ACC-Empfehlung: 5.000 bis 7.000 Schritte täglich reichen für Herzvorteile
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 22:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deRegelmäßige körperliche Aktivität bildet einen unverzichtbaren Pfeiler der kardiovaskulären Prävention und Therapie. Eine wissenschaftliche Stellungnahme des American College of Cardiology (ACC), die Mitte Oktober 2026 im Fachjournal JACC unter dem Vorsitz von Jonathan Myers von der Stanford University veröffentlicht wurde, unterstreicht die medizinische Dringlichkeit von gezielter Bewegung.
Demnach gilt eine geringe kardiorespiratorische Fitness als verlässlicher Prädiktor für kardiovaskuläre Erkrankungen – in einem Ausmaß, das mit klassischen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes vergleichbar ist.
Leitlinien für Ausdauer und Kraft
Für Erwachsene, einschließlich Personen mit bereits bestehenden kardiovaskulären Vorerkrankungen, empfiehlt das ACC ein wöchentliches Pensum von 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Ausdaueraktivität. Ergänzend dazu sollte an mindestens zwei Tagen pro Woche ein Krafttraining erfolgen, welches das Ausdauertraining komplementiert.
Jonathan N. Myers vom Palo Alto VA Health Care System betonte in der Stellungnahme, dass jede Aktivität besser sei als gar keine. Bereits kleine Steigerungen brächten vor allem für zuvor inaktive Personen signifikante gesundheitliche Vorteile mit sich. Die größte Risikoreduktion zeige sich bei Personen mit überwiegend sitzendem Lebensstil, die ihr Aktivitätsniveau leicht anheben.
In Bezug auf das Schrittziel ordnete die Fachgesellschaft ein, dass für viele Erwachsene bereits rund 5.000 bis 7.000 Schritte täglich mit klinisch relevanten Verbesserungen sowie einer geringeren Gesamtmortalität einhergehen; die oft genannten 10.000 Schritte seien keine zwingende Voraussetzung.
Die Verschreibung von Bewegung sollte laut ACC stets sicher, individualisiert, erreichbar und nachhaltig sein. Die Ausgestaltung richtet sich nach dem kardiovaskulären Zustand, der funktionellen Kapazität, den Symptomen sowie den Präferenzen der Betroffenen. Routine-Belastungstests vor Trainingsbeginn erachtet das ACC bei den meisten asymptomatischen oder klinisch stabilen Personen als nicht notwendig.
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Stellenwert und Grenzen der kardialen Rehabilitation
Die kardiale Rehabilitation bleibt laut der Fachgesellschaft eine Erstlinientherapie und wird nach Myokardinfarkten, perkutanen Koronarinterventionen (PCI) sowie herzchirurgischen Eingriffen mit einer Klasse-1-Empfehlung eingestuft. Der Zugang zu diesen Programmen müsse weiter ausgebaut werden.
Bei stabiler Angina pectoris sollte die Trainingsintensität knapp unterhalb der Schwelle zu Brustschmerzen liegen, während für Betroffene mit symptomatischer peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAD) ein strukturiertes Programm angeraten wird.
Gleichzeitig definiert das ACC klare Kontraindikationen: Ein Training ist innerhalb von zwei Tagen nach einem Myokardinfarkt, bei instabiler Angina pectoris sowie bei unkontrollierten Arrhythmien mit hämodynamischer Beeinträchtigung nicht empfohlen.
Wearables bewertet das ACC differenziert: Sie führten oft nur zu moderaten Aktivitätssteigerungen und könnten bei übermäßiger Selbstkontrolle Angstgefühle auslösen, böten jedoch in Kombination mit virtuellen oder häuslichen Rehabilitationsprogrammen eine Möglichkeit, die Trainingsbeteiligung zu unterstützen.
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Ergänzende Einflüsse auf die körperliche Widerstandskraft
Auch in der breiteren sport- und ernährungsmedizinischen Praxis wird der Vorrang von Kontinuität hervorgehoben. Die Kardiologin Dr. Melanie Hümmelgen unterstreicht, dass Regelmäßigkeit die reine Intensität übertreffe.
Zwei Krafteinheiten pro Woche seien ohne Gang ins Fitnessstudio realisierbar; im Ausdauerbereich genügen drei bis vier Einheiten, um ein Ziel von 150 bis 300 Minuten pro Woche zu erreichen. Ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten stärke zudem die Immunabwehr.
Ergänzend weist der Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl darauf hin, dass rund 80 Prozent des Immunsystems im Darm angesiedelt seien, weshalb Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren eine zentrale Rolle spielen.
Während ein Vitamin-C-Mangel hierzulande kaum auftrete und Zinkpräparate bei Infekten keinen eindeutigen Nutzen aufwiesen, sei Vitamin D nur bei einem labordiagnostisch nachgewiesenen niedrigen Blutwert zu supplementieren. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigte diesbezüglich, dass eine ballaststoffarme Ernährung die Infektverläufe bei Mäusen verschlechterte.
Parallel dazu wiesen Universitäten in Cambridge und Fudan anhand von Datensätzen von über 42.000 Teilnehmenden nach, dass auch soziale Isolation mit veränderten Proteinmustern und einer gesteigerten Infektanfälligkeit in Verbindung steht.
