Mails wie Löwenangriffe verarbeitet

Die wissenschaftliche Grundlage liefert eine Studie aus der Fachzeitschrift „Biological Reviews“. Colin Shaw von der Universität Zürich und Daniel Longman von der Loughborough University zeigen: Moderne Stressoren wie der ständige E-Mail-Eingang lösen im Körper die gleichen Reaktionen aus wie lebensbedrohliche Situationen. Das Nervensystem schaltet in den Alarmmodus, schüttet Stresshormone aus und erhöht den Blutdruck.

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Das Kernproblem: Diese Reaktion verläuft heute chronisch, ohne Phasen der Erholung. Die Dauer-Alarmbereitschaft schwächt langfristig das Immunsystem und senkt kognitive Fähigkeiten. An Orten wie der Zürcher Hardbrücke maßen die Forscher erhöhte Stresslevel, während Waldaufenthalte den Blutdruck senkten. Atemtechniken dienen als direkte Schnittstelle zum vegetativen Nervensystem – sie führen den Körper künstlich in den Ruhemodus zurück, wenn natürliche Erholungsräume fehlen.

Ergänzend beschreiben Karen Dillon und Rob Cross in der Harvard Business Review das Konzept des „Mikrostresses“. Es sind die vielen kleinen Stressmomente des Alltags, die einzeln unbedeutend wirken, in der Summe aber massiv Energie rauben. Ihre Empfehlung: mehr Achtsamkeit für diese Mikrostressoren und die Pflege mehrerer Lebensbereiche als Ausgleich.

Dampfablassen verlängert die Erregung

Ein weit verbreiteter Irrtum: Aggressives „Dampfablassen“ beruhigt nicht. Eine Metaanalyse von Brad Bushman aus dem Jahr 2024 wertete Daten von über 10.000 Teilnehmern aus. Das Ergebnis: Das Austoben von Wut – etwa durch Schlagen auf einen Boxsack oder lautes Schreien – verlängert die emotionale Erregung eher, als sie zu senken.

Aktivitäten, die das körperliche Erregungsniveau senken, wirken dagegen effizient. Dazu zählen tiefes Atmen, Meditation, Yoga und progressive Muskelentspannung. Überraschend: Joggen schnitt bei der unmittelbaren Beruhigung schlechter ab als einfaches Nichtstun. Die bewusste Kontrolle des Atems und Stille sind offenbar die entscheidenden Faktoren, um den Körper nach Stress wieder zu normalisieren.

Eine DKV-Studie aus dem Frühjahr 2023 mit 2.800 Befragten ab 18 Jahren zeigt: Das Bewusstsein für diese niederschwelligen Interventionen wächst. Atemtechniken lassen sich ohne aufwendiges Equipment in den Alltag integrieren.

380 Achtsamkeits-Retreats allein im deutschsprachigen Raum

Der Markt reagiert auf den steigenden Bedarf. Für 2026 sind im deutschsprachigen Raum über 380 kuratierte Achtsamkeits-Retreats gelistet. Die Preise reichen von 98 Euro für Kurzprogramme bis zu 660 Euro für Silent-Retreats in den Alpen.

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Auch die Ausbildung professionalisiert sich. Die Schweizerische Akademie für Burnout-Prophylaxe (sab-p) bietet eine 16-monatige Ausbildung zum diplomierten Burnout-Prophylaxe Coach an – Start Februar 2027. Anbieter wie Strong Partners führen zertifizierte Workshops nach §20 SGB V durch. Arbeitnehmer können so Krankenkassenzuschüsse für Präventionskurse nutzen.

Spezialisierte Einrichtungen wie METTNAU in Radolfzell integrieren Atemtherapie und psychologisches Coaching in zweiwöchige Reha-Programme für rund 2.930 Euro. Ziel: chronische Erschöpfungsmuster durchbrechen, bevor ein klinisches Burnout eintritt. Parallel gewinnen regionale Workshops an Popularität – etwa QiGong- und Meditationskurse im Allgäu für August und September 2026.

Paradox: Machbares Pensum, aber 81 Prozent mit Burnout-Symptomen

Der „isolved VOW Report 2026“ zeigt ein widersprüchliches Bild: 73 Prozent der befragten Mitarbeiter halten ihr Arbeitspensum für bewältigbar – dennoch berichten 81 Prozent von Burnout-Symptomen. 58 Prozent planen wegen der Belastung einen Jobwechsel.

Die Daten deuten auf strukturelle Probleme hin, die individuelle Atemübungen allein nicht lösen können. Unklare Erwartungen, inkonsistente Prozesse und mangelnde Transparenz bei Kapazitäten werden als Hauptursachen genannt. Fast die Hälfte der Mitarbeiter gab an, dass bessere Tools und standardisierte Abläufe den Stress deutlich reduzieren könnten.

Besonders betroffen: die 18- bis 30-Jährigen. Laut DAK Gesundheitsreport und Analysen des Arbeitspsychologen Marcus Neuzerling zeigt sich bei jungen Erwachsenen ein Muster aus Identitätsdruck, Zukunftsängsten und sozialen Medien. Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten und emotionale Erschöpfung nehmen zu. Neuzerling betont: Offline-Zeiten und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, sind essenzielle Selbstfürsorge.

Spezialisierte Angebote für neurodivergente Menschen

Die kommenden Monate deuten auf eine stärkere Segmentierung der Wellness-Angebote hin. Ein wachsender Bereich: Stressprävention für neurodivergente Erwachsene. Therapeuten wie Michel Bordeau bieten Programme für Menschen mit ADHS oder Autismus-Spektrum-Störungen an – mit Fokus auf Kommunikation unter Stress.

Auch Nischenangebote für spezifische Krisen entstehen. Ende Mai 2026 findet in Düsseldorf ein Auszeit-Treffen für Eltern nach Fehlgeburten statt. Es kombiniert professionelle Trauerbegleitung mit Entspannungselementen.

Atemübungen und Pranayama sind 2026 weit mehr als esoterische Randerscheinungen. Sie bilden die physiologische Basis für moderne Resilienzstrategien. Doch der Erfolg wird davon abhängen, ob Unternehmen neben der individuellen Befähigung auch strukturelle Stressoren abbauen. Die Kombination aus biologisch fundierten Entspannungstechniken und einer gesunden Unternehmenskultur gilt als entscheidend für nachhaltige Leistungsfähigkeit.

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