Abrechnungsbetrug: KKH meldet über 8 Millionen Euro Schaden in zwei Jahren
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Krankenkasse KKH meldet für den Zeitraum 2024 bis 2025 einen bundesweiten Schaden durch Abrechnungsbetrug von über 8 Millionen Euro – der höchste Zweijahreswert in der Geschichte der Kasse. Im vorherigen Zweijahreszeitraum hatte der Schaden noch bei rund 4,5 Millionen Euro gelegen. Die aktuellen Zahlen geben Einblick in ein Problemfeld, das nach Einschätzung von Ermittlern deutlich größer sein dürfte, als offizielle Statistiken zeigen.
Anstieg über zwei Jahre
Aufgeschlüsselt nach Jahren entfielen laut KKH 5,4 Millionen Euro des Gesamtschadens auf 2024 und rund 2,6 Millionen Euro auf 2025. Innerhalb des Jahres 2025 lassen sich die Schwerpunkte genauer benennen: Rund 875.615 Euro gingen auf Arzneimittelbetrug zurück, etwa 844.411 Euro auf ambulante und stationäre Pflege. Zusätzlich verzeichnete die Kasse einen Schaden von 381.272 Euro bei Transportunternehmen.
Pflegebereich im Fokus der Hinweise
Besonders auffällig ist die Konzentration der Verdachtsfälle auf die Pflege: Von 605 neuen Hinweisen, die bei der KKH 2025 bundesweit eingingen, betrafen 395 die ambulante beziehungsweise außerklinische Intensivpflege. Als häufigste Betrugsmaschen nennt die Kasse nicht erbrachte Leistungen, den Einsatz unqualifizierten Personals sowie fehlende Zulassungen.
Die Bundes-Pflegestatistik verweist zudem auf weitere Betrugsformen in diesem Feld, darunter Leistungen für bereits verstorbene Versicherte, Doppelbuchungen und gefälschte Unterschriften. Bundesweit sind rund 1,1 Millionen Menschen auf ambulante Pflegedienste angewiesen – eine Größenordnung, die das Ausmaß des Risikos verdeutlicht.
Rückforderungen und Strafanzeigen
Den Ermittlungen der KKH zufolge konnten im Zeitraum 2024 bis 2025 gut 1,3 Millionen Euro zurückgeholt werden. Im Jahr 2025 stellte die Kasse zudem in 18 Fällen Strafanzeige. Zur Aufdeckung setzt die KKH mittlerweile intern künstliche Intelligenz zur Datenprüfung ein. Ein kassenübergreifender Datenabgleich sei nach Angaben der KKH derzeit jedoch nicht erlaubt – die Kasse fordert dafür einen politischen Weg.
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Größere Dunkelziffer laut Ermittlern
Der Chefermittler der KKH schätzt den tatsächlichen Gesamtschaden im Gesundheitswesen aufgrund einer hohen Dunkelziffer auf Milliardenhöhe. Diese Einschätzung deckt sich mit Zahlen des GKV-Spitzenverbands, wonach die bundesweiten Leistungsausgaben 2025 bei rund 410 Milliarden Euro lagen, während die von den Kassen und Pflegekassen erfassten Schäden für 2022 bis 2023 bei über 200 Millionen Euro lagen.
Der Verband beziffert zudem einen Anstieg der Schäden durch Betrug und Korruption im Gesundheitswesen zwischen 2021 und 2023 um rund 52 Prozent – von 132 Millionen auf über 200 Millionen Euro.
Wahrnehmung in der Bevölkerung
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH vom 24. bis 27. Juli 2026 unter 1.002 Befragten im Alter von 18 bis 70 Jahren zeigt, dass 65 Prozent das Gesundheitswesen für betrugsanfällig halten, 22 Prozent sogar für sehr anfällig. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, selbst schon einmal Betrug mitbekommen zu haben.
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Was Verbraucher tun können
Angesichts der Zahlen rät die Verbraucherzentrale dazu, bei Pflegeleistungen einen Kostenvoranschlag zu verlangen sowie Leistungsnachweise und Rechnungen sorgfältig zu prüfen. Blanko-Unterschriften oder pauschale Einzugsermächtigungen sollten Betroffene und Angehörige vermeiden.
Bestehen Verdachtsmomente, empfiehlt die Verbraucherzentrale, diese direkt der zuständigen Pflegekasse zu melden – ein Schritt, der angesichts der begrenzten Ermittlungsmöglichkeiten der Kassen an Bedeutung gewinnt.
