Abnehmspritzen: Schweizer Nationalrat fordert Einschränkung der Kostenübernahme
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Vor dem Hintergrund spürbar steigender Belastungen im Schweizer Gesundheitssystem rückt der Leistungskatalog der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verstärkt in den Fokus der Politik. Der Schweizer Nationalrat Mike Egger (SVP) fordert eine Einschränkung der Kostenübernahme für sogenannte Abnehmspritzen durch die Grundversicherung.
Angesichts der prognostizierten Prämiensteigerungen für das Jahr 2027 verlangt der Politiker mehr Eigenverantwortung der Versicherten sowie einen grundsätzlich kritischeren Umgang mit den Leistungen, die über die Grundversicherung abgerechnet werden.
Egger stützt seine Forderung auf Berechnungen des Bundes, wonach die Krankenkassenprämien im Jahr 2027 um durchschnittlich 5,0 Prozent zulegen werden.
Deutlicher Anstieg der Prämien im Jahr 2027
Die finanzielle Mehrbelastung der Haushalte zeichnet sich in den offiziellen Daten deutlich ab. Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) klettert die durchschnittliche Krankenkassenprämie in der Schweiz im Jahr 2027 um 5,0 Prozent auf 412 Franken pro Monat. Diese Entwicklung betrifft alle Altersgruppen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß:
- Erwachsene zahlen im Jahr 2027 monatlich 487,60 Franken, was einem Plus von 22,80 Franken beziehungsweise 4,9 Prozent entspricht.
- Für junge Erwachsene erhöht sich die Prämie um 15,40 Franken oder 4,8 Prozent auf 338,80 Franken.
- Bei Kindern beträgt der Aufschlag 5,70 Franken beziehungsweise 4,6 Prozent, womit die monatliche Prämie bei 128,10 Franken liegt.
Als wesentliche Treiber dieser Prämienentwicklung nennt das BAG eine gestiegene Zahl an Behandlungen, den medizinisch-technologischen Fortschritt sowie die allgemeine Alterung der Bevölkerung. Bei den Gesamtkosten verzeichnete das Amt für das Jahr 2025 ein Plus von 5,3 Prozent.
Die Durchschnittsprämie steigt 2027 um 5,0 Prozent auf 412 Franken pro Monat, für Erwachsene auf 487,60 Franken — die Versicherer informieren bis Ende Oktober, gewechselt werden kann bis Ende November. Wer die Fristen und Kantonsunterschiede kennt, kann die Mehrbelastung für das eigene Haushaltsbudget eingrenzen. Kostenlosen Prämien-Leitfaden anfordern
Für das Jahr 2026 wird mit einem Zuwachs von 4,7 Prozent gerechnet, bevor für 2027 ein weiterer Kostenanstieg um 5,0 Prozent erwartet wird. Die Versicherer informieren ihre Kunden bis Ende Oktober über die neuen Tarife, woraufhin ein Wechsel der Krankenkasse bis Ende November möglich ist.
Regionale Entwicklungen und politische Entlastungsinitiativen
Die Debatte über die Kostenentwicklung und den Leistungsumfang schlägt sich auch auf kantonaler Ebene nieder. Aus einem Dokument des BAG geht hervor, dass die monatliche Durchschnittsprämie im Kanton Zürich im Jahr 2027 bei rund 404 Franken liegt und damit unter dem landesweiten Durchschnitt von 412 Franken bleibt.
Als zentrale Kostentreiber identifiziert der Zürcher Regierungsrat eine hohe Inanspruchnahme von Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, gestiegene Tarife im stationären Bereich sowie ein Kostenwachstum bei der Spitex und der Psychotherapie.
Neben den Prämien steht auch der Leistungskatalog der Grundversicherung zur Debatte: Aus dem Nationalrat kommt die Forderung, die Kostenübernahme für Abnehmspritzen einzuschränken und die Eigenverantwortung der Versicherten zu stärken. Der Leitfaden ordnet ein, was die Grundversicherung heute trägt und wo eine Zusatzversicherung ansetzt. Leitfaden zu Grundversicherung und Eigenverantwortung sichern
Um Familien vor den finanziellen Folgen zu schützen, formiert sich parlamentarischer Gegenwind. Im Kanton Zürich verlangt eine parlamentarische Initiative von Hans Egli (EDU), Brigitte Röösli (SP) und Michael Bänninger (EVP) eine Ausweitung der Unterstützung: Sie fordert die volle Übernahme der Krankenkassenprämie für minderjährige Kinder im Umfang der jeweiligen regionalen Durchschnittsprämie.
Bislang sieht der kantonale Rahmen eine Kostenübernahme von mindestens 80 Prozent vor. Die Diskussion um die Finanzierbarkeit des Systems und den Umfang erstattungsfähiger Therapien dürfte sich angesichts des kontinuierlichen Kostendrucks in den kommenden Monaten weiter verschärfen.

